Dortmunds Duell mit Frankfurt: Meister des Stotterstarts

Vor dem Ligaspiel zwischen Dortmund und Frankfurt sind die Rollen vertauscht. Während der Aufsteiger in Serie siegt, steht der BVB unter Druck. Der Meister kommt zum Saisonauftakt nicht so recht in Fahrt. Die Borussen geben sich cool - wie lange noch?

imago

Hamburg - Pressekonferenzen mit Jürgen Klopp können ein richtig spaßiger Termin sein. Ein Scherz hier, ein Lacher da: Der erfolgsverwöhnte Coach von Borussia Dortmund weiß, wie angenehm das gute alte Frage-Antwort-Spiel sein kann, wenn man von Sieg zu Sieg eilt. Vor der Partie gegen Eintracht Frankfurt waren allerdings andere rhetorische Fähigkeiten des 45-Jährigen gefragt. Ruhig und abgeklärt galt es am Montag vor den Journalisten, jeden noch so kleinen Zweifel an der Leistungsfähigkeit des Double-Gewinners zu zerstreuen.

Kein Wunder, am Dienstagabend (20 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) steigt in Frankfurt ein echtes Spitzenspiel. Das liegt eher an der Eintracht, nicht so sehr an Klopps Mannschaft. Während der Aufsteiger mit vier Siegen aus vier Bundesliga-Spielen so gut wie noch nie in der Vereinsgeschichte gestartet ist, legte der BVB fast schon traditionell einen Stolperstart hin.

Nach dem 2:3 bei Kellerkind Hamburg am vergangenen Samstag, der ersten Niederlage nach zuvor 31 ungeschlagenen Bundesliga-Partien, waren sie plötzlich wieder da: die Fragen nach der Form des Meisters. Zu lässig agierte die Borussia beim vermeintlichen Außenseiter und verlor am Ende trotz eines deutlichen Überhangs an Chancen (26:6 Torschüsse). Aus den ersten vier Ligapartien hat Dortmund sieben Punkte geholt, das klingt wenig meisterlich.

Für Klopp ist das alles kein Grund, Panik zu verbreiten. Im Gegenteil. "Eine Saison entscheidet sich nicht an den ersten vier Spieltagen", sagt er. Nirgendwo weiß man das schließlich besser als in Dortmund. In der vergangenen Saison lag man nach sechs Partien mit sieben Punkten schier aussichtslos auf Rang elf, am Ende stand der zweite Titelgewinn in Folge.

Ungewohnte Fehler in der Abwehr

Damals folgte nach einer 1:2-Niederlage in Hannover eine bemerkenswerte Aufholjagd. Nun soll die Partie in Frankfurt zum Wendepunkt werden. Fünf Punkte beträgt der Rückstand auf Tabellenführer Bayern München bereits. "Wurscht" sei ihm das, sagt Klopp. Beim Aufsteiger muss der BVB trotzdem punkten. Der formstarke Gegner eignet sich außerdem ideal, um ein Signal an die Konkurrenz zu senden - und wieder zu sich selbst zu finden.

Bisher erinnerte nur der 3:0-Sieg am dritten Spieltag gegen Bayer Leverkusen an den Dortmunder Power-Fußball aus den beiden so erfolgreichen Vorjahren. Ansonsten fielen ungewohnte Fehler in der Innenverteidigung oder Abstimmungsprobleme in der Offensive auf. Dort schaffen es Mario Götze nach langer Verletzungspause und Zugang Marco Reus noch nicht, ihr Potential konstant abzurufen.

"Wir haben das Gefühl, etwas gutmachen zu wollen - und zwar unbedingt", sagte Klopp auf der Pressekonferenz. Nicht mehr, nicht weniger. Gelassenheit demonstrierte auch Sportdirektor Michael Zorc vor dem Duell mit Frankfurt: "Wir haben zu wenig Punkte, dennoch mache ich mir keine Sorgen."

