Fußball à la Red Bull Angriff auf Bayern und Co.

Der österreichische Brausehersteller Red Bull will den Fußball in Deutschland revolutionieren. Ein weltweites Vereinsgeflecht soll Superstars für ein Leipziger Team hervorbringen, das bald Bayern München alt aussehen lassen soll. Das einzige Problem: Die Sachsen schießen zu wenig Tore.

Von Nils-Viktor Sorge

dpa

Hamburg - Gewitterregen, ein beinahe leeres Stadion und keine Siege - die neue Fußballherrlichkeit in Leipzig hatten sich die Macher von Red Bull sicher anders vorgestellt. Gegen die zweite Mannschaft von Hannover 96 reichte es für RB Leipzig am Wochenende wieder nur zu einem 1:1. Das dritte Unentschieden im dritten Spiel der neuen Regionalligasaison provozierte ein Pfeifkonzert der 2600 Fans im 44.000 Menschen fassenden Stadion.

Der Stotterstart in die neue Saison ist kein gutes Vorzeichen für das Leipziger Großprojekt des österreichischen Multiunternehmers Dietrich Mateschitz. Will der Boss des Getränkekonzerns Red Bull doch ein bisher einmaliges Fußballimperium erschaffen, in dem die sächsische Metropole samt eigens gegründetem Verein RasenBallsport wichtigster Baustein ist.

In Salzburg, New York, Ghana und Brasilien unterhält Mateschitz weitere Standorte. Die Synergien - ein in der Fußballbranche bisher weithin unbekannter Begriff - sollen das Leipziger Team auf eine Stufe mit Größen wie Bayern München, Manchester United und dem FC Barcelona katapultieren.

Der Zweck des Unterfangens ist so einleuchtend wie revolutionär. Mateschitz will sich mit erfolgreichen Clubs Aufmerksamkeit für seine Hallo-Wach-Brause verschaffen und Kosten für teure Werbekampagnen sparen. Von einem nicht kommentierten 100-Millionen-Euro-Budget, angelegt auf mehrere Jahre, ist die Rede.

In Leipzig vermutet Mateschitz ideale Bedingungen, denn die Stadt hungert nach großem Fußball. In den drei obersten Ligen des Landes findet sich kein Leipziger Team, obwohl der Sport in der drittgrößten Stadt Ostdeutschlands eine lange Tradition hat. Der erste deutsche Fußballmeister war der VfB Leipzig, dessen Nachfolgeverein mit gleichem Namen 2004 wegen finanzieller Schwierigkeiten aufgelöst wurde. In der ersten Bundesliga ist kein einziger Verein aus Ostdeutschland vertreten.

Zudem verfügt Leipzig mit dem jüngst in Red-Bull-Arena umbenannten Stadion über eine Spielstätte, die als Weltmeisterschaftsstadion für alle Wettbewerbe geeignet ist. Im alten Zentralstadion an selber Stelle sahen noch 1987 geschätzte 100.000 Zuschauer das Europapokalhalbfinalspiel zwischen dem 1. FC Lok Leipzig und Girondins Bordeaux - so viele Menschen haben seither in Deutschland nicht noch einmal ein Fußballspiel besucht.

Inzwischen sind die Erwartungen in Leipzig deutlich geschrumpft. Für Red Bull Chance und Risiko zugleich. Einerseits ist das Publikum längst noch nicht von dem Projekt RasenBallsport überzeugt, wie die auch im Vergleich zum unterklassigen Lokalrivalen Lok niedrigen Zuschauerzahlen zeigen. Andererseits würde ein Erfolg vermutlich als Überraschung wahrgenommen und könnte eine Euphoriewelle auslösen.



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cokommentator 31.08.2010
1. Und wenn das Projekt erfolgreich ist....
... ist der Schritt vom Sport zum Schauspiel nicht mehr weit. Rom und Rollerball lassen grüßen...
Andr.e 31.08.2010
2. Weiter Weg
Zitat von sysopDer österreichische Brausehersteller Red Bull will den Fußball in Deutschland revolutionieren. Ein weltweites Vereinsgeflecht soll Superstars für ein Leipziger Team hervorbringen, das bald Bayern München alt aussehen lassen soll. Das einzige Problem: Die Sachsen schießen zu wenig Tore. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,714678,00.html
Grund zur Sorge besteht nicht. Bis auf's externe RB-Propaganda-Blatt LVZ, welches in Rekordzeit alle journalistische Sorgfalt über Bord geschmissen hat, um sich anzubiedern, dürfte der rasante Aufstieg in Liga 3 erst Mal gestoppt werden. In die Bundesliga ist es ein weiter Weg und bis Leipzig dort ankommt, werden noch ein paar Jahre ins Land ziehen. Ob Red Bull so lange Geduld hat, steht in den Sternen. Außerdem ist die Bundesliga mit einer brasilianischen, einer US-amerikanischen oder einer österreichischen Liga sicher nicht zu vergleichen...
123123123 31.08.2010
3. .
Zitat von Andr.eGrund zur Sorge besteht nicht. Bis auf's externe RB-Propaganda-Blatt LVZ, welches in Rekordzeit alle journalistische Sorgfalt über Bord geschmissen hat, um sich anzubiedern, dürfte der rasante Aufstieg in Liga 3 erst Mal gestoppt werden. In die Bundesliga ist es ein weiter Weg und bis Leipzig dort ankommt, werden noch ein paar Jahre ins Land ziehen. Ob Red Bull so lange Geduld hat, steht in den Sternen. Außerdem ist die Bundesliga mit einer brasilianischen, einer US-amerikanischen oder einer österreichischen Liga sicher nicht zu vergleichen...
Hoffenheim hat es schließlich auch geschafft. Ich denke, mit genügend Geld schafft man es sicherlich irgendwann in die erste Liga. Problematisch sehe ich es nur, dass Vereine zu sehr auf Gedeih von Verderb von einzelnen Geldgebern und deren Gutdünken abhängen. Oder anders gesagt: kein eigenes Standbein besitzen. Hier werden Vereine aufgebläht oder gleich neue gegründet und diese künstlich hochgezüchtet. Und was passiert, wenn Red Bull ihr Engagement beenden? Man sieht das ja gern in der Premier League, in der manche Vereine pleite sind und sie von einem Investor zum nächsten geschachert werden und jeder noch versucht, das Maximum herauszukratzen - ein bisschen so wie bei Karstadt.
svigo 31.08.2010
4. halb so wild
ich seh als Leipziger dem Projekt mit Freude entgegen, denn machen wir uns nichts draus, auch die ganzen großen Vereinen sind ja von großen Sponsoren gesteuert wenn selbst Firmen wie Adidas Transfers bezahlen oder ein Herr Kühne mal schnell 15 Millionen beischiesst
Karotte335 31.08.2010
5. Image
Je erfolgreicher RB Leipzig spielt, desto mehr Ressentiments gegen solche Retorten entstehen. Spätenstens wenn bundesweit die Fanclubs zum Boykott von süsser Brauseplörre aufrufen, merkt Herr Mateschitz, dass der Schuss auch nach hinten losgehen könnte.
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