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Bayern-Trainer will Thiago: Guardiolas erster Paukenschlag

Aus Riva del Garda berichtet Sebastian Winter

Getty Images

Mit einem starken Auftritt beendete Pep Guardiola das Trainingslager am Gardasee: Der Bayern-Coach fordert die Verpflichtung von Barcelonas Super-Talent Thiago Alcántara. Kommt der 21-Jährige, beginnt der Kampf um die Stammplätze erst richtig.

Pep Guardiola sagte einfach: "Ja". Es gab Geraune, Gelächter, man traute seinen Ohren nicht im Kongresszentrum von Riva del Garda. Doch mit diesem Wort hatte der Trainer des FC Bayern München bei seinem letzten öffentlichen Trainingslager-Auftritt am Gardasee für einen Paukenschlag gesorgt.

Er bestätigte damit sein Interesse an Barcelonas großem Mittelfeldtalent Thiago Alcántara do Nascimento, Thiago genannt. Und er bestätigte damit all die Gerüchte, die zuletzt vor allem durch die spanische Medienlandschaft waberten. "Ich kenne ihn, er ist sehr gut. Diesen einzigen Spieler habe ich nachgefragt, weil ich glaube, dass wir Thiago brauchen. Er ist ein Talent, ein junger, super, super Spieler."

Es wäre interessant zu wissen, was die zurzeit in Transferdingen so diskret agierenden Verantwortlichen des FC Bayern davon halten, dass der Trainer, kaum drei Wochen im Amt, eine solche öffentliche Offensive startet. Diese Dinge werden, vor allem in München, gewöhnlich mit höchster Diskretion behandelt, auch um den Preis nicht unnötig in die Höhe zu treiben. Andererseits ist die Ablösesumme, so heißt es, auf 18 Millionen festgeschrieben. Der 22-jährige Thiago könnte dank einer in seinem bis 30. Juni 2015 laufenden Vertrag festgeschriebenen Ausstiegsklausel den Club vorzeitig wechseln.

Guardiolas Bruder ist Thiagos Berater

Guardiola ist in jedem Fall ein Coup gelungen, auch in eigener Sache. Mit seinem "Ja" hat er sich nach wenigen Wochen im Verein als Mann der klaren Ansagen profiliert. Er muss sich zudem schon sehr sicher sein, dass er Thiago an die Säbener Straße locken wird. Auch, weil ihm der Berater des Offensivspielers durchaus nahesteht: Es ist sein Bruder, Pere Guardiola.

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FC Bayern im Trainingslager: Zwei Siege und ein Wunschspieler
Der Zeitpunkt würde jedenfalls passen, gerade haben die Bayern Mario Gomez für eine ähnliche Summe an Florenz verkauft. Das Geld ließe sich nun wunderbar reinvestieren in den Sohn des ehemaligen brasilianischen Nationalspielers Mazinho. Thiagos Vater spielte damals gerade beim Serie-A-Club US Lecce. Der Mann mit dem großflächig tätowierten rechten Arm wurde von halb Fußball-Europa gejagt, angeblich waren Spitzenclubs wie Manchester United oder Real Madrid an ihm interessiert.

"Er kann drei, vier, fünf Positionen spielen"

Dass Guardiola von Thiagos Stärken überzeugt ist, das ließ er die Zuhörer unmissverständlich wissen. "Wir brauchen diesen speziellen Spieler. Er kann drei, vier, fünf Positionen spielen, auf der Sechs, der Sieben, der Acht, Zehn oder Elf. Er ist ein sehr guter Arbeiter, gut mit dem Kopf, sehr gut im Eins-gegen-Eins, im Mittelfeld und als Stürmer."

Guardiola glaubt auch, dass Thiago bei Barcelona künftig nur auf der Bank sitzen wird. "Kein Spieler möchte raus aus einem großen Club wie Barcelona, Bayern oder Madrid. Das passiert nur, wenn ein Spieler riecht, dass er nicht spielen wird. Und in Barcelona ist jetzt ein neuer großer Spieler wie Neymar."

Mit einer Verpflichtung Thiagos würde der Konkurrenzkampf im Bayern-Mittelfeld eine neue Qualität bekommen. Der spanische U-21-Europameister gilt als Nachfolger Xavis in Spanien, als großer Spielmacher. Da Guardiola ihn unbedingt haben will, würde er ihm auch eine zentrale Rolle in seinem System geben.

