EM-Sieg der deutschen Fußballfrauen: "Es ist phänomenal, einfach geil"

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Es ist der achte EM-Titel - für die deutschen Fußballfrauen aber trotzdem ganz speziell. Der schwache Turnierstart sprach nicht für den Triumph, das Finale gegen Norwegen war dramatisch. Doch Torhüterin Nadine Angerer erwies sich als unüberwindlich - sie war die Heldin des Endspiels.

Countdown zum Start der neuen Bundesliga-Saison
Hamburg - Das Spiel hatte sie eigentlich völlig ausgelaugt, doch als der Schlusspfiff ertönte, sammelten die deutschen Spielerinnen die letzten Kräfte, um zu ihrer überragenden Teamkollegin zu sprinten. Annike Krahn und Sasika Bartusiak waren als erste in den Armen von Torhüterin Nadine Angerer, kurz darauf jubelten fast alle Nationalspielerinnen gemeinsam.

Die 34-jährige Angerer, seit 2011 Kapitänin des DFB-Teams, hatte ihre Mannschaft mit zwei parierten Elfmetern zum EM-Titel geführt. 1:0 (0:0) hieß es am Ende, Anja Mittag hatte das einzige Tor des Tages gegen Norwegen geschossen. "Es war ein Duell auf Augenhöhe, ein sehr schweres Finale", sagte Bundestrainerin Silvia Neid: "Ich bin sehr zufrieden und stolz auf die Mannschaft."

Das meiste Lob hatte sich Angerer verdient: "Wir können uns alle bei Nadine bedanken, dass die hier zweimal hält", so Lena Goessling nach der Partie. Auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach sagte: "Sie hat das ganze Turnier über Ruhe ausgestrahlt." In der Tat: Nur einen Gegentreffer musste die Torhüterin während der ganzen EM hinnehmen. Einzig beim WM-Titel 2007 hatte sie es noch besser gemacht: Damals war sie komplett ohne Gegentor geblieben. Nach dem Triumph in Schweden sagte Neid nun lapidar: "Sie wollte einfach keinen reinlassen."

Norwegen verzweifelt zum vierten Mal an Deutschland

Es ist bereits der achte EM-Titel für eine deutsche Frauennationalmannschaft und gar der sechste in Folge. 1989 konnte das DFB-Team erstmals jubeln, auch 1991 waren die deutschen Frauen erfolgreich, ebenso 1995, 1997,2001, 2005, 2009. Und nun erneut. Norwegen muss wohl so langsam an einen Fluch glauben, war es doch bereits das vierte Mal, dass die Skandinavierinnen ein EM-Finale gegen Deutschland verloren.

Dabei hatte Norwegen dem deutschen Team immerhin die einzige - und dazu historische - Niederlage in diesem Turnier zugefügt, 1:0 siegte das Team von Trainer Even Pellerud im letzten Vorrundenspiel. Bundestrainerin Neid sagte nach der Partie gar: "Die Favoritenrolle sind wir los." Und auch im Finale waren die beiden vergebenen Elfmeter bei weitem nicht die einzigen Chancen der Norwegerinnen. Die technisch bärenstarke Caroline Hansen in der Offensive, Kapitänin Ingvild Stensland, die vorne und hinten glänzte: Norwegen trug seinen Teil dazu bei, dass das Endspiel zur Werbung für den Frauenfußball wurde.

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EM-Finale: Angerer hält zwei Elfmeter, Mittag trifft
Die Auftritte des deutschen Teams bis zum Halbfinalsieg gegen Schweden waren eher mau. Spielerische Klasse zeigten Dzsenifer Marozsan, Anja Mittag und Co. erst gegen den Gastgeber. Auf eine schwere Bürde wies Neid auch noch einmal nach dem Final-Triumph hin: "Es ist ein besonderer Titel nach den ganzen Hiobsbotschaften vor dem Turnier. Mit so einem Erfolg hat keiner gerechnet."

