Frauenfußball-EM: Deutschland enttäuscht zum Auftakt

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EM-Auftakt: Torloser Titelverteidiger Fotos
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Die vergangenen fünf Europameisterschaften hat die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft gewonnen. Bei der EM in Schweden startete das Team von Trainerin Silvia Neid allerdings mit einem enttäuschenden Remis gegen die Niederlande. Torhüterin Nadine Angerer verhinderte sogar eine Niederlage.

Hamburg - Mitte der zweiten Halbzeit begann Bundestrainerin Silvia Neid ziemlich genervt auszusehen. Es lief nicht gut für die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft im ersten von drei Gruppenspielen bei der Europameisterschaft in Schweden. Den Deutschen gelang wenig, stattdessen bestimmten die Fußballerinnen aus den Niederlanden das Spiel. Torhüterin Nadine Angerer war es zu verdanken, dass es noch 0:0 stand. Und bis zum Ende änderte sich an diesem Spielstand nichts mehr.

Das torlose Unentschieden bedeutet einen enttäuschenden Start in die EM für das deutsche Team, das die vergangenen fünf Europameisterschaften gewonnen hatte und deswegen auch in Schweden als Favorit an den Start geht. "Wir haben sehr ängstlich gespielt. Jetzt geht es halt um was. Dadurch waren wir wie gelähmt", sagte Torhüterin Nadine Angerer.

Weil es auch im ersten Spiel der Gruppe B zwischen Norwegen uns Island ein Unentschieden gegeben hatte (1:1), stehen alle vier Mannschaften mit jeweils einem Punkt da. Den ersten Sieg landen wollen die Deutschen am Sonntag gegen Island (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).

Die deutsche Mannschaft tritt bei der EM mit einer B-Besetzung an, weil sich im Vorlauf mit Viola Odebrecht, Babett Peter, Verena Faißt, Kim Kulig, Alexandra Popp und Linda Bresonik gleich sechs Spielerinnen abgemeldet hatten, zum Teil wichtige Stammkräfte. Trainerin Neid hatte bei der Wahl ihrer Anfangsformation für das Treffen mit den Niederlanden zum EM-Start wenig Spielraum.

Angerer hält per Flugabwehr

So schickte sie die erwartete Formation auf den Rasen: Das Abwehrzentrum bildeten die erfahrenen Annike Krahn und Saskia Bartusiak, im Mittelfeld setzte die Trainerin auf eine offensive Dreierreihe aus Lena Lotzen, Dzsenifer Marozsán und Anja Mittag. Einzige Spitze war Célia Okoyino da Mbabi.

Sie hatte nach sechs Minuten die erste gute Chance für die deutsche Mannschaft vor 9000 Zuschauern im Stadion von Växjö: Über Marozsan kam der Ball zur Angreiferin des 1. FCC Frankfurt, doch sie bekam keine Wucht in ihren Schuss aus wenigen Metern. Die niederländische Torhüterin Loes Geurts hatte keine Probleme, sie fing den Ball.

So oder so ähnlich sahen die meisten Angriffe der Deutschen in der ersten Halbzeit aus: Das Team gab sich Mühe, vor das Tor der Niederländerinnen zu kommen, und teilweise sahen die Spielzüge recht flüssig aus. Doch echte Chancen erspielte sich die Mannschaft von Neid nicht.

Stattdessen musste die deutsche Trainerin beobachten, wie Oranje zu guten Gelegenheiten kam: In der 17. Minute lenkte Torhüterin Angerer einen Fernschuss von Lieke Martens (FCR Duisburg) über die Latte, fünf Minuten später kam Kirsten van de Ven nach einer Ecke zum Kopfball - wieder hielt Angerer, mit 34 Jahren die älteste Spielerin im zwangsverjüngten deutschen Aufgebot (Durchschnittsalter: 23,5 Jahre).

Kurz vor der Pause wäre den Deutschen dann doch beinahe die Führung gelungen. Nach Zuspiel von Okoyino da Mbabi stand Marozsan frei vor dem Tor - ihr Lupfer verfehlte das Ziel knapp. So wechselten die Mannschaften beim Stand von 0:0 die Seiten - es sah nach einem Fehlstart für den Serien-Europameister aus Deutschland aus.

Niederlande gehen kein Risiko mehr ein

Zur zweiten Halbzeit brachte Neid die erfahrene Simone Laudehr. Doch das Spiel der Deutschen war weiterhin wenig effektiv. Stattdessen rückte wieder Angerer in den Blickpunkt: Nach einer Stunde kam sie weit aus ihrem Tor, um einen Angriff der Niederländerinnen abzufangen. Und in der 62. Minute zeigte sie ihre bis dahin beste Rettungstat: Mit dem Fuß klärte sie gegen Manon Melis, die allein aufs Tor zu gelaufen war nach einem langen Ball über die deutschen Abwehrspielerinnen hinweg.

