Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

FSV Zwickau: Clubchef nimmt "Sieg Heil"-Rufer in Schutz

Von

Aufarbeitung sieht anders aus: Ein Fußballer des Oberligisten FSV Zwickau schreit in der Kabine "Sieg Heil". Der Vorfall kommt raus, der Spieler stellt sich beim Präsidenten. Der verharmlost den Vorgang  - und spricht von einem Nachahmer aus "gutem Haus".

Hamburg - Sicher, im Überschwang, in Momenten großer Freude, können schon mal die Gäule mit einem durchgehen. Was aber einen Fußballer dazu treibt, nach einem gewonnenen Spiel in der Kabine "Sieg Heil" zu brüllen, bleibt sein Geheimnis. So auch im konkreten Fall Zwickau. Dort hatte einer der Oberliga-Spieler nach dem Sieg des Tabellenführers FSV Zwickau über Erzgebirge Aue II in der Kabine den Nazi-Gruß gegrölt.

Während es am Dienstag noch hieß, dass theoretisch auch ein Fan in die Kabine gerannt sein könnte (Vereinssprecher Tobias Leege: "Die Kabinentür steht offen"), hat der Verein nun die Gewissheit, dass es ein Spieler war, der "Sieg Heil" gerufen hat. "Er hatte die Courage, sich zu stellen", sagte FSV-Präsident Gerhard Neef der "Freien Presse". Die Identität des Spielers will Neef allerdings nicht nennen.

Dabei steht auf der Web-Seite des Vereins nach wie vor eine Erklärung, in der es heißt: "Angesichts der Opfer brauner Gewalt ist Scham allein nicht genug - sich stellen und auseinandersetzen heißt die Devise; vor allem unseren Kinder sind wir diese Anstrengung schuldig."

Doch statt mit einer öffentlichen Entschuldigung für Klarheit zu sorgen, will man in Zwickau den Fall offenbar intern klären. "Der Spieler wird um eine Suspendierung und eine Geldstrafe nicht herumkommen", sagte Neef. Eine merkwürdige Vorgehensweise, schließlich würde spätestens zum Zeitpunkt der Suspendierung dann sowieso der Name des Spielers bekannt werden.

Polizei ermittelt gegen Spieler und Fans

Ebenso merkwürdig klingt auch die Begründung für das Verhalten der Vereinsführung. Der Mann stamme "aus gutem Hause" und sei allenfalls ein Nachrufer, wird Neef in der "Freien Presse" zitiert. Bleiben zwei Fragen: Gab es in der Kabine also auch noch einen Vorsänger, wenn es sich um einen Nachrufer handelt? Und sollte man einen solchen Vorfall derart verharmlosen? Leider waren die FSV-Verantwortlichen für diese Nachfragen nicht zu erreichen.

Die Vorkommnisse ziehen unterdessen immer weitere Kreise. Die Polizei ermittelt gegen den Spieler, und auch das Sportgericht des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV) hat ein Verfahren eingeleitet. Dies betreffe alle Personen, die vom Verband beim Spiel gewesen seien, sagte NOFV-Geschäftsführer Holger Fuchs der "Freien Presse". "Wenn ein Schiedsrichter-Team extremistische Rufe oder Banner feststellt, ist es zur Meldung verpflichtet", betonte Fuchs. Gemeldet habe aber niemand etwas.

Nach angeblich rechtsradikalen Fangesängen hat auch der Staatsschutz Ermittlungen wegen Volksverhetzung und dem Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen aufgenommen. Unter anderem sollen einige FSV-Anhänger in Anspielung auf die rechtsradikale Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU)"Terrorzelle Zwickau - olé olé olé" gesungen haben. Dem NSU werden mindestens zehn Morde in den vergangenen Jahren zur Last gelegt.

Fans und der Spieler haben das Image des Vereins stark beschädigt. Daher sollte der Club lieber zur Aufklärung beitragen, statt die Vorfälle runterzuspielen.

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Themenseiten Fußball
Tabellen


SPIEGEL.TV
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: