Top-Spiel München versus BVB: Remis schützt Bayern vor Überheblichkeit

Aus München berichtet

Es war weder eine Vorentscheidung, noch brachte es neue Spannung im Kampf um die Meisterschaft - das Remis zwischen Bayern und dem BVB hat keine Auswirkungen auf die Tabelle. Doch den Münchnern nützt es trotzdem.

Kaum war der Schlusspfiff erklungen, da rannte Roman Weidenfeller zu Mats Hummels. Der Torwart, der nur Minuten zuvor drei erstklassige Chancen des FC Bayern vereitelte und so das 1:1-Unentschieden festhielt, klatschte mit seinem Abwehrchef ab. Danach rannte er nacheinander zu Sven Bender, Ilkay Gündogan und Marco Reus und wiederholte die Geste. Weidenfeller freute sich sichtlich über den Punktgewinn im Spitzenspiel der 50. Bundesliga-Saison.

"Wir haben heute ein Ausrufezeichen gesetzt und gezeigt, dass wir jederzeit zurückkommen können. Mit uns muss man immer rechnen", sagte der 32-Jährige Torwart anschließend. Das Spiel, so Weidenfeller, sei Ausdruck des "Willens" seiner Mannschaft. Und einen Punkt aus München mitzunehmen "ist eine großartige Leistung". Weidenfeller verschwieg dabei geflissentlich, dass der Punktgewinn die Dortmunder tabellarisch kein Stück weiter bringt. Stattdessen hängen sie immer noch auf dem dritten Rang fest, kaum einholbare elf Punkte hinter den Münchnern und mittlerweile auch drei Zähler hinter Bayer Leverkusen.

Entspannung scheint diese Tatsache in München jedoch niemandem zu geben: "Wir wollten Dortmund heute abschütteln, das ist uns nicht gelungen. Sie sitzen uns immer noch im Nacken. Das ist schlecht", sagte Thomas Müller. Der Rechtsaußen erinnerte anschließend mit Nachdruck daran, dass die Borussia ein äußerst unbequemer Verfolger sein kann. In der vergangenen Saison hatten die Bayern zwischenzeitlich acht Punkte Vorsprung auf Dortmund, am Ende wurde aber der BVB mit acht Punkten Distanz auf die Münchner Deutscher Meister.

Bayern jagt Dortmunds Punkterekord

"Heute haben wir Selbstvertrauen getankt", sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Gleichzeitig merkte er an, dass die Bayern eine "wahnsinnige Qualität haben und in diesem Jahr wohl nicht einzuholen sind". Was ein solches Understatement tatsächlich bedeutet, mussten die Münchner im vergangenen Jahr allerdings ebenfalls schmerzhaft erfahren. Damals beteten die Borussen fast mantraartig den Satz "Wir konzentrieren uns nur auf das nächste Spiel" herunter, um am Ende mit 81 erspielten Punkten eine Rekordsaison zu feiern.

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Fotostrecke: Spitzenspiel mit bitterem Beigeschmack

Doch eine Wiederholung dieser Aufholjagd scheint in dieser Saison ausgeschlossen. Vielmehr muss wohl der BVB um seinen aufgestellten Punkterekord bangen. Denn Bayern München spielt in dieser Saison deutlich konstanter, souveräner und insbesondere kompakter als in den vergangenen Spielzeiten. "Sie versuchen ein wenig uns zu kopieren. Ihr Pressing und das schnelle Umschalten sind wirklich sehr gut", sagte BVB-Außenverteidiger Marcel Schmelzer SPIEGEL ONLINE. Dazu kommt ein überragender Franck Ribéry, der auch gegen den BVB kaum zu verteidigen war.

Dortmund war zwar auch diesmal nicht wirklich schlechter als die Münchner, das Unentschieden wurde von fast allen Beteiligten als leistungsgerecht bewertet. Aber dem BVB fehlt es in dieser Saison noch an Konstanz, an Abgeklärtheit, um eine solch herausragende Runde wie die Bayern zu spielen. "Wir haben einige Punkte zu lässig verspielt. Darum sind wir auch sauer auf uns selbst. Nun geht es darum, dass wir das wieder geradebiegen", sagte Schmelzer.

BVB als Meister-Motivator

Diese Tatsache könnte für Bayern München am Ende tatsächlich als größter Gewinn aus dem Unentschieden gelten: Denn das Wissen um die Präsenz der Dortmunder als steter Verfolger wird die Münchner wohl weiter antreiben. Bei einem Sieg hätten die Bayern 14 Punkte Vorsprung gehabt, die Gefahr, sich dann - ähnlich der vergangenen Saison - verstärkt auf die internationalen Auftritte konzentrieren zu können, wäre wohl ungleich höher gewesen. "Eines kann mir hier jeder glauben: Es wird uns in diesem Jahr auf keinen Fall passieren, dass wir Dortmund zu irgendeiner Zeit abschreiben. Wir bleiben diesmal bis zum Ende voll fokussiert", sagte Müller.