In der Schlussphase fuhren die Niederländerinnen ihre Offensivbemühungen zurück. Die Deutschen wurden zusehends panisch in ihren Versuchen, die Enttäuschung zum Turnierstart zu vermeiden. Stellvertretend dafür stand ein Versuch von Anja Mittag in der 81. Minute: 20 Meter vor dem Tor hatte sie freie Schussbahn, verzog allerdings. Der Ball kullerte ins Aus.

"Wir haben nicht das abgerufen, was wir können und was wir uns vorgenommen haben", sagte Okoyino da Mbabi. "Wir haben nicht gezeigt, dass wir das Spiel machen wollen. Wir waren ängstlich. Das muss im nächsten Spiel besser werden."

Deutschland - Niederlande 0:0

Deutschland: Angerer - Maier, Krahn, Bartusiak, Cramer - Keßler (46. Laudehr), Goeßling - Lotzen (73. Leupolz), Marozsan, Mittag - Okoyino da Mbabi
Niederlande: Geurts - Bito, Koster, Hoogendijk, Van den Heiligenberg - Slegers, Spitse - Van de Ven, Van de Donk, Martens - Melis
Schiedsrichterin: Silvia Spinelli (Italien)
Zuschauer: 8861
Gelbe Karten: Maier, Cramer, Kessler - Bito

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insgesamt 57 Beiträge
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1. Wir brauchen steffi Jones als Bundestrainerin.
megamekerer 11.07.2013
Was macht diese Silvia Neid immer noch in National Mannschaft? Man wollte sie schon nach letzte WM auswechseln. Also mit diese Frau können wir irgend Chance in WM und EM vergessen. Uns fehlen Steffi Jones, Brigitte Prinz, und .... Also geht nach Hause Mädchen, oder nimmt Steffi Jones als Bundestrainerin, dann habt ihr vielleicht eine Chance.
2. Naja...
spon-facebook-10000209623 11.07.2013
am schlechtesten fand ich die Schiedsrichterin. Da fragt man sich schon in so mancher Sitaution, was die Dame auf dem Platz zu suchen hat. Egal...wird schon noch.
3. Immer diese Hypes und dann ...
dieteroffergeld 11.07.2013
Die Verantwortlichen und/oder sogenannten Medienprolfis sollten nicht gleich hochdrehen, sondern auf dem Teppich bleiben. Oder hat man die Sache mit dem Damentennis schon wieder vergessen .....? Also auch in diesem Fall: Haltet doch den Ball flach!
4. Hat man etwas anderes erwartet?
hermes69 11.07.2013
Im Sprücheklopfen ist dieses Team schon lange Weltmeister. Mit einer unantastbaren Trainerin die ebenso viel plaudert und keine Ergebnisse bringt wenn es drauf ankommt. Ich hab nichts anderes erwartet.
5. Wie gehabt
tomkey 11.07.2013
Zitat von sysopDie vergangenen fünf Europameisterschaften hat die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft gewonnen. Bei der EM in Schweden startete das Team von Trainerin Silvia Neid allerdings mit einem enttäuschenden Remis gegen die Niederlande. Torhüterin Nadine Angerer verhinderte sogar eine Niederlage. Frauenfußball-EM: Deutschland enttäuscht zum Auftakt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/frauenfussball-em-deutschland-enttaeuscht-zum-auftakt-a-910713.html)
Das bisher schwächste Spiel der EM. Keine Tore, kein Spielfluss, keine Ideeen. 2. HZ eine Katastrophe. Kann ich die Holländerinnen mit ihrer Spielweise noch verstehen, gibt es für mich bei dem selbsternannten Favoriten keine Entschuldigung. Für das dt. Frauenteam gibt es in Schweden eine Fortsetzung von der Krampf- und Gekurke WM im eigenen Land. Neid redet gerade mal wieder alles nicht so schlimm. Wenn dieses Gerede der Verantwortlichen von der überragenden Stärke, 26 Spiele nicht verloren und und und .. nicht wäre, dann könnte ja wirklich bei mir ein bißchen Verständnis für das schlechte Spiel aufkommen. Aber so ... Trotzdem drücke ich fürs nächste Spiel die Daumen. Noch ein Bogen zu Löw. Junge Spieler gehören zu Tunieren und nicht zu Gala-Länderspielen. Nur so sammeln sie Erfahrungen für große Tuniere.
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