Münchner Tor-Gala FC Bayern trifft neunmal gegen den HSV

So eine Demütigung hat es in der Bundesliga seit Jahren nicht mehr gegeben. Der FC Bayern deklassierte den Hamburger SV, er führte ihn vor - und selbst das ist noch untertrieben. Neun Gegentore kassierte der HSV gegen die Münchner, die sich kommendes Wochenende den Meistertitel sichern können.

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Hamburg - Die große Titelparty des FC Bayern musste verschoben werden, Ostereier anstatt Meisterschale, aber München feierte trotzdem. Einen Sieg, der selbst in dieser Saison herausragt, die die Bayern dominieren wie keine Mannschaft zuvor eine Spielzeit in der Bundesliga-Geschichte. 9:2 (5:0) fertigten die Münchner den Hamburger SV ab, allein Claudio Pizarro traf viermal.

Eine Demütigung, für den HSV, eine Demontage, und als Fan der Hamburger kann man sich die Reise nach München inzwischen getrost sparen, zumindest den Besuch des Hamburger Auswärtsspiels. Vergangene Saison verlor der HSV in München 0:5, in der Spielzeit davor 0:6, nun also nochmal drei Gegentore mehr.

Gewinnen die Bayern am kommenden Samstag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) bei Eintracht Frankfurt, sind sie Meister, der am frühesten feststehende in 50 Jahren Bundesliga, unabhängig vom Ausgang des Spiels zwischen dem Zweiten Borussia Dortmund und den FC Augsburg.

Der HSV rutschte in der Tabelle auf Platz neun ab. Auch wenn man es nach Leistungen wie jetzt gegen die Bayern und in der Vorwoche gegen Augsburg nicht für möglich hält: Die Hamburger haben nur einen Punkt Rückstand auf einen Europa-League-Platz und damit noch gute Karten im Kampf um den Europapokal.

Ribéry, Müller und Mandzukic nur auf der Bank

Bayern-Trainer Jupp Heynckes hatte vor der Partie kräftig durchgetauscht, genehmigte mehreren Stammspielern eine Pause. So konnten unter anderem Franck Ribéry, Thomas Müller und Mario Mandzukic ihre Kräfte für das Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League am Dienstag gegen Juventus Turin (20.45 Uhr) sparen. Hinten links verteidigte Luiz Gustavo, vor ihm spielte Xherdan Shaqiri, als Sturmspitze lief Pizarro auf.

Eine Formation, in der die Bayern noch nie gespielt hatten - und die den HSV vor große Probleme stellte. Vielleicht hatten sich die Hamburger auf andere Gegenspieler eingestellt und waren zu Beginn deshalb ein wenig irritiert. Mit zunehmender Spieldauer wurde jedoch deutlich: Die Gäste waren gegen die bessere B-Elf der Münchner schlicht überfordert.

Shaqiri eröffnet Bayerns Tor-Gala in der fünften Minute

Stellvertretend für die Art und Weise, wie der HSV agierte, war das 1:0 der Bayern durch Shaqiri in der fünften Minute. Anstatt den Schweizer anzugreifen, bewegten sich die Hamburger Abwehrspieler rückwärts. Sie trauten sich nicht, aktiv auf Shaqiri draufzugehen. Der Bayern-Profi nutzte den von der HSV-Defensive gewährten Freiraum und traf aus rund 20 Metern ins rechte untere Eck.

Es war vor 71.000 Zuschauern in der ausverkauften Arena der Start zu einer Gala des Rekordmeisters, und man fragte sich, wie diese Hamburger Mannschaft 4:1 bei Borussia Dortmund gewinnen konnte. Pizarros Kopfball (7.) konnte HSV-Torwart René Adler noch parieren. Dessen Teamkollege Dennis Diekmeier musste wenig später vor dem einschussbereiten Arjen Robben klären (18.), doch bei der anschließenden Ecke konnte kein Hamburger mehr etwas retten. Robben passte auf Shaqiri, dessen Flanke Bastian Schweinsteiger per Kopf zum 2:0 verwertete.

Anschließend vergaben Pizarro (21.) und Robben (30.) zunächst beste Möglichkeiten, machten es anschließend aber besser. Erst verwertete der Bayern-Stürmer eine Kopfball-Vorlage von Javier Martínez, dann legte Pizarro selbst auf, als er Robben per Hacke bediente und der Niederländer traf. Damit war die Demütigung des HSV aber noch nicht vorbei, Pizarro traf kurz vor der Halbzeitpause noch zum 5:0.

