Bayern-Trainingslager unter Guardiola "Fehler sind normal"

Bayern München hat den ersten Härtetest der Saison bestanden. Der glanzlose 3:0-Sieg über den italienischen Zweitligisten Brescia Calcio eröffnet Trainer Pep Guardiola neue Perspektiven, deckt aber auch Baustellen auf, die mit dem Spielsystem verbunden sind.

Aus Arco berichtet Sebastian Winter

Getty Images

Das Testspiel des FC Bayern gegen Brescia Calcio war gerade ein paar Minuten alt, als die heißblütigen Fans des italienischen Zweitligisten ein Spruchband entrollten. "Pep indimenticato campione per sempre nei nostri cuori" stand darauf: "Pep, unvergessener Champion, für immer in unseren Herzen". Das dürfte Bayern-Trainer Josep Guardiola, dem ehemaligen Spieler Brescias, gefallen haben.

Zumal er sich dort 2001, als Brescia noch in der Serie A spielte, zwar zum Publikumsliebling entwickelt hatte, aber hier auch die dunkelsten Stunden seiner Fußballerkarriere erlebte und im Zentrum eines später eingestellten Dopingprozesses stand.

Guardiola gestikulierte während des Spiels in schwarzer Trainingshose und einem blauen T-Shirt oft an der Seitenlinie im ausverkauften Stadion von Arco, die Tifosi skandierten seinen Namen. Er schien viel zu sehr mit dem Spiel beschäftigt, um an seine Zeit in Brescia zurückzudenken.

Und er hat wie die Spieler noch einige Ungereimtheiten gesehen, trotz des 3:0-Sieges der Bayern. "Es war unser viertes Freundschaftsspiel, das erste gegen eine sehr große Mannschaft. Und es war gut. Fehler sind normal", sagte Guardiola dennoch.

Jedenfalls lieferte der bislang anspruchsvollste Test für das Bayern-Ensemble durchaus spannende Erkenntnisse darüber, wie sich Guardiola das Spiel seiner Mannschaft vorstellt.

Lahm und Alaba müssen viel schneller umschalten als bisher

Nicht so sehr überraschte, dass neben Manuel Neuer im Tor in der Viererkette als Innenverteidiger zunächst Daniel van Buyten und Jérome Boateng spielten. Aber auch der später eingewechselte Zugang Jan Kirchhoff könnte einen Platz neben dem noch urlaubenden Stammspieler Dante finden.

Beeindruckend war, wie tief die beiden Außenverteidiger Philipp Lahm und David Alaba - deren Stammplätze neben jenem von Neuer die wohl sichersten im Guardiola-System sind - bei eigenen Angriffen in die gegnerische Hälfte vordrangen. Sie sind noch weitaus offensiver ausgerichtet als unter Guardiolas Vorgänger Jupp Heynckes, allerdings müssen sie daher bei Ballverlusten der eigenen Mannschaft auch viel schneller umschalten.

Die Rückwärtsbewegung klappte in Teilen noch nicht wirklich gut, was vor allem daran lag, dass die Bayern einer Vorgabe nicht konsequent folgten: das Zentrum zu schließen. Dort taten sich zwischen Defensive und Offensive noch große Lücken auf, was auch am gewöhnungsbedürftigen Spielsystem lag, dem 4-1-4-1, das den Offensivstil Guardiolas betont.

"Das System ist gerade nicht das Wichtigste"

Nachwuchsspieler Pierre-Emile Hojbjerg gab in Abwesenheit von Bastian Schweinsteiger, Javier Martínez und Luiz Gustavo einen klassischen Sechser, Toni Kroos spielte offensiver, half aber ebenfalls im defensiven Mittelfeld aus. Kroos fühlte sich nicht ganz wohl dort hinten, auch schnelle, vertikale Pässe nach vorne misslangen ihm einige Male gegen die durchaus spielfreudigen Italiener. Seine Stärke entfaltete er jedes Mal, wenn er an der gegnerischen Strafraumgrenze war. Einer dieser Szenen entsprang auch das 2:0 (32.); außer Kroos trafen noch Thomas Müller (23.), und Kirchhoff (90.).

