Von Peter Ahrens und Birger Hamann
Hamburg - Man habe zuletzt Fußball eher gearbeitet als gespielt, hat Dortmunds Trainer Jürgen Klopp dieser Tage bemängelt. Der Meister hat seinen Glanz aus dem Vorjahr noch nicht wieder aufpoliert - und dann kommen solche Partien wie gegen Hertha BSC heraus. Der Titelträger unterlag dem Aufsteiger völlig überraschend 1:2 (0:0). Dortmund braucht noch viel Zeit, um wieder in Schwung zu kommen.
"Hertha ist ein verdienter Sieger. Sie haben superdiszipliniert verteidigt. Wir haben es mit unserer Ungeduld dem Gegner leicht gemacht", erkannte Klopp nach dem Spiel den Sieg der Gäste an. Bei der eigenen Mannschaft habe der "Knotenlöser" gefehlt.
Herthas Raffael versetzte den Meister in der 50. Minute in Schockzustand, als er fast unbehindert von der Dortmunder Abwehr einen Sololauf abschließen konnte. Auch BVB-Torwart Roman Weidenfeller sah dabei nicht gut aus. Wie sehr es um die gegenwärtige Gemütslage des Teams bestellt ist, sah man anschließend. Nach dem Treffer wirkte die Mannschaft konzeptlos, ohne klare Linie. Allein ein Lattenschuss von Sven Bender sorgte für unmittelbare Torgefahr. Auf der Gegenseite verhinderte nur der Pfosten zunächst das zweite Tor Raffaels. Dafür legte dann Peter Niemeyer für die Berliner in der 81. Minute nach. Der Anschlusstreffer von Robert Lewandowski (89.) kam zu spät.
In der Vorsaison wurden solche Gegner wie die Hertha von den Dortmundern einfach überlaufen, mit einem Tempofußball, dem keine Mannschaft der Liga etwas hätte entgegensetzen können. Genau dies gelingt in dieser allerdings noch frühen Phase der Saison den Dortmundern noch nicht. Gerade in der ersten Hälfte agierte der BVB umständlich, zwar feldüberlegen, aber ohne übermäßigen Druck auf die Berliner Abwehr auszuüben.
Im Moment von der Form der Bayern weit entfernt
Dortmund ist in der Tabelle nach fünf Spieltagen derzeit auf Platz zehn - das ist eine Momentaufnahme, der Abstand zum Spitzenreiter Bayern München beträgt erst fünf aufholbare Punkte. Dennoch scheint schon klar zu sein: Der BVB tut sich schwer. Die derzeitige Form der beiden Top-Teams aus München und Dortmund liegt weit auseinander: Die Bayern haben bislang zehn Tore mehr erzielt als der Meister.
Wahrscheinlich ist Klopp derjenige, den das am wenigsten überrascht. Der Coach hat von Saisonbeginn an davor gewarnt, dass die Zeiten der absoluten Leichtigkeit vorbei sein dürften. Warnungen, die nach dem beeindruckenden Auftaktsieg über den Hamburger SV allerdings zu verhallen drohten. Vier Spieltage später reift die Erkenntnis, dass dies wohl auch zu einem Gutteil an dem schwachen Gegner HSV gelegen haben dürfte.
Gegen Hamburg hieß der überragende Akteur Mario Götze, der nach seinem umstrittenen Platzverweis aus dem Leverkusen-Spiel vor zwei Wochen gegen Hertha aussetzen musste. Die Niederlage gegen Hertha allein auf das Fehlen des 18-Jährigen zurückzuführen, wäre allerdings viel zu einfach. Die gesamte Mannschaft hängt der Vorjahresform hinterher.
Wiedergutmachung kann der Meister allerdings schon am kommenden Dienstag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) leisten: Dann trifft der BVB in der Champions League im heimischen Stadion auf den FC Arsenal mit Nationalspieler Per Mertesacker. Und danach hat das Klopp-Team zwei Auswärtspartien - erst bei Hannover, dann in Mainz. Danach wird man wissen, welche Champions-Qualitäten der BVB in dieser Saison wirklich hat. Und irgendwann ist Götze dann auch wieder dabei.
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