Führungsstreit in Hoffenheim Rangnick rettet seinen Job - vorerst

Im Streit mit seinem Präsidenten rudert Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick zurück. Doch Insider bezweifeln, dass das Verhältnis zwischen Hopp und ihm wieder gekittet werden kann. Jürgen Klinsmann dementiert derweil, dass er als Rangnick-Nachfolger zur Verfügung gestanden hätte.


In Hoffenheim hat längst die Runde gemacht, dass man besser die Laune des Cheftrainers auslotet, bevor man sich in dessen Nähe wagt. Ralf Rangnick kann sein wie ein Vulkan, der plötzlich und unvermittelt ausbricht und dann wieder lammfromm erscheinen, als sei nichts gewesen. Der Mann ist Fußballlehrer aus Leidenschaft und schießt deshalb häufig über das Ziel hinaus. Mit seiner Impulsivität hat sich Rangnick in den letzten Tagen fast um seinen Job gebracht.

Hoffenheim-Trainer Rangnick: Ausbruch des Vulkans
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Hoffenheim-Trainer Rangnick: Ausbruch des Vulkans

Offenbar hat das auch er selbst gemerkt und gerade noch rechtzeitig die weiße Fahne gehisst. "Ich habe kein Problem mit Herrn Hopp, und er nicht mit mir", sagte Rangnick, der "Rhein-Neckar-Zeitung." Er wolle seinen bis 2011 laufenden Vertrag unbedingt erfüllen. Zuvor hatte man bei 1899 Hoffenheim sogar das schnelle Ende des Fußball-Märchens für möglich gehalten. Kaum einer traute sich, Prognosen abzugeben wie der Streit zwischen Rangnick und dem mächtigen Clubmäzen Dietmar Hopp ausgehen würde. Nun zeigte sich auch Hopp versöhnlich: "Es ist alles geklärt, wir haben unter Männern alles ausgeräumt", sagte Hopp der "Bild"-Zeitung nach einem Gespräch mit Rangnick.

Zuvor hatte Rangnick den Streit mächtig angeheizt, indem er seinem Frust freien Lauf ließ und mehr Mittel für neue Spieler forderte. Am Sonntag noch hatte er beim Liganeuling mit einer Rücktrittsdrohung für Aufregung gesorgt und fast seinen Rauswurf provoziert.

In den vergangenen Tagen hatte Hopp vergeblich auf ein Zeichen des Einlenkens gewartet, nun endlich kam es - sehr zur Erleichterung von Manager Jan Schindelmeiser, der tagelang den Friedensengel spielen und zwischen den Parteien vermitteln musste. "Auch ich habe mich über manche Aussage von Ralf Rangnick gewundert", sagte Schindelmeiser. "Aber es war immer klar, dass wir auch in der kommenden Runde eine konkurrenzfähige Mannschaft haben werden. Wenn wir im Vorgriff auf die Zukunft interessante Spieler bekommen können, wird es am Finanzrahmen sicher nicht scheitern", so der 1899-Manager. Hopp hatte zehn Millionen Euro Neuinvestitionen bewilligt. Nun scheint ein versöhnlicher Ausgang der Krise möglich, ob aber das Verhältnis zwischen Hopp und seinem ehrgeizigen Cheftrainer wieder völlig repariert werden kann bezweifeln Insider.

Er habe aus Frust nach der 0:4-Niederlage beim VfL Wolfsburg so reagiert beschwichtigte Rangnick. Vor allem die Absage von Aachens Jungtalent Lewis Holtby habe ihn geärgert. "Er hat mir versprochen zu kommen, wenn die Modalitäten stimmen", sagte Rangnick. Holtby hatte 1899 bereits am Freitag abgesagt. Allerdings wie Schindelmeiser meinte, "aus anderen Gründen. Er sieht bei einem anderen Verein bessere Perspektiven zu spielen."

Rangnick hatte am Montag für neue Verwunderung beim Aufsteiger gesorgt als er seinen Aussagen vom Sonntag ("Mit Mittelmaß kann ich mich nicht identifizieren.") weitere folgen ließ und die als "Weckruf" verstanden sehen wollte. Intern hieß es, bei 1899 müsse keiner geweckt werden. Der Trainer müsse sich die Frage stellen, wie man bei anderen Vereinen mit der Situation von zwölf sieglosen Spielen umgegangen wäre. Verstimmt reagierte man im Club auf dessen Reaktion nach der Absage von Holtby. "Dass er nicht kommt, heißt, dass wir nicht in der Lage sind, solche Spieler zu bezahlen", hatte Rangnick behauptet. Intern wurde das zurückgewiesen. Es könne keiner glauben, "dass ich bedingungslos bleibe" ließ Rangnick vor dem Rapport bei Hopp und seinem Rückzug verlauten.

Im Umfeld des Clubs wurde bereits über einen möglichen Nachfolger gemutmaßt. Hopp, so hieß es, wolle seinen Freund Jürgen Klinsmann nach Hoffenheim holen, was sich weder als geplant noch als realistisch heraus stellte. Aus dem Umfeld des vergangene Woche bei Bayern München entlassenen Ex-Bundestrainers Jürgen Klinsmann verlautete zudem, Hoffenheim sei keine Option über die Klinsmann nachdenke. Es gebe andere Dinge, die es derzeit aufzuarbeiten gelte.

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