Kandidaten für die Ancelotti-Nachfolge Wer kann? Wer soll? Wer darf?

Wie geht es weiter beim FC Bayern? Nicht nur Thomas Tuchel oder Julian Nagelsmann wären mögliche Kandidaten für den Trainerjob in München.

Thomas Tuchel
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Die Pressemitteilung, in der der FC Bayern am Nachmittag die Trennung von Trainer Carlo Ancelotti verkündete, enthielt nur den Plan bis zum kommenden Wochenende: "Die Trainingsleitung übernimmt bis auf Weiteres Assistenz-Coach Willy Sagnol." Der Franzose werde am Sonntag beim Auswärtsspiel bei Hertha BSC auf der Bank sitzen - "als Interimstrainer", hieß es weiter.

Sagnol kennt den Klub gut, die aktuelle Mannschaft ebenfalls. Um den Übergang zu moderieren, ist er ein perfekter Kandidat. Allerspätestens im Sommer 2018 dürfte der FC Bayern aber eine andere, eine größere Lösung anstreben.

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Welche Qualitäten muss der neue Trainer mitbringen? Das 0:3 in Paris hat Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge sehr deutlich vor Augen geführt, dass der FC Bayern gerade dabei ist, den Anschluss an die europäische Spitze zu verpassen. Es dürfte kaum reichen, einfach den nächsten erfahrenen Mann an die Seitenlinie zu setzen und ihn dazu zu verpflichten, Arjen Robben und Franck Ribéry von Beginn an spielen zu lassen.

Der ideale Kandidat wird den FC Bayern einmal wieder komplett umkrempeln müssen, mit ähnlicher Zielsetzung wurden einst Jürgen Klinsmann, später auch Pep Guardiola verpflichtet. Neben großer Reformbereitschaft sollte er auch internationale Erfahrung mitbringen. Außerdem - und das ist vielleicht das größte Hindernis - müsste er verfügbar sein. Wer also kommt infrage? Hier unsere Auswahl von möglichen Ancelotti-Nachfolgern.

Thomas Tuchel (vereinslos)

Thomas Tuchel
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Thomas Tuchel

Diese Lösung drängt sich auf: Thomas Tuchel, 44, ist sofort verfügbar. Seit dem Pokalsieg mit dem BVB im Sommer ist der Trainer ohne Beschäftigung. Tuchel kennt die Bundesliga gut, dazu hat er in den vergangenen Jahren bewiesen, wie schnell er Teams selbst nach einem kompletten Umbruch zu funktionierenden Gebilden aufbauen kann, auch auf allerhöchstem Niveau. Er gilt als akribischer, fast schon besessener Coach, der auch im Umgang mit Stars die vereinbarten Regeln über den Hausfrieden stellt.

Genau da liegt aber auch das Risiko: Tuchel wird sich in möglichen Verhandlungen mit Hoeneß und Rummenigge ein Maximum an Handlungs- und Entscheidungsspielraum zusichern lassen - und diesen im Zweifel auch kompromisslos einfordern. Trotzdem: Es wäre die Top-Lösung, für beide Parteien.

Julian Nagelsmann (TSG Hoffenheim)

Julian Nagelsmann
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Julian Nagelsmann

"Ich bin sehr, sehr glücklich, aber der FC Bayern würde mich vielleicht noch ein Stück glücklicher machen." Mit diesem Satz ließ Julian Nagelsmann, 30, vor zwei Wochen in einem Interview aufhorchen. Im Grunde klang es wie die Bewerbung für einen Job, der zu diesem Zeitpunkt allerdings noch gar nicht zu besetzen war. Das hat sich nun geändert. In Oberbayern geboren, ein kreativer Taktiktüftler - Nagelsmann hat die TSG in nur eineinhalb Jahren von einem Abstiegskandidaten an die Schwelle der Champions League geführt.

Das Problem: Nagelsmann hat seinen Vertrag in Hoffenheim gerade erst bis zum Sommer 2021 verlängert. Ein Problem, das sich vielleicht nicht in der kommenden Länderspielpause, wohl aber sicher zur nächsten Saison mit einer entsprechenden Ablöse beheben ließe. Fraglich ist allerdings, ob der FC Bayern den Mut hat, einen so unerfahrenen Mann mit dem Neuanfang zu beauftragen: Zum Zeitpunkt von Ancelottis Entlassung hatte Nagelsmann gerade einmal drei Europapokalspiele absolviert - und alle drei verloren.

Diego Simeone (Atlético Madrid)

Diego Simeone
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Diego Simeone

Die Nationalität sollte kein Entscheidungskriterium für den Trainerposten beim FC Bayern sein: Nur einer der vergangenen fünf Coaches an der Säbener Straße hatte einen deutschen Pass (Jupp Heynckes, 2011 bis 2013). Nur der Erfolg entscheidet - und den kann der Argentinier Diego Simeone, 47, definitiv vorweisen. Zweimal schaffte er mit Atlético den Einzug ins Champions-League-Finale, unterlag dort jeweils dem Stadtrivalen Real. Simeone hat in den vergangenen Jahren einen Stil geprägt, der es seinem Klub ermöglicht hat, auch mit vergleichsweise geringem Kapitaleinsatz Real und Barça zu ärgern. Das klingt vielleicht auch für Hoeneß und Rummenigge attraktiv.