"Nicht wahnwitzig günstig"

Der Gegner am Dienstag macht das ohnehin nicht. "Wir spielen auch gegen Dortmund auf Sieg", sagte Frankfurts Mittelfeldspieler Sebastian Rode, beflügelt vom Traumstart mit zwölf Punkten, alle erreicht durch ansehnlichen, schnellen Offensivfußball. "Die Eintracht ist beseelt vom guten Start. Sie hat die richtigen Transferentscheidungen getroffen und aus dem Abstieg das Beste gemacht", lobt Klopp.

Der Trainer steht vor dem Duell beim Aufsteiger vor personellen Problemen im defensiven Mittelfeld. Nach Ilkay Gündogan (Grippe) droht nun auch Sven Bender (Erkältung) auszufallen: "Das ist nicht wahnwitzig günstig", sagt Klopp. Neben Sebastian Kehl wird deshalb wohl wieder Moritz Leitner auflaufen, der beim Hamburger SV noch einer der wenigen BVB-Profis in Normalform war.

"Wenn wir aus dieser Niederlage die richtigen Schlüsse ziehen, dann könnte das für einige Zeit wieder die letzte gewesen sein", sagte Klopp mit Blick auf die Pleite beim HSV. Der Zeitpunkt für eine Wende wäre günstig. In den kommenden Wochen hat der BVB ein anspruchsvolles Programm zu bewältigen.

Nach der Eintracht warten in der Liga in Mönchengladbach, Hannover 96 und Schalke 04 drei Europapokal-Teilnehmer. Und zwischendurch geht es in der Champions League gegen den englischen Meister Manchester City.

Eintracht Frankfurt - Borussia Dortmund Dienstag um 20.00 Uhr
(voraussichtliche Aufstellungen)
Frankfurt: Trapp - Jung, Zambrano, Anderson, Oczipka - Schwegler, Rode - Aigner, Meier, Inui - Hoffer
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Leitner, Kehl - Blaszczykowski, Reus, Perisic - Lewandowski
Schiedsrichter: Meyer

chp/dpa/sid

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insgesamt 12 Beiträge
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1. Übertreibt doch nicht immer so ...
scooby11568 25.09.2012
mein Gott, Dortmund hat nach langer Zeit mal wieder ein Spiel verloren, na und? An der Zahl an Torchancen kann man die Überlegenheit doch gut sehen. Dass es mal nicht zu einem Punkt reicht, musste doch mal so kommen. Auch letztes Jahr hatte Dortmund Spiele dabei, die mit einer gehörigen Portion Glück gewonnen wurden. Das gehört dazu. Aber insgesamt hat die Mannschaft tolle und entwicklungsfähige Spieler und 2 prima Jahre hinter sich. Wird schon wieder werden. Ein Bayern-Fan
2. Nichts Neues
Wunderläufer 25.09.2012
Bislang verläuft für Dortmund und Bayern die Saison genau wie die vergangene: Bayern schien schier übermächtig, der BVB stolprte und verlor auch 1 Spiel. Der Rest ist Geschichte...
3. gänzlich entspannt...
just_a_dude 25.09.2012
...lässt es sich als Frankfurter in diese Partie gehen! Dortmund gehört sicherlich nicht zu den Gegnern, die man schlagen muss um unser Ziel -den Klassenerhalt- zu verwirklichen. Jeder Punkt, den man dem BVB eventuell stehlen könnte, wäre ein Punkt mehr gegen den Abstieg. Selbst wenn es heute Prügel geben sollte, stünde man nach dem 5. Spieltag noch vor dem amtierenden, deutschen Meister.
4. Sagen Sie Ihre Meinung!
fettwebel 25.09.2012
Nee, trau mich nich.
5. Liebe Bild- Reds.
stulle mit jagdwurst 25.09.2012
Verzeihung... liebe SpOn- Reds.: Auch in der vergangenen Saison lieferte der BVB zu Beginn eher durchwachsene Spiele ab, auch da lieferten eure Schreiber ähnlich intelligente Texte ab wie heute. Um das Ganze abzukürzen: Wird es Euch nicht langweilig, immer und immer wieder die gleichen Falschen Schlüsse zu texten? Und selbst wenn der BVB nicht Meister und Pokalsieger wird und in der Vorrunde der CL rausfliegt. Sowas passiert. Shit happens. Ist kein Beinbruch. Gewinnen ist geil. Aber nicht alles.
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