Dass Thiago so viele Positionen spielen kann, hätte Auswirkungen auf die komplette Statik der Mannschaft. Bastian Schweinsteiger und Javier Martínez müssten um ihre Stammplätze fürchten, wobei Guardiola seinen Landsmann Martínez offenbar in der Abwehr sieht: "Er kann Innenverteidiger spielen, in Bilbao hat er auf dieser Position auch super gespielt." Diese Aussage müssen Bayern-Innenverteidiger wie Dante, Jérôme Boateng oder Daniel van Buyten erst einmal verdauen.

Auch im offensiven Mittelfeld könnten sich die Hierarchien verschieben. Mario Götze und Toni Kroos könnten dann auf der Zehn Probleme bekommen und degradiert werden. Guardiola wirkt zurzeit nicht so, als zähle er sie zum engsten Führungspersonal, im Gegensatz zu Franck Ribéry, Arjen Robben oder Thomas Müller.

Der Trainer sagte am Donnerstag gar: "Mario Götze ist ein super, super Spieler. Aber ich habe gesagt, wir brauchen Thiago. Thiago oder nix." Das kann man auch als Affront verstehen, und als Hinweis darauf, dass er den ehemaligen Dortmunder zunächst eher in einer Nebenrolle sieht. Es ist kein Geheimnis, dass er von den Bayern-Verantwortlichen erst von dem deutschen Nationalspieler überzeugt werden musste.

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1.
tolle_Sache 11.07.2013
Zitat von sysopDPAMit einem starken Auftritt beendete Pep Guardiola das Trainingslager am Gardasee: Der Bayern-Coach fordert die Verpflichtung von Barcelonas Super-Talent Thiago Alcantara. Kommt der 21-Jährige, beginnt der Kampf um die Stammplätze erst richtig. http://www.spiegel.de/sport/fussball/fussball-bayern-trainer-pep-guardiola-will-thiago-alcantara-a-910657.html
Da wünsche ich Herrn Götze aber viel Spaß - bei seiner Verletzungsanfälligkeit und der Konkurenz ist ihm ein Platz auf der Bank als Edelreservist sicher. ;-)
2.
gog-magog 11.07.2013
Ich sehe eher für Robben keinen Platz mehr im Team der Bayern. Zu statisch, zu berechenbar, zu unflexibel. Es wird sich dort wohl einiges verschieben.
3.
Attila2009 11.07.2013
Aha ! Erst brauchen sie Götze und jetzt relativiert man das wieder. Der Junge wird seine Dummheit noch bitter bereuen und das nächste deutsche Talent versauert bei diesem Haufen.
4.
maxgil 11.07.2013
Zitat von gog-magogIch sehe eher für Robben keinen Platz mehr im Team der Bayern. Zu statisch, zu berechenbar, zu unflexibel. Es wird sich dort wohl einiges verschieben.
Für Ribery wird's auch eng! hihi!
5. Herrlich...
namachschon 11.07.2013
Danke, danke, danke. FC Hollywood is back. Die Saison 2013/2014 wird abwechslungsreich.
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Fotostrecke
Von Cajkovski bis Guardiola: Bayerns Bundesliga-Trainer
Steckbrief Pep Guardiola
  • DPA

    Name
    Josep Guardiola i Sala
    Geburtstag
    18. Januar 1971
    Geburtsort
    Santpedor, Katalonien

    Vereine als Spieler
    1990-2001: FC Barcelona
    2001-2002: Brescia Calcio
    2002-2003: AS Rom
    2003: Brescia Calcio
    2003-2005: Al-Ahli SC
    2006: Dorados de Sinaloa

    Vereine als Trainer
    2007-2008: FC Barcelona B
    2008-2012: FC Barcelona
    ab 2013: FC Bayern München

Erfolge als Spieler
Spanischer Meister (6): 1991, 1992, 1993, 1994, 1998, 1999
Spanischer Pokalsieger (2): 1997, 1998
Spanischer Supercup (1): 1996
Europapokal der Landesmeister (1): 1992
Europapokal der Pokalsieger (1): 1997
UEFA Super Cup (2): 1992, 1997
Olympiasieger (1): 1992

Erfolge als Trainer
Spanischer Meister (3): 2009, 2010, 2011
Spanischer Pokal (2): 2009, 2012
Spanischer Supercup (3): 2009, 2010, 2011
Champions League (2): 2009, 2011
Uefa-Super-Cup (2): 2009, 2011
Fifa-Club-WM (2): 2009, 2011


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