WM-Affäre Beckenbauer wusste wieder von nichts

Franz Beckenbauer beteuert weiter seine Unschuld in der WM-Affäre - allen Erkenntnissen der Freshfields-Ermittler zum Trotz. Von den Geldflüssen habe er keine Kenntnis gehabt.

Ex-DFB-Boss Niersbach, Ex-Lichtgestalt Beckenbauer
DPA

Ex-DFB-Boss Niersbach, Ex-Lichtgestalt Beckenbauer


Franz Beckenbauer hat in der WM-Affäre jegliche Kenntnis von einer Millionenzahlung von seinem Konto in Richtung Katar bestritten. "Ich habe erst vergangenen Mittwoch erfahren, dass das Geld nach Katar gegangen ist", sagte der ehemalige Chef des Organisationskomitees der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 der "Bild am Sonntag".

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 10/2016
...offene Europa ab und riskieren unsere Zukunft

Die Ermittlungen der Kanzlei Freshfields beim Deutschen Fußball-Bund hatten zuvor ergeben, dass im Juli 2002 sechs Millionen Schweizer Franken von einem Konto von Beckenbauer und seinem noch im gleichen Monat gestorbenen Manager Robert Schwan zunächst in die Schweiz und von dort nach Katar an eine Firma des dubiosen FIFA-Spitzenfunktionärs Mohammed bin Hammam geflossen waren.

Davon habe er nichts gewusst, beteuerte Beckenbauer. "Robert hat mir alles abgenommen - vom Auswechseln der Glühbirne bis hin zu wichtigen Verträgen", sagte der 70-Jährige. In der Nachbetrachtung habe er "vielleicht Fehler gemacht", räumte Beckenbauer ein. Die WM 2006 sei jedoch nicht gekauft gewesen.

Fotostrecke

27  Bilder
Franz Beckenbauer: Ein Leben als Kaiser
Die Millionensummen seien nicht für den Kauf von Stimmen verwendet worden. Beckenbauer betonte erneut, es habe sich um eine Sicherheit gehandelt, um vom Weltverband Fifa einen Finanzzuschuss für die WM zu bekommen. "Sonst hätten wir keine WM in Deutschland gehabt", sagte Beckenbauer. Das Okay habe das Geld dringend benötigt. "Stellen Sie sich vor, die WM wäre geplatzt. Was für eine Blamage für Deutschland", fügte Beckenbauer hinzu.

aha/dpa

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 101 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ackergold 05.03.2016
1. Alles Firlefanz
Ab Ende Mai 2002 flossen sechs Millionen Schweizer Franken in mehreren Tranchen von einem Konto, das Beckenbauer und seinen damaligen Manager Robert Schwan als Inhaber auswies, auf ein Kanzlei-Konto in der Schweiz? Damit ist der Fall sonnenklar. Die Vergabe der WM nach Deutschland erfolgte am 6. Juni 2000, also 2 Jahre vor der Zahlung. Wieso sollte irgendwer auf Erden 2 Jahre später Bestechungsgelder zahlen? Das ist eine Groteske, die ihresgleichen sucht.
_unwissender 05.03.2016
2. Wen überrascht das?
Der DFB geht nach einer alten Rezeptur vor: abwarten und aussitzen. Eines sollte auch mal hinterfragt werden: wo in großer Menge schwarze Gelder fließen, können dort auch Abzweige geschaffen werden, die direkt zu den Taschen der Protagonisten führen? Erstaunlich oft hört man die Botschaft, dass Beckenbauer sich persönlich nicht bereichert habe. Wer hat diesen Sachverhalt eigentlich festgestellt?
gapman 05.03.2016
3. alles fremdgemacht?
Nun wird's wohl nur noch peinlich. Franz Beckenbauer hat nichts selbst gemacht? Alles von Robert Schwan machen lassen? Da wirft sich gleich die ironische Frage auf: wer ist der leibliche Vater der Beckenbauer-Kinder? Was mich auch beunruhigt: darf ein Mensch mit solchen Gedächtnislücken noch aktiv am Straßenverkehr teilnehmen?
amidelis 05.03.2016
4. Nichts vertuschen wollen
Dann findet Herr niersbach bestimmt auch die beiden Aktenordner nicht unter seinem nicht vorhandenen Sofa in seinem nicht vorhandenen Haus. Vielleicht existiert auch Herr niersbach gar nicht ??? Es gibt nichts schlimmeres als dem Fall von Würdenträgern zuzusehen. Vor allem wenn sie in Zeitlupe fallen
yehoudin 05.03.2016
5. Wie peinlich !
Dem Staatsanwalt erzählt man natürlich genau das. Aber der Öffentlichkeit? Da hätte er mal lieber geschwiegen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.