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Frauenfußball-EM: DFB-Team kämpft sich ins Endspiel

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Frauen-Fußball-EM: Kampf fürs Finale Fotos
AP/dpa

Was für ein Zittersieg: Die deutschen Fußballfrauen stehen zum sechsten Mal nacheinander im Endspiel der Europameisterschaft. Im Vergleich zum bisherigen EM-Verlauf steigerte sich das DFB-Team enorm und warf den Top-Favorit Schweden aus dem Turnier. Stürmerin Dzsenifer Marozsan war die Heldin.

Hamburg - Die Ausgangsposition war eindeutig: Deutschland, der Titelverteidiger, hatte bis dahin ein mäßiges EM-Turnier gespielt und sich ins Halbfinale gerumpelt. Schweden dagegen hatte die bis dahin meisten Tore geschossen, war offensiv das stärkste Team des Turniers, zudem das Heimpublikum im Rücken. Schwedens Stürmerstar Lotta Schelin hatte mit fünf Treffern allein häufiger getroffen als das gesamte deutsche Team.

Aber Ausgangspositionen sind nicht alles: Am Ende des Abends triumphierte das Team von Bundestrainerin Silvia Neid. Deutschland steht nach dem 1:0-Halbfinalsieg über die Gastgeberinnen im Endspiel der Frauenfußball-Europameisterschaft. Zum sechsten Mal nacheinander. Und sämtliche Kritik an der Bundestrainerin ist unvermittelt verstummt.

"Die Mannschaft wollte heute unbedingt, man merkte schon vor dem Spiel, wie konzentriert das Team war", lobte Neid nach dem Abpfiff. "Es war heute spielerisch viel besser als zuletzt."

Dzsenifer Marozsan hieß die gefeierte Torschützin des Abends. Die Stürmerin des FFC Frankfurt, auch sie bisher mit einem schwachen EM-Turnier, spitzelte nach schöner Vorarbeit von Anja Mittag den Ball in der 33. Minute an der schwedischen Torhüterin vorbei. Fast in Zeitlupe kullerte das Leder über die Linie. Alle Abwehrversuche der Schwedinnen kamen zu spät.

Starke Leistung von Laudehr und Bartusiak

"Ich bin froh, dass es vorbei ist. Dieses Spiel war so nervenaufreibend und spannend. Aber die Mannschaft hat saugeil gespielt heute", sagte Torhüterin Nadine Angerer anschließend: "Wir haben auf den Punkt unsere beste Leistung gebracht. Wenn wir aggressiv spielen, sind wir richtig gut. Das haben wir heute gezeigt."

Beide Teams hatten schon vor dem Führungstreffer zahlreiche hochkarätige Torgelegenheiten vergeben. Die Elf von Silvia Neid hatte von Anfang an dagegengehalten, die Partie war von Beginn an komplett offen.

Das DFB-Team, angetrieben von einer starken Simone Laudehr, bot die mit Abstand beste Turnierleistung. Die Schwedinnen um Schelin, ihren Star von Olympique Lyon, waren sichtlich überrascht von der massiven Gegenwehr und hatten offenbar mit einer weitaus defensiveren deutschen Formation gerechnet.

Intensives Spiel mit zahlreichen Chancen

Es entwickelte sich ein intensives Fußballspiel, das gut und gerne auch 4:4 hätte ausgehen können. Mittag, Laudehr und Maroszan versiebten beste Chancen. Auf der anderen Seite hatte die deutsche Abwehr, organisiert von den starken Routiniers Saskia Bartusiak und Annike Krahn, mehrfach Glück, als Schelin und ihre Kolleginnen aus bester Distanz scheiterten.

Ganz knapp wurde es in der 61. Minute, als Schelin zwar traf, aber dabei knapp in Abseitsposition stand. Wenig später endete ein schwedischer Angriff am deutschen Pfosten. "Das war schon ganz schön anstrengend", hatte Neid in dieser Phase an der Seitenlinie schwer durchzuschnaufen.

Ohnehin wurde der Druck der von Startrainerin Pia Sundhage gecoachten Skandinavierinnen in der zweiten Hälfte immer stärker, aber die deutsche Defensive hielt bis zum Ende der Partie stand.

Am Ende war der Erfolg zwar glücklich, aber angesichts der enormen Leistungssteigerung im Vergleich zum bisherigen Turnierverlauf auch verdient. Nach Frankreich ist mit Schweden auch der zweite große Turnierfavorit schon vor dem Endspiel ausgeschieden.

Im Endspiel am Sonntag in Stockholm warten entweder Vorrundengegner Norwegen oder der große Außenseiter Dänemark. Und plötzlich ist der siebenfache Europameister Deutschland wieder Favorit Nummer eins.

Schweden - Deutschland 0:1 (0:1)
Tor:
Marozsan (33.)
Schweden: Kristin Hammarström - Samuelsson (82. Dahlkvist), Fischer, Rohlin, Thunebro - Öqvist (74. Jakobsson), Seger, Marie Hammarström, Göransson (65. Sjögran) - Asllani, Schelin
Deutschland: Angerer - Maier, Krahn, Bartusiak, Cramer - Keßler, Goeßling - Lotzen (78. Leupolz), Marozsan (89. Schmidt), Laudehr - Mittag
Schiedsrichterin: Staubli (Schweiz)
Gelbe Karten: Fischer / Laudehr

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insgesamt 168 Beiträge
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1. optional
Rahvin 24.07.2013
Schlimmer Kick. Glücklicher Sieg, der zudem höchst unverdient war. Das ZDF muss ein anderes Spiel kommentiert haben, ich sah überlegene, aber unglücklich agierende Schwedinnen. Und Frau Neid gibt die Devise aus: Nur nicht in Rückstand geraten. Großartige Strategie, Frau Bundestrainerin. "Wir kombinieren nach vorne..." Und dann nur weite Bälle, die nirgends ankommen. Es mag blöde klingen, aber Frauenfussball, da ist noch viel Luft nach oben, wenn die deutsche Mannschaft es dann tatsächlich ins Finale schafft. Mann, Mann, Mann.
2. Das war spannend...
#9vegalta 24.07.2013
Das war ein hartes Stück Arbeit... 6 Stammspielerinnen fehlen und trotzdem solch ein Spiel. Schweden klarer Favorit aber mit weniger Glück als die Deutschen... Und was haben die Damen in schwarz gekämpft. Klasse.
3. optional
divadrebew 24.07.2013
Das war doch mal ein sehr spannendes Spiel!
4. Super
badduck 24.07.2013
Fußball schalte ich normalerweise nach einer ~ 1/2 weg - dieses Spiel nicht!
5. Das war kein Spiel...
matjeshering 24.07.2013
es war schwacher Fussball. Technische Probleme und Nervosität auf beiden Seiten. Ein glückliches Tor und Massen an vergebenen Chancen auf beiden Seiten waren kaum zu ertragen. Da hat das Spiel um Nichts zwichen Bayern und Barca mehr Spass gemacht. Die Frauennationalmanschaft kann sich bei einer, wieder mal überragenden Nadine Angerer bedanken, dass es um Millimeter gereicht hat. Ich graturliere trotzdem. Gewonnen ist am Ende gewonnen. Und die Leidenschaft und das Glück haben es entschieden.
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