BVB-Gala gegen den HSV Die pure Lust am Spiel

Fünf Spiele, fünf Siege und jede Menge Tore: Borussia Dortmund begeistert mit seinem Offensiv-Fußball und legt den besten Bundesliga-Saisonstart der Vereinsgeschichte hin. Selbst die beiden Gegentore vom HSV hatten eine positive Wirkung.

AFP

Aus Dortmund berichtet


Als Henrich Mchitarjan und Marcel Schmelzer die Fußball-Bühne verließen, wurden sie wie Popstars gefeiert. Es war die 80. Minute im Spiel zwischen Borussia Dortmund und dem Hamburger SV. Aber was heißt hier Spiel, eine BVB-Gala mit sechs Toren war es, zu der insbesondere Mchitarjan einen Großteil beigetragen hatte.

Als die beiden Spieler nun den Platz verließen, zehn Minuten vor Schluss, erhob sich ein Großteil der 80.000 Zuschauer. Das Publikum klatschte, johlte, es war die reine Entzückung.

Doch die Reaktion der Zuschauer galt ja nicht allein Schmelzer und Mchitarjan, sondern einer Mannschaft, die Dortmunds Trainer Jürgen Klopp später als "verrückt gut" bezeichnete. "Ich habe die Haupttribüne sehr lange stehen und applaudieren sehen. Das ist nicht mal hier alltäglich", sagte der Coach, dessen Spieler gegen den HSV eine besonders spektakuläre Variante ihres Vollgas-Fußball geboten hatten.

Neuer BVB-Startrekord in der Bundesliga

Nach einer Saison, in dem Dortmunds große Leidenschaft der Champions League galt, scheint der BVB wieder richtig Lust auf die Bundesliga zu haben. Fünf Siege aus fünf Partien bedeuten für den Tabellenführer einen neuen Startrekord in der Bundesliga, dabei erzielte der BVB 15 Tore. "Ich bin begeistert, ich bin sprachlos", sagte Angreifer Pierre-Emerick Aubameyang, der zwei der sechs Tore erzielt hatte und zum ersten Mal erlebte, wie es sich anfühlt, wenn dieses Dortmunder Publikum in Ekstase gerät.

Das lag auch daran, dass diese Partie nicht nur mitreißenden Offensiv-Fußball bot, sondern rund eine Stunde lang auch ziemlich spannend war. Zwar spielte die Dortmunder Offensive von Beginn an wie entfesselt, führte schnell 2:0 durch Aubameyang und Mchitarjan, hatte zudem viele gute Möglichkeiten für weitere Treffer; doch dem defensiv völlig überforderten HSV genügten zwei Torschüsse zum zwischenzeitlichen Ausgleich durch Zhi Gin Lam und Heiko Westermann.

Reus der Spektakulärste einer glänzenden Offensive

Das Dortmunder Publikum darf im Nachhinein vermutlich sogar dankbar für diesen Ausgleich sein. Denn die beiden Gegentreffer zwangen den BVB zu einer Fortsetzung des Offensiv-Spektakels. "Wir spielen die Bälle nach vorne, und die haben dann den totalen Zug zum Tor", sagte Sven Bender über seine Angriffskollegen. Aubameyang traf am Ende ebenso zweimal wie Robert Lewandowski. Zudem war es schlicht beeindruckend zu sehen, welch ein wunderbarer Fußballer Mchitarjan ist. Der Armenier bringe "in diese schnelle Mannschaft noch mal mehr Tempo rein. Das muss man erst mal schaffen", sagte Nuri Sahin.

Der Spektakulärste unter den Angriffskünstlern war aber Marco Reus, dem ein Tor gelang und der eine Darbietung aufführte, die später gemeinhin der Kategorie Weltklasse zugeordnet wurde. Statt verbissen nach persönlichen Erfolgserlebnisse zu gieren, behielt Reus gegen Hamburg das Gemeinwohl im Auge. Vor dem 4:2 hatte der Nationalspieler einen Pass in den Strafraum trotz guter Schussposition für den noch besser postierten Lewandowski passieren lassen.

"Zuletzt haben wir oft knapp gewonnen. Heute hat jeder, der noch Selbstbewusstsein brauchte, sich das abgeholt", sagte Sahin mit Blick auf die Dortmunder Champions League-Saison, die am Mittwoch (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) beim SSC Neapel beginnen wird. Diese Offensive dürfte auch den Italienern Furcht einflößen, zumal Reus noch eine für den Gegner beängstigende Drohung aussprach: "Ich hoffe, in Neapel läuft es für mich noch besser."

Am Ende dieses Spektakels wirkten sogar die beiden Gegentore heilsam. Denn im Gegensatz zur Konkurrenz aus München müssen die Verantwortlichen in Dortmund nicht daran erinnern, dass kleine Nachlässigkeiten und eine Neigung zur Zufriedenheit schnell bestraft werden. Diesen Job hat der HSV erledigt, der zwei Fehler mit zwei Gegentreffern bestrafte.

Dortmunds Innenverteidiger Neven Subotic war es jeweils, der nicht aufgepasst hatte, nicht sein Nebenmann Mats Hummels. Auch das war für Klopp wichtig, schließlich hatte er vor der Partie Bundestrainer Joachim Löw für den Umgang mit seinen Profis kritisiert und vor allem Hummels in Schutz genommen. Nach der Partie brauchte der Abwehrspieler keinen Zuspruch mehr.

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insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
hase2099 15.09.2013
1. Geiles Spiel, vielversprechende Saison.
Es dürfte wieder eine spannende Saison werden. Der BVB war wirklich souverän gegen den HSV. Schaut so aus, als wenn es ein Rennen zwischen Dortmund und den Bayern um den Titel geben wird. Vielleicht überrascht ja auch eine dritte Mannschaft, es wäre für die Fans sicher ein Gewinn. Aber Dortmund und Bayern scheinen wirklich dem Rest der Liga sportlich enteilt zu sein.
intoxic8ed 15.09.2013
2.
also so wie ich es mitbekommen habe, ging die partie 6:2 aus. der lesart nach so um die 15:2. etwas mehr objektivität in der berichterstattung bei spiegelonline bitte. danke.
praetorianer2 15.09.2013
3. Artikel nicht gelesen...
aber bevor hier die Lobeshymnen kommen: 3 der Tore waren vom HSV geschenkt!
thomas-fritzsch 15.09.2013
4.
Zitat von praetorianer2aber bevor hier die Lobeshymnen kommen: 3 der Tore waren vom HSV geschenkt!
Man muss aber auch den Druck erzeugen um Fehler zu erzwingen. Der HSV fand beinahe gar nicht statt. Insofern finde ich die Berichterstattung nicht zu übertrieben.
discod 15.09.2013
5. überragende Vorstellung
schon seltsam, dass hier Leute noch die Leistung des BVB runter reden wollen. der HSV wurde zerstört und gehört für mich zum Kreis der Abstiegskandidaten! bitter für uns HSV-Fans, aber wahr
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