Bestechungsskandal Ghanas Regierung kündigt Auflösung des Fußballverbands an

In Ghana muss sich ein neuer nationaler Fußballverband gründen. Das hat die Regierung des afrikanischen Staates entschieden. Der Grund: Schmiergelder und Manipulation, auch der Verbandspräsident soll involviert sein.

Ghanas Fußballpräsident Kwesi Nyantakyi (Foto von 2014)
AFP

Ghanas Fußballpräsident Kwesi Nyantakyi (Foto von 2014)


Die Regierung Ghanas hat als Folge eines massiven Bestechungsskandals die Auflösung des nationalen Fußball-Verbands GFA angekündigt. Die Staatsführung sei "schockiert und empört", teilte Informationsminister Mustapha Abdul-Hami mit.

In einer am Mittwoch ausgestrahlten TV-Dokumentation war unter anderem zu sehen, wie mehrere Schiedsrichter des Landes Geld angenommen hatten und Verbandspräsident Kwesi Nyantakyi Schmiergeld forderte. Nyantakyi ist auch Mitglied des Councils des Weltverbands Fifa und gilt als einer der einflussreichsten Funktionäre im afrikanischen Fußball.

"Diese Dokumentation legt das schwerwiegende Versagen des Verbands offen, das von Betrug, Korruption und Bestechung gekennzeichnet ist", heißt es in der Erklärung. Die Regierung habe entschieden, die nötigen Schritte einzuleiten, um den Verband aufzulösen. Sie werde die Fußballaktivitäten im Land beaufsichtigen, "bis ein neuer Verband ordnungsgemäß gegründet wird", hieß es weiter.

In der zweistündigen Reportage war unter anderem zu sehen, wie Schiedsrichter umgerechnet 85 Euro für das Verschieben eines Spiels annahmen. GFA-Präsident Nyantakyi wurde dabei gefilmt, wie er von Investoren 9,3 Millionen Euro für angebliche Verträge mit der Regierung einforderte. Bei den Investoren handelte es sich in Wahrheit um Journalisten.

Der Verband hatte nach Ausstrahlung der Reportage mitgeteilt, man nehme die Vorwürfe sehr ernst und werde eine Untersuchung einleiten. Eine Reaktion auf die Erklärung der Regierung gibt es bislang noch nicht. Ghana nahm zuletzt drei Mal in Serie an einer Weltmeisterschaft teil, beim Turnier 2010 in Südafrika kam das Land ins Viertelfinale. Für die diesjährige Endrunde in Russland ist Ghana nicht qualifiziert.

Sollte die Regierung ihre Ankündigung tatsächlich in die Tat umsetzen, könnte dem ghanaischen Fußballverband eine Sperre durch die Fifa drohen. Der Weltverband untersagt den Einfluss der Politik in den Sport. Eine Strafe der Fifa erhielt 2014 der Fußballverband in Nigeria, zuvor hatte sich die Regierung des Staates in die Angelegenheiten des nationalen Verbands eingemischt.

jan/sid/Reuters

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insgesamt 5 Beiträge
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mr.green 07.06.2018
1. Typisch fifa
... Geht man gegen Korruption vor wird man auch noch bestraft. Man sollte Ghana jetzt unterstützen und zeigen das es richtig ist so vorzugehen und nicht den Fußball in dem Land bestrafen.
Planquadrat 08.06.2018
2. Wenn
in Ghana schon die Regierung eingreift, dann muss entweder die Korruption jedes Maß übersteigen oder man hat schlicht vergessen wichtige Leute daran mit verdienen zu lassen.
practicus 08.06.2018
3. Und wann
passiert das mit den Ganovenvereinen FIFA und IOC? Auch die sind ein Teil der "organisierten Kriminalität", Stimmenkauf, Erpressung, Steuerbetrug... ein Fall für den Schweizer Generalanwalt - eigentlich
rpr 08.06.2018
4. Strafe
Die Regierung plant die Auflösung des Verbandes. Der dann aufgelöste Verband muss mit einer Bestrafung rechnen. Inwiefern der dann aufgelöste Verband ihrer Ansicht nach noch von der FIFA bestraft werden soll/kann, wäre schon interesant.
Papazaca 08.06.2018
5. Ghanas Fußball ist in der Krise. Der Schritt ist überfällig!
Das die erste Liga in Ghana korrupt ist und schon lange nicht mehr funktioniert, ist bekannt. Nyantakyi ist schon ewig an der Macht und deshalb mitverantwortlich. Der Regierungswechsel von der NDC zur NPP hat sicher zu seinem Sturz beigetragen. Gut, das er auch gleich inflagranti erwischt wurde. Trotzdem sollte die Regierung versuchen, sich mit der FIFA abzusprechen, sonst wird der Verband international von der FIFA ausgeschlossen. Ghana hat sehr viele gute Fußballer. Was es braucht ist eine funktionierende erste Liga und gute Trainer. Wenn der DFB wirklich etwas Gutes für Afrika tun will, sollte er, in Zusammenarbeit mit der Entwicklungshilfe, die Gründung einer Fußball-Akademie für West-Afrika unterstützen. Vielleicht in Accra. Dann könnten die westafrikanischen Länder endlich gute Trainer und natürlich auch Spieler, Schiedsrichter und Funktionäre ausbilden. Westafrika würde es den Deutschen sehr danken, keiner hier kann sich vorstellen, wie wichtig Fußball in Afrika ist und wie sehr es uns Deutschen helfen würde. Lieber DFB, liebes Entwicklungsministerium nehmt diese Riesenchance wahr, kostet auch nicht die Welt. Selbst die Bundesliga würde von gutausgebildeten Spielern aus Westafrika profitieren. Und so Nachrichten würden die schlechten Nachrichten (Beckenbauer, fragliches Sommermärchen, Özil+ Gündogan) verdrängen .... Motto: Was Gutes tun und davon auch profitieren!
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