Freiburg-Sportdirektor Dufner: "Wir sind keine Wohlfühloase"

Trainer entlassen, Spieler suspendiert, Kapitän geschasst - ausgerechnet der betuliche SC Freiburg hat zuletzt für negative Schlagzeilen gesorgt. Im Interview spricht Sportdirektor Dirk Dufner über den Zwist mit den eigenen Fans, die harte Gangart des neuen Coaches und den Abstiegskampf.

SC Freiburg: Krise an der Dreisam Fotos
Getty Images

SPIEGEL ONLINE: Herr Dufner, beim ersten Training unter dem neuen Trainer Christian Streich wurde der Name Heiko Butscher skandiert. Offenbar verstehen viele Fans nicht, warum der Kapitän rausgeschmissen wurde.

Dufner: Fakt ist, dass Heiko nicht rausgeworfen wurde, sondern mich schon vor Wochen bat, dass wir ehrlich mit ihm umgehen und ihm eine ehrliche Antwort bezüglich seiner sportlichen Perspektiven geben. Sollten diese nicht mehr gegeben sein, wolle er den Verein verlassen. Für ihn ist die Antwort möglicherweise anders ausgefallen, als er sich das vorgestellt hat.

SPIEGEL ONLINE: Beim besagten Training öffnete sich irgendwann die Kabinentür. Heraus kam ein tieftrauriger Heiko Butscher, der in einem Korb den Inhalt seines Spinds zu seinem Auto trug, weil er nicht mehr mit der Mannschaft trainieren darf. Sind das die Bilder, die der SC produzieren will?

Dufner: Natürlich lag uns nichts daran, solche Bilder zu produzieren. Heiko hat uns tags zuvor informiert, dass er zum Trainingsauftakt kommen will, ich habe dann mit ihm die Lage besprochen, und er hat während des Trainings dann das Stadion verlassen. Klar ist für uns aber auch, dass Spieler, die sportlich keine Rolle mehr spielen, sicher die Stimmung in der Mannschaft nicht verbessern. Auch wenn es stimmt: Heiko war sicher ein wichtiges Gesicht dieses Vereins und dass das keine ideale Trennung war, steht außer Frage. Das hätten wir uns anders gewünscht.

SPIEGEL ONLINE: Der SC hat ja insgesamt sechs Spieler freigestellt. Musste das sein?

Dufner: Zunächst macht es keinen Sinn, alle sechs Namen in einem Zusammenhang zu nennen, weil die Einzelfälle sich doch unterscheiden. Der grundsätzliche Wunsch des sportlichen Bereichs war, dass wir allen Spielern, die keine Chance mehr auf Einsätze haben, klar sagen, was Sache ist. Und dann war die Überlegung: Reicht das aus, oder müssen wir auf der Trainerposition auch noch mal für einen ähnlichen Impuls sorgen?

SPIEGEL ONLINE: Die Konsequenz war, dass Coach Marcus Sorg gehen musste. Nach dem 17. Spieltag haben Sie und Präsident Fritz Keller ihm noch mit deutlichen Worten den Rücken gestärkt. Das wurde Ihnen als Heuchelei ausgelegt.

Dufner: Wir hatten keinen Grund, diese Überlegungen als Schnellschuss kurz nach Abpfiff einer Partie anzustellen. Das sind auch die Gepflogenheiten und Erwartungshaltungen bei Medien, auf die wir uns nicht einlassen möchten. Denn wenn man nur ein bisschen zuckt und den Trainer hier nur ein bisschen in Frage stellt, ist er überhaupt nicht mehr zu halten. Deshalb haben wir die Tage nach dem Hinrunden-Ende genutzt, um die Dinge ausführlich zu hinterfragen.

SPIEGEL ONLINE: Mit Christian Streich haben Sie erneut auf einen in der Bundesliga unerfahrenen Trainer gesetzt. Ein Risiko?

Dufner: Wir haben uns ganz bewusst zum zweiten Mal hintereinander für eine interne Lösung entschieden. Christian Streich soll nicht kurzfristig helfen, sondern mittel- und langfristig eine Lösung sein. Er verkörpert als langjähriger Leiter der Fußballschule wie kein anderer unser Konzept. Dieses Konzept muss für einen Club wie den SC Freiburg immer über kurzfristigen Maßnahmen stehen, weil wir wissen, dass es uns als Verein trägt - auch wenn es im Tagesgeschäft einmal schlecht läuft wie zur Zeit.

SPIEGEL ONLINE: Das galt aber bereits im Sommer. Was sprach damals gegen Christian Streich?

Dufner: Fachlich hätte die Entscheidung damals auch anders fallen können. Wir haben gedacht, dass die Kombination beider Trainer eine gute wäre, die sich befruchtet. Das hat offenbar nicht so funktioniert wie erhofft.

SPIEGEL ONLINE: Was wird sich unter Streich ändern?