Deutschland stellt das jüngste Team im Turnier

Ganze sieben Spielerinnen hatten vor dem Turnierstart wegen Verletzungen abgesagt: Babett Peter (Ermüdungsfraktur im Fuß), Verena Faißt (Pfeiffersches Drüsenfieber), Viola Odebrecht (Knie-OP), Alexandra Popp (Bänderriss im Sprunggelenk), Linda Bresonik (Achillessehnenentzündung), Kim Kulig (Probleme mit dem rechten Knie). "Wir widmen unseren verletzten Spielerinnen den Titel", sagte nicht nur Annike Krahn im Konfettiregen von Solna.

Und dann war da auch noch ein ganz anderes Gefühl: Die Genugtuung, die Verhältnisse nach der verpatzten Heim-WM 2011 wieder zurechtgerückt zu haben. Damals war das DFB-Team mit dem Druck und der Erwartungshaltung der deutschen Sommermärchen-Nation nicht klargekommen und im Viertelfinale an Japan gescheitert. Ausgerechnet Angerer hatte beim entscheidenden Gegentor keine gute Figur gemacht.

Zwei Jahre später ist das alles natürlich kein Thema mehr. "Es ist phänomenal, einfach geil", sagte die DFB-Torhüterin. Mit dem ARD-Reporter unterhielt sie sich nach dem Abpfiff noch über das Thema Elfmeter-Vorbereitung. Welche Norwegerin schießt? Und wohin? Angerer antwortete: "Ich habe es spontan entschieden, wo ich hinspringe. Gott sei Dank habe ich das gemacht." Das dürften sich auch ihre Mitspielerinnen gedacht haben.

Deutschland - Norwegen 1:0 (0:0)
1:0 Mittag (49.)
Deutschland: Angerer - Maier, Krahn, Bartusiak, Cramer - Keßler, Goeßling - Lotzen (ab 46. Mittag), Marozsan, Laudehr (ab 77. Schmidt) - Da Mbabi
Norwegen: Hjelmseth - Mjelde, Rönning, Christensen ab 85. Kaurin, Akerhaugen - Hansen, Gulbrandsen ab 69. Thorsnes, Stensland ab 76. Isaksen, Dekkerhus, Hegland - Hegerberg
Schiedsrichterin: Cristina Dorcioman (Rumänien)
Zuschauer: 41.301
Besondere Vorkommnisse: Angerer hält Foulelfmeter von Rönning (29.); Angerer hält Foulelfmeter von Gulbrandsen (61.)
Gelbe Karten: - Krahn

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insgesamt 116 Beiträge
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1. Einfach super
Crossi71 28.07.2013
Stellenweise waren die Deutschen schwer unter Beschuss, aber zwei parierte Elfmeter sind einfach der Hammer. Das einzige Tor war auch super herausgespielt. Gratulation an die Damen!
2. Glückwunsch an die Damen
Rapporteur 28.07.2013
So etwas nennt man "Turniermannschaft". Schön, dass alle unbeirrt von der teils unsachlichen Kritik weitergespielt und es bis zum Ende und zum Finalsieg durchgezogen haben.
3.
abominog 28.07.2013
Naja, ich will auch mal einen positiven Beitrag schreiben: Herzlichen Glückwunsch für den nächsten Titel!
4. Zitat der Trainerin
exeblue 28.07.2013
"Nadine wollte einfach keinen reinlassen". So kennen wir Nadine Angerer! Zwei Elfer während der regulären 90 min gehalten. Respekt, Respekt, Respekt!
5. Bravo meine Damen
willibrand 28.07.2013
Zitat von sysopAPEs ist der achte EM-Titel - für die deutschen Fußballfrauen aber trotzdem ganz speziell. Der schwache Turnierstart sprach nicht für den Triumph, das Finale gegen Norwegen war dramatisch. Doch Torhüterin Nadine Angerer erwies sich als unüberwindlich - sie war die Heldin des Endspiels. http://www.spiegel.de/sport/fussball/frauen-em-deutschland-feiert-heldin-angerer-a-913579.html
und warum machen unsere Fussballfrauen so wenig Aufhebens im Vergleich zu den Fussballmillionären. Die Vergleichsweise-Erfolglosigkeit unserer Herren wird durch Geld, viel Geld (auch durch die Zwangsabgabe Sondersteuer Rundfunkgebühr) hochgejubelt - zu unrechtund überflüssig !
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