Von Christoph Ruf
Schwere Ledersessel, Pokale, Fotos der jubelnden Meistermannschaften - das "Clubzentrum" des VfB Stuttgart erscheint wie eine Oase im geschäftigen und lauten Osten der Stadt, in dem sich alles um Autos dreht. Auch VfB-Manager Fredi Bobic strahlt eine unerschütterliche Ruhe aus. 2:1 in Mönchengladbach, 5:1 in Bukarest: Es könnte derzeit schlechter laufen für den VfB. Das jüngste 0:3 gegen Freiburg wirkt da eher wie ein Ausrutscher. Am Mittwoch geht es nun gegen Tabellenschlusslicht FC Augsburg (20 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).
Vier Wochen zuvor hatte es noch anders ausgesehen, die Zeit von Trainer Bruno Labbadia in Stuttgart schien abgelaufen. Doch Bobic blieb hart, am Trainer liege es nicht. Jetzt, wo der Trend wieder nach oben zeigt, glauben auch einstige Bobic-Kritiker, dass da einer auf dem Managerstuhl sitzt, der weiß, was er tut.
"Kein Erfolg ohne Kontinuität", sagt er heute. Der Spieler Bobic sah das oft anders als der Manager Bobic. Der 37fache Nationalspieler war unter 25 Trainern aktiv, und er bestreitet nicht, an manchem Stuhl gesägt zu haben. "Einen Spieler Bobic muss ich heute als Manager nicht unbedingt akzeptieren", sagt er. Der Mann, der in Stuttgart, Dortmund, Hannover und Berlin unter Vertrag stand, der in England und Kroatien spielte und schließlich in Bulgarien als Manager arbeitete, grinst schelmisch. "Mit 22 siehst du viele Dinge zu einfach."
Die Kritik traf Labbadia, nicht Bobic
Heute, sagt Bobic, wisse er, dass es nicht damit getan sei, Spieler X zu verpflichten und Trainer Y zu feuern. In den Jahren nach seinem Karriereende 2005, in denen er Kolumnist während der WM 2006 war, Praktikant bei der Deutschen Fußball Liga und Student, habe er viel dazu gelernt. Er betont das, weil er weiß, dass er skeptisch beäugt worden war, als er im Juli 2010 den Job in Stuttgart angetreten hatte: Ein früherer Fußballer als Manager? Reicht dessen Intellekt und Bildung für so eine Aufgabe überhaupt aus?
Als der VfB dieses Jahr wieder einmal einen seiner typisch verkorksten Saisonstarts hinlegte, blieb Bobic von öffentlichen Angriffen verschont. Umso härter traf es Labbadia. Die Abwehr sei löchrig, hieß es, das Team instabil, der Co-Trainer versuche zu spalten. Mit einigem hatten die Kritiker recht, doch der Grundtenor war zu hart, hatte Labbadia in der vergangenen Saison noch solide Arbeit geleistet.
Bobic ist nach wie vor der Meinung, dass sogar der Hauptvorwurf - Labbadia setze keine jungen Spieler ein - falsch war. Es gebe nichts einfacheres, als Youngster ins kalte Wasser zu werfen, und sie dann wieder auszuwechseln, wenn die pfeifende Menge den Daumen gesenkt habe, sagt Bobic. Dennoch: Hätte er den Trainer im Oktober, auf dem Höhepunkt der Kritik, gefeuert, wäre ihm viel Lob sicher gewesen. Doch Bobic schien sich seiner Sache so sicher, dass sich die Journalisten irgendwann fragten, ob da einer auf Zeit spiele, um erst nach der nächsten Niederlage handeln zu müssen.
"Die Mannschaft hat gearbeitet ohne Ende"
Bobic lacht über diese Mutmaßungen. Die öffentliche Meinung dürfe Personalentscheidungen nicht beeinflussen, sagt er: "Ich heule nicht mit den Wölfen." Er verlasse sich darauf, was er jeden Tag mit eigenen Augen sehe: "Die Mannschaft hat gearbeitet ohne Ende, sie hat gezeigt, dass sie will. Das ist der wichtigste Indikator. Als viele im Umfeld nervös waren, waren wir extrem ruhig." Und daran hätte sich auch nichts geändert, wenn der VfB noch zwei Spiele verloren hätte.
Wer, wie jeder Bundesliga-Manager, gutes Geld verdient, und, wie Wandervogel Bobic, flexibel genug ist, um sich schnell in einem neuen Umfeld zurechtzufinden, kann es sich leisten, prinzipienfest zu sein. Lieber lasse er sich rausschmeißen, als sich untreu zu werden, sagt Bobic. Die Arbeit in Stuttgart mache ihm Spaß, sagt er, und man glaubt es ihm. In absehbarer Zeit wird die Familie nachkommen, die noch in Berlin wohnt. Bobic hat noch viel vor in Stuttgart, mit einem Club, den er auch in der kommenden Saison in einer "Konsolidierungsphase" wähnt. Danach könne man wieder oben angreifen.
Als er mit einer Aussage von VfB-Aufsichtsratchef Dieter Hundt konfrontiert wird, wonach der VfB trotz aller Sparzwänge immer noch den "fünft- oder sechstgrößten Etat der Liga" habe und schon jetzt besser platziert sein müsse, reagiert Bobic dann aber doch unwirsch und wenig entspannt. "Es ist Aufgabe des Aufsichtsrats zu schauen, dass die Zahlen stimmen", sagt er.
Gut möglich, dass Bobic noch in Amt und Würden ist, wenn Aufsichtsrat und Präsidium längst neu besetzt sind.
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