Auch nach dem Seitenwechsel hatten die Bayern noch kein Erbarmen mit dem HSV. 6:0 Pizarro (53.), 7:0 Robben (54.) - Heynckes dürfte sich an den 29. April 1978 erinnert gefühlt haben, als er mit Borussia Mönchengladbach den höchsten Sieg der Bundesliga-Geschichte gefeiert und beim 12:0 gegen Borussia Dortmund selbst fünf Tore beigesteuert hatte. Seine Bayern beließen es aber bei "nur" neun Treffern, die beiden letzten für München erzielten wieder Pizarro (68.) und der eingewechselte Ribéry (76.). Das 1:8 für den HSV durch Jeffrey Bruma und das 2:9 durch Hamburgs Kapitän Heiko Westermann waren nur Randnotizen.

"Ich schäme mich für mich, für die Mannschaft. Was wir für ein Spiel abgeliefert haben ist unglaublich", sagte Westermann nach der Partie: "Ich denke, es war die schlimmste Niederlage in der HSV-Geschichte. So geht es nicht. Es war unterirdisch."

Bayern München - Hamburger SV 9:2 (5:0)
1:0 Shaqiri (5.)
2:0 Schweinsteiger (19.)
3:0 Pizarro (30.)
4:0 Robben (33.)
5:0 Pizarro (45.)
6:0 Pizarro (53.)
7:0 Robben (54.)
8:0 Pizarro (68.)
8:1 Bruma (75.)
9:1 Ribéry (76.)
9:2 Westermann (86.)
München: Neuer - Lahm (61. Rafinha), Boateng, Dante, Luiz Gustavo - Javi Martínez, Schweinsteiger - Robben (64. Müller), Kroos, Shaqiri (65. Ribéry) - Pizarro
Hamburg: Adler - Diekmeier, Bruma, Westermann, Aogo - Badelj (81. Kacar), Rincón (57. Rajkovic) - Skjelbred, van der Vaart, Son (57. Arslan) - Rudnevs
Schiedsrichter: Winkmann
Zuschauer: 71 000 (ausverkauft)



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stefanreprich 30.03.2013
1. genial
Ich bin immer für spannenden Fußball. Und das heute war spannend. Na ja. Zumindest für mich.
lotusmb 30.03.2013
2.
Bei diesem Spiel wurde eindrucksvoll gezeigt, dass Fußball auch unterhaltsam sein kann. Schade, dass es nicht zweistellig wurde. Die Bayern boten ja noch nicht einmal die erste Elf auf. :)) Auf Seiten des HSV muss man sich natürlich fragen lassen, wie es zu einem solchen Debakel kommen kann. Wo waren die sog. Führungsspieler? Westermann, van der Vaart, Aogo, Jansen? Sonst immer gerne mit dem Mundwerk ganz vorne. Die hatten sich alle versteckt und das Schicksal ohne jegliche Gegenwehr über sich ergehen lassen. Ich bin gespannt, wie sich die Bayern nächste Woche gegen Juve in der CL zeigen werden. Solche Kantersiege können auch gefährlich sein und die Konzentration gegen gleichwertige Gegner könnte verloren gehen.
funnyone2007 30.03.2013
3.
Zitat von stefanreprichIch bin immer für spannenden Fußball. Und das heute war spannend. Na ja. Zumindest für mich.
ja fand es auch spannend.. wann fällt das nächste Tor, wer schiesst es und wird es 2-stellig? Bin enttäuscht... .. wie Müller schon sagte..die Fans erwarten immer ein 8:0 da ist ein 9:2 eine Enttäuschung. Man muss sich fragen ob der Trainer die Mannschaft noch erreicht oder jeder macht was er will. Und hey..Neuer sollte mal nen Spieler an den Pfosten stellen, dann passiert sowas nicht.
Orthoklas 30.03.2013
4.
Wieder nicht Neuers Tag...
Ausfriedenau 30.03.2013
5. Westermann
Zitat von sysopGetty ImagesSo eine Demütigung hat es in der Bundesliga seit Jahren nicht mehr gegeben. Der FC Bayern deklassierte den Hamburger SV, er führte ihn vor - und selbst das ist noch untertrieben. Neun Gegentore kassierte der HSV gegen die Münchner, die sich kommendes Wochenende den Meistertitel sichern können. http://www.spiegel.de/sport/fussball/fussball-bundesliga-bayern-muenchen-deklassiert-den-hamburger-sv-a-891795.html
Eine Bundesligamannschaft, in der Westermann Stammspieler ist, gehört eigentlich in die 2. Liga.
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