Nachruf auf Friedel Rausch Erfolgstrainer mit Biss

Man muss den Zuschauern Spektakel bieten: So lautete das Credo von Friedel Rausch. Bekannt wurde der Spieler und Trainer durch einen Hundebiss. Nun ist die Schalke-Legende im Alter von 77 Jahren gestorben.

Friedel Rausch 2001 im Waldstadion
DPA

Friedel Rausch 2001 im Waldstadion

Von Sabrina Knoll


Es war der 6. September 1969, Borussia Dortmund hatte Schalke 04 zum Derby in der Kampfbahn Rote Erde empfangen. Die Polizeihunde, die hinter dem BVB-Tor die Fans in Schach halten sollten, waren wegen des hitzigen Derbys ohnehin sehr aufgewühlt.

Als der Ball dann zum 1:0 für Schalke im Netz einschlug und einige Zuschauer den Platz stürmten, waren die Hunde kaum noch zu bändigen. Sie sprangen Fans und Spieler an - und plötzlich ging einer von ihnen zu Boden: Friedel Rausch war in den Hintern gebissen worden. Eine kurze Behandlung und eine Tetanusspritze später stand der Linksverteidiger wieder auf dem Platz.

"Der Schreck und der Schmerz waren groß", sagte Rausch später, "ich konnte zwei Nächte nur auf dem Bauch schlafen". Als Andenken blieb "eine sechs Zentimeter lange Narbe auf der rechten Pobacke". Es war eine der kuriosesten Szene der Bundesligageschichte, die dem Schalker große Popularität verlieh.

"Kind der Bundesliga"

Und es ist eine Szene, über die nun noch einmal gesprochen wird, wenn auch aus traurigem Anlass: Im Alter von 77 Jahren ist der gebürtige Duisburger Rausch an Herzversagen gestorben. Dies teilte seine Familie mit. Rausch lebte mit seiner Frau Marlies in der Schweiz - in der Nähe seiner beiden Söhne Marc und Ingo.

Zwar wird wohl vor allem die Hundebiss-Anekdote für immer mit Rausch verbunden bleiben, doch der ehemalige Spieler und Trainer machte sich auch mit beachtlichen Erfolgen einen Namen. Rausch, der sich selbst als "Kind der Bundesliga" bezeichnete, spielte als Jugendlicher beim Meidericher SV (später MSV Duisburg). Von 1962 bis 1971 verteidigte er für den FC Schalke 04. Er galt als zweikampfstarker, rustikaler Deckungsspieler.

"Einpeitscher und Heißmacher"

Rausch beim Derby 1969
imago/Horstmüller

Rausch beim Derby 1969

"Er spielte einen temperamentvollen linken Verteidiger mit viel Zug nach vorne. Und genauso war er auch als Mensch", erinnerte sich Rolf Rüßmann, der während seiner aktiven Zeit Rausch als Mitspieler und Trainer erlebte und schätze. Rausch zählte als Jugendlicher und im Juniorenbereich zu den deutschen Verteidiger-Talenten, kam aber in der Nationalmannschaft wegen allzu großer Konkurrenz durch Nowak, Piontek, Höttges oder Vogts nicht zum Zuge.

Nach dem Ende seiner aktiven Karriere 1971 trainierte er die Schalker Profis von 1976 bis 1977, nachdem er zuvor bereits als Jugend- und Co-Trainer der Knappen gearbeitet hatte. 1979 führte Rausch, der zunächst als "Notnagel" für den erkrankten Otto Knefler gesehen wurde, die Eintracht aus Frankfurt in den Uefa-Pokal, um den Wettbewerb ein Jahr später auch gleich zu gewinnen. Nach Stationen unter anderem bei Fenerbahce Istanbul und Iraklis Saloniki wechselte Rausch, den die "Welt" einmal als "Einpeitscher und Heißmacher" bezeichnete, 1985 zum FC Luzern, den er zunächst bis 1992 betreute.

"Ja, es wurde viel gelacht"

In der Geschichte des Schweizer Klubs, dem er 1989 sensationell die bislang einzige Meisterschaft und 1992 den Pokalsieg bescherte, gilt Rausch als bislang erfolgreichster Trainer. "Alle Vereine müssen mal berühmt gemacht werden", sagte Rausch der "Luzerner Zeitung" nach dem Gewinn der Meisterschaft.

"In seiner Zeit beim FC Luzern hat Rausch die Herzen der Fans im Schnellzugstempo erobert", schreibt die "Luzerner Zeitung" über Rausch. Nie zuvor seien bei den FCL-Trainings so viele Zuschauer dabei gewesen, wie zu seiner Zeit: "Er unterhielt sich mit jedem, er spaßte mit den Fans vom Behindertenzentrum Brändi - und vor allem stachelte er seine Spieler zu Höchstleistungen an. Rausch sorgte dafür, dass neben der notwendigen Disziplin der Spaß am Fußball nie zu kurz kam. Ja, es wurde damals in den Trainings viel gelacht."

1993 kehrte Rausch nach 13 Jahren in die Bundesliga zurück und errang mit dem 1. FC Kaiserslautern nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem FC Bayern München die Vizemeisterschaft. Nach Stationen unter anderem bei Borussia Mönchengladbach, dem 1. FC Nürnberg und erneut der Eintracht endete Rauschs Laufbahn in verantwortlicher Position 2006 erneut beim FC Luzern.

Der Züricher "Sport" schrieb einmal über Rausch, er propagiere einen "Fußall-Darwinismus", weil er nur den Erfolgreichen gelten lasse und sich mit dem Verlieren schwertue. Rausch selbst forderte den mündigen Fußballer, lehnte aber Mitbestimmung der Spieler ab. Er schätzte Fußballer, die "bis an die Schmerzgrenze" gehen.

Viele seiner Vereine trauern um ihn. Der FC Luzern schreibt: "Wo immer Friedel Rausch auftrat, begegneten ihm Anerkennung und Dankbarkeit für seine Leistungen rund um den Fußball in der Zentralschweiz." Der 1. FC Kaiserslautern twitterte: "Er hat einen großen Fußabdruck in der Geschichte unseres Vereins hinterlassen."

Mit Material der dpa

Mehr zum Thema


insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ollux 18.11.2017
1. ein guter Mann
Vorbild für viele, Ansporn für Jüngere. Ich war immer ein Fan des Mannes aus der 2. Reihe , denn ganz in den Olymp der Superstars, ob als Spieler, wie auch Trainer hat es nie gereicht. Dennoch gehört er zu den bekannten Größen im Geschäft. Friede seiner Asche.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.