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Frankreichs Skandal-WM: Domenech sortiert Rebellen-Kapitän Evra aus

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Jetzt greift Frankreichs Nationaltrainer Raymond Domenech doch noch durch: Im WM-Entscheidungsspiel gegen Südafrika setzt er unter anderem seinen Kapitän Patrice Evra auf die Bank. Auch Stürmerstar Thierry Henry kommt nicht zum Einsatz.

Frankreich-Stars Evra, Abidal: Auf die Bank verbannt Zur Großansicht
AFP

Frankreich-Stars Evra, Abidal: Auf die Bank verbannt

Hamburg - Nach der Spielerrevolte verzichtet der französische Fußball-Nationaltrainer Raymond Domenech im letzten WM-Gruppenspiel gegen Südafrika (16 Uhr Liveticker, SPIEGEL ONLINE) auf seinen Kapitän Patrice Evra. Der Abwehrspieler von Manchester United war eine der treibenden Kräfte beim Trainingsboykott der Spieler am Sonntag nach dem Rauswurf von Nicolas Anelka. Evra steht jetzt bei der Begegnung am Dienstagnachmittag in Bloemfontein nicht mehr in der Startelf.

Die erfahrenen Eric Abidal und Florent Malouda sitzen zunächst auf der Ersatzbank. Domenech verzichtet zudem auf Starstürmer Thierry Henry, den er bereits im Spiel gegen Mexiko nicht berücksichtigt hatte. Für die aussortierten Stars rücken in Bloemfontein Sebastien Squillaci, Gael Clichy und als neuer Kapitän Alou Diarra ins Team. Anstelle des nach Hause geschickten Anelka spielt im Sturm der junge André-Pierre Gignac.

Evras Rauswurf ist Teil einer ganzen Serie von Peinlich- und Hilflosigkeiten, die das französischen Team seit dem unverdienten Einzug durch einen Handtreffer von Henry in die Endrunde begleitet. Frankreich blieb beim Auftaktspiel gegen Uruguay blass und musste sich am Ende mit einem 0:0 zufriedengeben. Schon in diesem Spiel war abzusehen, dass die Mannschaft extrem wenig Lust hatte, ihrem Trainer einen würdigen Abschluss zu verschaffen. Bereits vor dem Turnier stand fest, dass Domenech nach der WM von Laurent Blanc abgelöst wird.

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Team Frankreich: Meuterei in Blau

Im zweiten Gruppenspiel gegen Mexiko kam es dann zum doppelten Eklat. Das 0:2 grenzte an Arbeitsverweigerung, zudem beschimpfte Stürmer Nicolas Anelka Trainer Domenech auf unterirdische Art und Weise und wurde vom Verband daraufhin nach Hause geschickt. Was dann folgte, war an Peinlichkeit kaum noch zu überbieten. Die Mannschaft trat in Solidarität zu Anelka in einen Streik und boykottierte ein öffentliches Training, der Teammanager trat unter Tränen zurück. Und was machte Domenech? Der las die Erklärung "seiner" Mannschaft öffentlich vor und machte sich damit endgültig zur Lachnummer der ehemaligen Grande Nation.

Am Montag distanzierte sich Domenech wieder von seiner Mannschaft. "Das war eine unbeschreibliche Dummheit", sagte der 58-Jährige am Montagabend bei der Pressekonferenz zum letzten WM-Gruppenspiel gegen Südafrika in Bloemfontein. Zusammen mit seinem Trainerstab habe er 45 Minuten lang versucht, die Mannschaft davon abzuhalten. Gleichzeitig räumte der Trainer jedoch ein, dass es schwierig sei, sich nach den Vorkommnissen der vergangenen Tage auf dieses entscheidende Spiel vorzubereiten. "Aber die Spieler sind Profis, sie müssen das können. Die Leute erwarten jetzt keine Worte mehr von uns, sondern nur noch Taten."

Nach der Niederlage gegen Mexiko können die Franzosen das Achtelfinale nur noch mit fremder Hilfe erreichen. Sollte Mexiko im letzten Gruppenspiel unentschieden gegen Uruguay spielen, müsste der Weltmeister von 1998 bereits nach der Vorrunde die Heimreise antreten - unabhängig vom Ausgang seines eigenen Spiels gegen Südafrika (alle Dienstag ab 16 Uhr im Liveticker bei SPIEGEL ONLINE.) Dass die Franzosen unter diesen Bedingungen überhaupt noch Lust auf die K.o.-Runde haben, darf indes stark bezweifelt werden.

Mit Material von dpa

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Forum - Chaos bei den Franzosen
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1. Adieu les Bleus ...
crocodile dentist 21.06.2010
Zitat von sysopFrankreich ist entsetzt über das Auftreten seines Teams bei der Fußball-WM in Südafrika. Die Ergebnisse sind mies, Stürmer Anelka beschimpft den Trainer, die Mannschaft tritt in den Streik. Haben die Franzosen trotzdem noch eine WM-Chance?
... mit einem neuen Trainer klappt's vielleicht 2014.
2.
Christian W., 21.06.2010
Zitat von sysopFrankreich ist entsetzt über das Auftreten seines Teams bei der Fußball-WM in Südafrika. Die Ergebnisse sind mies, Stürmer Anelka beschimpft den Trainer, die Mannschaft tritt in den Streik. Haben die Franzosen trotzdem noch eine WM-Chance?
Ich hoffe nicht. Zudem sie nicht einmal hätten dabei sein dürfen.
3. Fluch der Iren
druum, 21.06.2010
Zitat von Christian W.Ich hoffe nicht. Zudem sie nicht einmal hätten dabei sein dürfen.
Von wegen afrikanischer Voodoozauber. Ich sehe die Franzosen - zurecht - vom Fluch der Iren getroffen. So werden sie am Dienstag gänzlich untergehen ...
4. Nein !
franzosen 21.06.2010
Wenn es nach den Franzosen ginge, bräuchten "les Bleus" gar nicht mehr antreten. Domenech hatte es schwer, war aber auch ganz und gar nicht die richtige Person, verquert, unfähig...Schon vor Jahren wollte man ihn ersetzen, aber er hatte einen langjährigen Vertrag. Das Bildungs- und Erziehungsniveau der Spieler, na ja, ist schon weit unten angesiedelt...Wir warten auf Monsieur Blanc !
5. Suppenkasper Franz
Jettenbacher 21.06.2010
Na ja, ich glaube an Peinlichkeiten sind auch die deutschen Auftritte bei WM's nicht arm. Wer nannte den Franz Beckenbauer einen Suppenkasper, und durfte dafür nach Hause reisen? Immer erstmal vor der eigenen Haustüre kehren ;-)
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