Neben Kroos mühte sich Franck Ribéry wie bisher auf der linken Seite, er haderte allerdings oft mit den zu ungenauen Pässen seiner Mitspieler. Immerhin traf er mit einem Freistoß die Latte. Nach seiner Auswechslung machte er seinem Unmut bei Guardiola dennoch gestenreich Luft. Thomas Müller und der eher schwache Xherdan Shaqiri wechselten sich zentral und auf der rechten Seite oft ab und versuchten so, die italienischen Abwehrreihen durcheinanderzuwirbeln - mit mäßigem Erfolg. Und vorne bekam Stürmer Mario Mandzukic noch viel zu wenige Anspiele, um seiner Aufgabe erfolgreich nachzugehen.

"Ganz schlecht hat es nicht funktioniert, auch wenn noch nicht alles perfekt war", berichtete Müller nach der Partie, während Guardiola versuchte, seinem Spielsystem die Bedeutung zu nehmen: "Das System ist gerade nicht das Wichtigste. Ob vier oder drei Spieler in der Abwehr, ob echte Stürmer, falsche Stürmer, Außenstürmer: Wir haben sehr gut gearbeitet in dieser Periode. In wenigen Tagen kommen wir nach München zurück und spielen gegen starke Gegner. Dann werden wir unser Niveau sehen."



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 51 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mm71 10.07.2013
1.
Zitat von sysopGetty ImagesBayern München hat den ersten Härtetest der Saison bestanden. Der glanzlose 3:0-Sieg über den italienischen Zweitligisten Brescia Calcio eröffnet Trainer Pep Guardiola neue Perspektiven, deckt aber auch Baustellen auf, die mit dem Spielsystem verbunden sind. http://www.spiegel.de/sport/fussball/fussball-bayern-muenchen-gewinnt-testspiel-gegen-brescia-a-910335.html
Ich vermisse den Live-Ticker. War Guardiola heute früh schon auf Toilette?
c218605 10.07.2013
2. Kasperletheater
Zitat von mm71Ich vermisse den Live-Ticker. War Guardiola heute früh schon auf Toilette?
habe aehnlich empfunden - beim Jupp war alles leiser. Und nach dem Verkauf von Gomez setzt ein Auslaender auf Auslaender. Mir schwant Boeses, aber gottseidank das Triplett bleibt.
Zaphod 10.07.2013
3. Content-Verdränger
Indem einem vollkommen irrelevanten Fußballspiel ein Platz auf der ersten Seite eingeräumt wird, besteht keine Notwendigkeit, diesen Platz mit einem Artikel zu füllen, der vielleicht über Dinge berichtet, die die Menschen bewegen. So wird Fußball zum Schlafmittel, um die Masse abgelenkt zu halten. Die Masse soll lernen, dass das Wichtigste im Leben irgendwelche Ballspieler sind und dass es notwendig ist, für die Erhaltung dieses Vergnügens die Freiheiten maximal einzuschränken. Was interessieren uns die Skandale und das Elend der Welt, so lange der Ball noch rollt? Wenn schon irgendeine Fußball-Nachricht kommen muss, wäre doch der nahende Hoeness-Prozess viel interessanter. Aber dann bekäme Fußball ja plötzlich eine ethische Relevanz, dies muss vermieden werden.
disiz84 10.07.2013
4. Mag sein
Dass der FCB aktuell die Beste Mannschaft ist, aber muss SPÖ wirklich jeden 2. Artikel über den FCB schreiben, sogar in Deutschland gibt es auch nicht Bayern Fans die diese Artikel über haupt nicht interessieren. Vielmehr wären Artikel interessant über die Konkurrenz welche einen Angriff auf den Meistertitel wagen könnten. Zumindest hoffe ich dass es diese gibt, gemäß Spion ist die Bundesliga jetzt ja die Stärkste Liga der Welt, da muss es mindestens 4 Mannschaften haben welche um den Meister kämpfen
Ausfriedenau 10.07.2013
5. Das geht schief!
Zitat von mm71Ich vermisse den Live-Ticker. War Guardiola heute früh schon auf Toilette?
Es wäre keine Überraschung, wenn Guardiola in München scheitern würde. Hier findet er nicht kleine, technisch hochbegabte und formbare Spieler wie in Barcelona vor, sondern völlig andersartige, selbstbewusste, bockige und erfolgsverwöhnte, stilausgeprägte Fussballmemosen. Z.B. wird Schweinsteiger ein Schatten seiner selbst werden und Shakira kann nur so Fussball spielen, wie er es bisher gezeigt hat. Ähnliches gilt für Gross, Boateng und Badstuber: die haben ihren Fussballstil, den Heinckes sehr gut eingestellt hat und an dem Guardiola scheitern wird. Alles andere würde sehr viele überraschen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.