Fußball: Bayern-Profi Deisler beendet Karriere

Sebastian Deisler galt als das größte Talent des deutschen Fußballs. Bayern lockte ihn mit einem Millionen-Handgeld nach München. Fünf Jahre und fünf Knieoperationen später ist Deisler die tragische Figur der Bundesliga - heute hat er offiziell seine Karriere beendet.

München - Deisler zog damit die Konsequenzen aus zahlreichen Verletzungen und Erkrankungen, die ihn in den vergangenen Jahren immer wieder zurückgeworfen hatten. Sein Vertrag beim FC Bayern München lief noch bis 30. Juni 2009; er war im Dezember 2005 langfristig verlängert worden. "Ich habe nicht mehr das richtige Vertrauen in mein Knie. Es war zuletzt für mich eine Qual", erklärte Deisler auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz.

Profi Deisler (bei der Pk in München): "Nicht mehr das richtige Vertrauen"
DPA

Profi Deisler (bei der Pk in München): "Nicht mehr das richtige Vertrauen"

Die Bayern lassen dem Profi noch ein kleines Hintertürchen offen und den Vertrag vorerst ruhen. Dies erklärte Bayern-Manager Uli Hoeneß. "Wir haben gekämpft um Sebastian", sagte Hoeneß. "Er ist einer der besten Spieler, die es in Deutschland je gegeben hat. Ich habe bis zuletzt gehofft, dass das alles ein Albtraum ist." Der Manager war von dem Profi am gestrigen Abend um ein Gespräch gebeten worden. Einen Weg zurück schloss Deisler heute aber aus. "Die Entscheidung steht. Sie ist in mir gereift", sagte er.

Schon vor zehn Tagen hatte Deisler im Trainingslager der Münchner in Dubai Journalisten erklärt, er sei schon "kurz davor gewesen, aufhören zu müssen". Hoeneß berichtete zudem, der Profi habe eine Abreise aus Dubai erwogen.

Der frühere DFB-Teamchef Rudi Völler war erschrocken über die Entscheidung Deislers. "Ich kann es kaum fassen. Das ist furchtbar schade, dass seine Karriere auf diese Art und Weise enden musste", sagte Völler. Sportdirektor Peter Pander von Borussia Mönchengladbach, Deislers erster Bundesliga-Station, sagte der dpa: "Er ist ein Gladbacher Junge, das wird vielen Gladbachern Leid tun."

Deisler galt als größtes deutsches Fußball-Talent. Er feierte 1998 bei Borussia Mönchengladbach sein Bundesliga-Debüt, es folgten die Stationen Hertha BSC Berlin und Bayern. Für 9,5 Millionen Euro war er 2002 von Berlin nach München gewechselt.

Auf Grund starker Depressionen befand sich Deisler zweimal zu einem stationären Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik. Deisler bestritt 36 Länderspiele und 135 Begegnungen in der Bundesliga, 62 davon für die Bayern. Auf Grund von Verletzungen verpasste er die Teilnahmen an den Weltmeisterschaften 2002 in Japan und Südkorea sowie 2006 in Deutschland. In seiner Bundesliga-Karriere hat Deisler insgesamt etwa 20 Verletzungen verkraften müssen. Fünf Operationen im rechten Knie hatten eine Fortsetzung seiner Karriere schon früher in Frage gestellt.

goe/sid/dpa

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Forum - Macht Profi-Fußball krank?
insgesamt 58 Beiträge
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1.
DJ Doena 16.01.2007
Sport ist prinzipiell gesund. Wenn er zum bis zum Exzess getrieben wird, ist auch er nicht gesund. Is wie mit allen Dingen im Leben: in Maßen, aber nicht in Massen.
2.
Umberto 16.01.2007
---Zitat von sysop--- Deislers Karriereende: Leistungsdruck, Bänderrisse, Knochenbrüche - macht Profifußball krank? ---Zitatende--- Deisler war den Anforderungen, die der Profi-Fußball an einen Berufsspieler stellt körperlich und geistig nicht gewachsen. Und das kann jedem anderen Profi auch zustossen, wenn er über seinen Möglichkeiten "leisten" will....
3.
denist 16.01.2007
---Zitat von Umberto--- Deisler war den Anforderungen, die der Profi-Fußball an einen Berufsspieler stellt körperlich und geistig nicht gewachsen. Und das kann jedem anderen Profi auch zustossen, wenn er über seinen Möglichkeiten "leisten" will.... ---Zitatende--- Meiner Meinnung nach konnte er nicht die anforderungen erfüllen, die er an sich selber stellte. Danke für alles!
4.
DJ2002dede 16.01.2007
---Zitat von sysop--- Deislers Karriereende: Leistungsdruck, Bänderrisse, Knochenbrüche - macht Profifußball krank? ---Zitatende--- Wie die Bibel schon wusste: Alles was zu viel ist macht krank. Und es ist ja hinlänglich bekannt, das es im Fußball auch mal ruppiger zur Sache geht, das die Gelenke stark beansprucht werden usw. Da gibt es irgendwann mal Verschleißerscheinungen, und manche Körper sind so anfällig, das einige Spieler schon während der frühen Karriere viele Verletzungen erleiden und schon früh die Karriere beenden müssen. Wenn man dann noch unter erheblichem Leistungsdruck steht, schnell wieder fit werden will und zu früh mit dem Trainieren beginnt bzw. zu früh 100% Leistung abruft sind die Gefahren einer Verletzung noch größer. Und wenn man sich dann noch mal verletzt kann das die Psyche schon sehr angreifen.
5.
Carsten31 16.01.2007
Die Sensibilität, die Deisler am Ball zeigte, kennzeichnete leider auch seine psychische und physische Konstitution. Ein Fußballer, dem man gerne zugeschaut hat, schmeisst hin. Nach den "Seuchenjahren" (5 Euro ins Phrasenschwein) verständlich....aber trotzdem schade.
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