Dass die Rolle des Meister-Motivators für den BVB aber nur ein schwacher Trost ist, machte Innenverteidiger Neven Subotic deutlich: "Das heute war in Ordnung. Wir haben gezeigt, dass wir es können, können uns dafür aber nichts kaufen." In genau diesem Moment ging Weidenfeller in seinem Rücken vorbei in Richtung des Mannschaftsbusses. Auch dem Torwart war das Lächeln mittlerweile gewichen. Und abklatschen wollte er auch niemanden mehr.

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insgesamt 94 Beiträge
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1. Meisterschaft
Freifrau von Hase 02.12.2012
Es sind selten die Giganten-Duelle, in denen Meisterschaften entschieden werden. Es sind die Spiele gegen den 8. bis 18., die man gewinnen muss. Punkte lassen gegen Freiburg, Augsburg, Düsseldorf, Fürth etc. geht gar nicht, wenn man Meister werden möchte. Das war auch Bayerns Problem in der letzten Saison, nicht, dass sie 2 x gegen den BVB verloren haben. Insgesamt können die Münchner mit dem Remis wohl etwas besser leben als der BVB, auch wenn der Sieg dusselig hergeschenkt wurde. (Wie kann man den Götze nur so mutterseelenallein im Strafraum stehen lassen....)
2. Quo vadis Dortmund?
eltajin 02.12.2012
Man muss sich als Dortmund-Fan doch wirklich die Haare raufen, wenn man die Aussage von Watzke hört: „Heute haben wir Selbstvertrauen getankt“. Kopfschuss! Nach 5 Pflichtspielsiegen in Folgen gegen Bayern und tollen Spielen gegen Madrid, Amsterdam und Manchester musste kein Selbstvertrauen mehr aufgebaut, sondern unbedingt auf Sieg gespielt werden. Nur das hätte Dortmund in der Meisterschaft, übrigens auch im Hinblick auf Platz 2 weitergebracht. Stattdessen „kontrollierte Verwaltung“, die nur mit viel Glück nicht schiefgegangen ist. Wenn jetzt schon der letzte Bayernjäger aufgibt, dann können wir die Saison dichtmachen. Auch die restlichen Aussagen der Dortmunder Spieler sind vollkommen unverständlich in der aktuellen Situation. Der Punkt gegen Bayern ist so viel wert, wie der Punkt gegen Düsseldorf, nämlich gar nichts.
3. Sobald Ribery verletzt oder überspielt ist,
ADie 02.12.2012
geht das Drama wieder los. Das ist noch lange nicht entschieden.
4.
MarkusW77 02.12.2012
Zitat von eltajinMan muss sich als Dortmund-Fan doch wirklich die Haare raufen, wenn man die Aussage von Watzke hört: „Heute haben wir Selbstvertrauen getankt“. Kopfschuss! Nach 5 Pflichtspielsiegen in Folgen gegen Bayern und tollen Spielen gegen Madrid, Amsterdam und Manchester musste kein Selbstvertrauen mehr aufgebaut, sondern unbedingt auf Sieg gespielt werden. Nur das hätte Dortmund in der Meisterschaft, übrigens auch im Hinblick auf Platz 2 weitergebracht. Stattdessen „kontrollierte Verwaltung“, die nur mit viel Glück nicht schiefgegangen ist. Wenn jetzt schon der letzte Bayernjäger aufgibt, dann können wir die Saison dichtmachen. Auch die restlichen Aussagen der Dortmunder Spieler sind vollkommen unverständlich in der aktuellen Situation. Der Punkt gegen Bayern ist so viel wert, wie der Punkt gegen Düsseldorf, nämlich gar nichts.
find ich nicht- vorrausgestzt die Bayern haben in der Winterpause die "beste Vorbereitung aller Zeiten" ...kann die Rückrunde kommen ;-) Der FCB muss in der Rückrunde noch in Lev, beim BVB, in H96 in Fra, in HSV usw. antreten. OK Fra nehm ich wieder raus. Aber da werden die garantiert noch den ein oder anderen Punkt liegen lassen. ausserdem würde mir als BVB ler ein Platz zwei oder drei reichen, wenn die Bayern so weiterspielen wie bisher würden sie auch verdient Meister- so ists nunmal.
5. Spannung
lupo44 02.12.2012
so bleibt wenigstens ein wenig Spannung für die zweite Halbserie erhalten.Trotzdem der Vorsprung der Bayern gemessen an den Verfolgern gigantisch erscheint.Aber man weiß ja nie was da noch alles passieren kann.
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