Hamburg - Zwei Spieltage vor Saisonschluss sucht Bundesligist VfL Bochum sein Heil in der Trennung von Trainer Heiko Herrlich. Der Verein hat entsprechende Informationen der Zeitung "Revier Sport" am Donnerstag bestätigt. Der Club will mit dieser Maßnahme den drohenden Abstieg in die Zweite Liga verhindern. Bochum hatte die vergangenen zehn Spiele in der Liga nicht gewonnen und dabei nur drei Punkte gesammelt.
In den ausbleibenden zwei Spielen beim FC Bayern München am kommenden Samstag (15.30 Uhr Liveticker SPIEGEL ONLINE) und gegen Hannover 96 soll Dariusz Wosz das Team betreuen. Wosz war viele Jahre als Spieler für den VfL aktiv gewesen und ist zurzeit Junioren-Coach in Bochum.
Als Ursache für die Trennung gelten laut "Revier Sport" neben der Ergebnismisere, durch die Bochum mittlerweile auf den Relegationsplatz 16 abgerutscht ist, auch tiefgreifende Differenzen zwischen Trainer und Mannschaft. Entsprechende Interna aus dem Team waren jüngst mehrfach an die Öffentlichkeit durchgesickert. Es soll zu Wutanfällen des ehemaligen DFB-Trainers in der Kabine und Beschimpfungen von Spielern gekommen sein, hieß es dort. Herrlich bestreitet das jedoch: "Diese Vorwürfe weise ich mit Entschiedenheit zurück", sagte Herrlich. Er habe lediglich die Mannschaft mit deutlichen Worten wachrütteln wollen.
Vorstand will "anderes Stimmungsbild"
"Wir wollen kurzfristig alles auf eine Karte setzen", sagte Sportvorstand Thomas Ernst zu der Freistellung Herrlichs: "Wir sind nach vielen Analysen und Gesprächen zu dem Entschluss gekommen, dass wir mit Dariusz Wosz größere Chancen haben, unser Ziel Klassenerhalt zu erreichen." Ausschlaggebend für die Trennung sei laut Ernst gewesen, "mit einem anderen Stimmungsbild in die letzten Spiele zu gehen". Am Ende der Saison werde man wissen, "ob wir zwei Wochen zu spät reagiert haben".
Bis zuletzt hatte Ernst noch versichert, Herrlich werde auf jeden Fall bis zum Saisonende im Amt bleiben. "Das steht noch, na klar", hatte Ernst noch Ende März gesagt: "Weil wir sicher sind, dass wir hier mit Heiko Herrlich etwas für die Zukunft aufbauen können." Herrlich ist bereits der zweite Bochumer Coach, der in dieser Spielzeit seinen Job verliert. Er hatte sein Amt erst Ende Oktober angetreten, nachdem der VfL sich zuvor von Vorgänger Marcel Koller getrennt hatte.
Nun soll es Integrationsfigur Wosz richten, der bereits nach der Entlassung von Marcel Koller im vergangenen September bis zur Verpflichtung von Herrlich gemeinsam mit Frank Heinemann die Profis betreut hatte. "Ich war schon überrascht, dass es jetzt so schnell ging, aber natürlich bin ich bereit", sagte Wosz. Der 17-malige Nationalspieler, der keine Fußballlehrer-Lizenz besitzt und eine Sondergenehmigung erhält, wird gemeinsam mit U23-Coach Nico Michaty auf Interimsbasis die Verantwortung für die letzten zwei bzw. vier Spiele (inklusive Relegation) übernehmen. Das Trikot des VfL trug er 346-mal. " Wir haben eine gute Mannschaft, auch wenn man das in den letzten Wochen nicht immer gesehen hat", sagte Wosz.
Er kündigte für das Spiel bei den Bayern mutigen Angriffsfußball an: "Wir dürfen keinen Köttel in der Hose haben."
aha/mib/sid
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