Dufner: Christian ist ein erfahrener Fußballlehrer und impulsiver Typ, er findet manchmal auch harschere Worte. Es ist vonnöten, dass man der Truppe deutlich vermittelt, dass wir jetzt 17 Endspiele haben.

SPIEGEL ONLINE: Streich war schon als Spieler in Freiburg, seit 1995 arbeitet er im Verein. Der Club ist sein Leben. Weiß er nicht, dass es für ihn nach seinem Job Cheftrainer vielleicht kein Zurück auf eine andere Position mehr gibt?

Dufner: Mit ihm ist klar abgesprochen, dass es für ihn immer einen Weg zurück gibt. Aber er hat aus anderen Gründen gezögert, hier Chef zu werden. Er wollte nicht als illoyal gelten gegenüber seinem Cheftrainer. Wir haben ihm dann erklärt, dass die Loyalität gegenüber einem Verein, für den man so lange arbeitet, das Naheliegendste ist.

SPIEGEL ONLINE: Marcus Sorg klang oft so, als sei im Grunde alles in Ordnung. Das verwunderte bei einem Tabellenletzten, der pro Spiel mehr als zwei Gegentore bekommt.

Dufner: Man muss als Trainer loben, ermutigen, man muss gleichzeitig auch die negativen Dinge intern ansprechen. Nach außen hat er die Mannschaft geschützt, möglicherweise zu sehr, wobei ich das grundsätzlich als Stärke empfinde, wenn sich Trainer nicht auf Kosten ihrer Spieler profilieren. Die Fehler hat er in der Kabine schon klar angesprochen. Es stimmt ja nicht, dass wir uns hier in einer Wohlfühloase einigeln.

SPIEGEL ONLINE: Warum entsteht dann genau der Eindruck?

Dufner: Vielleicht, weil wir hier alle wissen, dass wir uns an die Decke strecken müssen, um überhaupt erste Liga zu spielen und wir nicht permanent die Trainer wechseln. Möglicherweise ist das manchen Beobachtern zu langweilig. Aber Sie können mir glauben, auf die derzeitige Aufregung könnte ich verzichten. Fest steht jedenfalls: Wir sind nicht Dortmund, aber als Team besser als zwei, drei andere in der Liga.

Das Interview führte Christoph Ruf

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insgesamt 8 Beiträge
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1. naja
axelkli 06.01.2012
Bald sind die Freiburger Langeweiler wieder in der Liga, die eher zu ihnen paßt und es spielen wieder richtige Publikumsmagneten wie F95, Pauli und die Eintracht in der 1. Liga.
2. Mit
LeChimp 06.01.2012
seinem letzten Satz haz er wahrlich Recht. Freiburg ist in der Tat sicherlich nicht die schlechteste Mannschaft der Liga.
3. .
alexbln 06.01.2012
Zitat von sysopTrainer entlassen, Spieler suspendiert, Kapitän geschasst - ausgerechnet der*betuliche SC Freiburg hat*zuletzt für*negative Schlagzeilen gesorgt. Im Interview*spricht Sportdirektor Dirk Dufner über den Zwist mit den eigenen Fans, die harte Gangart des neuen Coachs und den Abstiegskampf. Freiburg-Sportdirektor Dufner: "Wir sind keine Wohlfühloase" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Sport (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,807274,00.html)
dufner macht alles kaputt. freiburg ist und bleibt eine fahrstuhlmannschaft, mehr geht kaum in dem umfeld. typen wie dufner machen alles kaputt- den ruf, die stimmung. er soll zu solchen vereinen wie dem vfb gehen- da kann er seine schreckensherrschaft verbreiten.
4. .
alexbln 06.01.2012
ps -hoffentlich kommt butcher zu hertha und freiburg steigt sang und klanglos ab.
5.
hador2 06.01.2012
Zitat von sysopTrainer entlassen, Spieler suspendiert, Kapitän geschasst - ausgerechnet der*betuliche SC Freiburg hat*zuletzt für*negative Schlagzeilen gesorgt. Im Interview*spricht Sportdirektor Dirk Dufner über den Zwist mit den eigenen Fans, die harte Gangart des neuen Coachs und den Abstiegskampf. Freiburg-Sportdirektor Dufner: "Wir sind keine Wohlfühloase" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Sport (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,807274,00.html)
Der SC Freiburg stand mal für etwas. Für eine Art Fussball zu spielen, vor allem aber auch für eine Art wie ein Verein funktioniert. Das war zwar vielen Leuten im Verein und dessen Umfeld zu verdanken, vor allem aber dem verstorbenen Präsidenten Achim Stocker, dem Ex-Trainer Finke und Leuten wie Andreas Bornemann, die den Verein über mehr als 25 Jahre geprägt haben. Leute wie Duffner haben es in kürzester Zeit geschafft die Identität des Vereins kaputt zu machen.
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