Ob das engmaschige Spielsystem, das in Madrid zu Simeones Markenzeichen geworden ist, dem Wunsch der Bayern-Verantwortlichen nach Spektakel in jedem Heimspiel gerecht würde, ist aber ungewiss. Zudem hat auch Simeone gerade bis 2020 bei Atlético verlängert - was allerdings nicht viel bedeuten muss. Auch er wäre also frühestens zur neuen Saison ein Thema.

Joachim Löw (DFB-Auswahl)

Joachim Löw
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Joachim Löw

Es wäre eine Lösung nach dem Geschmack des FC Bayern: Der - mindestens einmalige - Weltmeister-Trainer wechselt zum Rekordmeister. Joachim Löw, 57, hat zwar im Oktober 2016 seinen Vertrag mit dem DFB noch einmal um zwei Jahre über die Endrunde 2018 hinaus verlängert, auch das dürfte jedoch kein Hinderungsgrund für ein Engagement in München sein. Löw hat beim DFB bewiesen, wie er ein Team immer wieder neu erfinden, wie er auf Entwicklungen im Weltfußball reagieren kann.

Er kennt die Ausgangslage, in großen Teilen der Saison als großer Favorit gegen defensiv eingestellte Teams agieren zu müssen. Er kennt den Druck, bei den wenigen Matches gegen Kontrahenten auf Augenhöhe Ergebnisse präsentieren zu müssen. Zwei große Fragezeichen gibt es allerdings: Will Löw sich nach 14 Jahren bei der Nationalmannschaft überhaupt noch einmal das Tagesgeschäft Bundesliga antun? Und: Kann er das noch?

Luis Enrique (vereinslos)

Luis Enrique
Getty Images

Luis Enrique

Deutlich wahrscheinlicher ist, dass der FC Bayern wie einst bei Guardiola wieder in Spanien fündig wird. Luis Enrique, 47, bei den Katalanen Guardiolas Nachfolger, ist seit dem Sommer ohne Aufgabe. Dabei hat er in den vergangenen drei Jahren alles gewonnen, was zu gewinnen war: die Champions League (2015), die spanische Meisterschaft (2015 und 2016), den spanischen Pokal (2015, 2016 und 2017).

Für ihn spricht vor allem, dass er den FC Bayern kaum kennt, dass er von außen einen frischen Blick einbringen könnte - und natürlich, dass er sofort zur Verfügung stünde. Gegen ihn spricht auf der anderen Seite, dass er noch nie Erfolg hatte mit einem Team ohne Leo Messi. Luis Enriques einziger Trainerjob im Ausland (AS Rom) verlief enttäuschend.

insgesamt 51 Beiträge
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Seite 1
wolke:sieben 28.09.2017
1. Löw oder Tuchel ?
....eher Nagelsmann oder Simeone !! Tuchel wäre die schlechteste Lösung, denn dieser Trainer hat null internationale Erfahrung und mit Dortmund ist er gerade mal Pokalsieger geworden, obwohl er über eine Topmannschaft verfügte, diesen Erfolg hätte jeder Drittliga-Trainer auch mit dieser Mannschaft gehabt !
Stäffelesrutscher 28.09.2017
2.
»Gegen ihn spricht auf der anderen Seite, dass er noch nie Erfolg hatte mit einem Team ohne Leo Messi. Luis Enriques einzige Trainer-Job im Ausland (AS Rom) verlief enttäuschend.« Dann nehmt's halt das Festgeld und kauft den Floh mit dazu.
rips55 28.09.2017
3. Klopp vergessen
Ihr habt Jürgen Klopp vergessen. Er ist zwar noch bei Liverpool unter Vertrag, richtig glücklich wirkt er dort jedoch nicht. Er hat viel Erfahrung, kann eine Mannschaft taktisch aufbauen und hat schon mal erklärt, sich den Job beim FCB vorstellen zu können.
ge1234 28.09.2017
4. Ich hoffe...
... sehr stark auf Tuchel. Seine Spielidee kommt Guardiolas Fussball sehr nahe, und dessen Fussball war das mit Abstand beste, was ich in den vergangenen 45 Jahren von meinen Bayern gesehen hatte. Nagelsmann hat außer der CL-Quali, die Anbetracht der Stärke der BuLi nicht besonders schwer war, bis jetzt noch gar nichts gerissen. Im Gegenteil, vor allem die beiden CL-Vorrundenspiele gegen Liverpool haben gezeigt, dass es für ihn noch ein sehr weiter Weg bis zur Trainerbank eines europäischen Topvereins ist. Jogi soll sich mal schön um den EM-Titel kümmern und Simeone soll sein unattraktives Gemauere und Geholze spielen lassen, wo er will, aber bitte nicht bei den Bayern.
dsch64 28.09.2017
5. Eindeutig Tuchel
Er hat, nachdem Watzke den Ausverkauf gestartet hatte und es keine teuren Neuverpflichtungen gab, den Laden zusammen gehalten und ist Pokalsieger geworden. Er hat den Umbruch erfolgreich gemanagt also genau das was sie in München brauchen. Einziges Problem, ich weiß nicht ob es in München eine so große Halle gibt damit die drei Riesen-Egos da reinpassen.
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