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Niederlage in Augsburg: Guardiola rotiert Bayern zu historischer Pleite

Aus Augsburg berichtet Christoph Leischwitz

Es ist die erste Niederlage für die Bayern nach 53 Spielen, die Konkurrenz spricht von Wettbewerbsverzerrung: Josep Guardiola schonte beim Augsburger 1:0-Sieg viele Stammkräfte für die Champions League. Er nimmt den Nachwuchs in Schutz.

Bayern-Niederlage in Augsburg: Peps Premiere Fotos
DPA

SPIEGEL ONLINE Fußball
Javier Martínez konnte sich ein Souvenir dieses historischen Nachmittags sichern: das Trikot eines Spielers, der den FC Bayern in der Saison 2013/2014 besiegt hat. Noch eine halbe Stunde nach der 0:1-Niederlage lief der Defensivmann des FC Bayern mit dem Augsburger Trikot mit der Nummer 25 durch die Kabinengänge.

Während des Spiels hatte es dem eingewechselten Raul Bobadilla gehört, der Martínez in der 90. Minute noch einmal genarrt hatte. Bobadilla traf zwar nur den Pfosten, doch das hatte den Sieg der Schwaben über den Deutschen Meister durch den Treffer von Sascha Mölders (31. Minute) nur noch spannender gemacht. Den Jubel nach dem Spiel in der Augsburger Arena hätte man leicht mit einer Feier zum Klassenerhalt verwechseln können.

Nicht Dortmund oder der FC Arsenal, sondern der FC Augsburg hat den Bayern-Nimbus der Unbesiegbarkeit und dazu eine Serie von 53 Bundesliga-Spielen ohne Niederlage beendet - und am Ende gegen den wütend angreifenden Meister nicht unverdient die Null gehalten. "Wenn der FC Augsburg den FC Bayern schlägt, dann ist das natürlich eine sensationelle Geschichte, der Kleine schlägt den Großen", sagte Augsburgs Trainer Markus Weinzierl. Mit der Großzügigkeit eines Siegers wünschte der ehemalige Spieler des FC Bayern dem Kontrahenten dann noch alles Gute, "dass sie alle Titel holen, damit sie in Bayern bleiben".

Da lächelte sein Kollege Josep Guardiola ganz kurz. Ihm war klar, dass er sich diesmal ver-rotiert hatte, zum ersten Mal überhaupt als Trainer des FC Bayern. Doch zugeben wollte er das nicht. Er fand, dass Augsburg schlicht die bessere Mannschaft gewesen sei. "Und es wäre gefährlich, es auf die drei jungen Spieler zu schieben", fügte er an.

Bayers Siegeswille war nur eine Halbzeit zu spüren

Mit Blick auf das Viertelfinal-Rückspiel in der Champions League am kommenden Mittwoch (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gegen Manchester United hatte Guardiola mehrere Stammkräfte auf der Bank gelassen. Phillip Lahm, Franck Ribéry und Arjen Robben standen nicht einmal im Kader. Dass diese Partie mit den drei Saison-Debütanten Ylli Sallahi, Pierre-Emile Højbjerg und Mitchell Weiser verloren ging, wog aber auch deshalb so schwer, weil auf Augsburger Seite gleich sechs Stammspieler fehlten.

"Højbjerg und Weiser waren die besten Spieler auf dem Platz", befand Guardiola. Doch der Nachrücker Sallahi tat sich schwer gegen den Nachrücker Alexander Esswein. Und ein Bankdrücker entschied zudem das Spiel: Mölders nutzte einen Fehler von Weiser. "Niemand hätte einen Cent auf uns gewettet. Und für mich persönlich war es auch ganz toll, ich war lange verletzt", sagte der Torschütze.

"Wir wollten das Spiel gewinnen", sagte Guardiola, als ob man das nicht immer will. Doch gespürt hatte man das maximal eine Halbzeit lang. So erzählte auch Thomas Müller später, dass es in der Pause "Thema gewesen" sei, dieses Spiel nicht verlieren zu wollen. "Am Schluss haben dann ein paar Zentimeter Genauigkeit gefehlt", fand er. Und über die erste Halbzeit wollte er sich ausschweigen, "da habe ich ja nicht mitgespielt". Müller wirkte recht gelassen, als er über diese Niederlage sprach: "Wenn wir gegen Manchester gewinnen, haben wir alles richtig gemacht", sagte er und lächelte.

Andere Bundesliga-Vereine sahen keine historische Größe in dieser Niederlage, sie befürchten vielmehr Wettbewerbsverzerrung. "Das ist kein guter Stil, wenn man so agiert, dass es für andere Probleme geben könnte", sagte Schalkes Manager Horst Heldt über die bayerische Vollrotation. Mit Blick auf die Tatsache, dass es für alle anderen Teams in der Liga eben noch um etwas geht, fand auch Frankfurts Trainer Armin Veh: "Natürlich kann man gegen Augsburg verlieren. Aber wenn ich mir die Aufstellung ansehe, muss ich schon sagen, jeder ist seines eigenen Glückes Schmied."

Als einer der wenigen Stammspieler hatte Manuel Neuer auflaufen müssen, Ersatzmann Tom Starke fehlt mit einer Ellenbogenverletzung. Nach dem Spiel sei es in der Kabine nur um eines gegangen: "Bist du fit oder nicht fit", erzählte der Torwart. Er selbst hatte diesmal einiges zu tun bekommen. Sorgen, dass diese Niederlage seine Vorderleute aus ihrem Erfolgsrhythmus reißen könnte, hatte der Towart freilich nicht. Neuer und Toni Kroos dürften gegen Manchester die einzigen Spieler sein, die auch beim historischen Augsburg-Spiel von Beginn an auf dem Platz standen.

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insgesamt 194 Beiträge
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1. Trainer raus
LapOfGods 05.04.2014
Guardiola raus. Wenn der sich so an der deutschen (unserer aller) Nationalmannschaft versündigt, wie es Ihr kompetenter Experte ja eindeutig nachweist, dannist das ja das mindeste. Verlieren geht gar nicht. Das tun nur Loser.
2. Gut erkannt
vask 05.04.2014
"jeder ist seines eigenen Glückes Schmied" Es hält ja keiner Frankfurt (in unfairer Weise) davon ab, alle eigenen Spiele zu gewinnen. Aber anderen die Schuld zuweisen ist natürlich leichter.
3. Hoffen...
spon-facebook-10000041936 05.04.2014
... wir doch besser alle, dass im Gegensatz zu anderen Vertretern, zumindest der FC Bayern die vermeintlich 'stärkste europäische Liga' (der Vorsaison) am Mittwoch nicht auch noch in der Champions League blamiert. Abgesehen davon- auch die Möglichkeit in der BL jetzt so gelassen rotieren zu können, hat man sich erarbeitet und auch Schalke und Frankfurt haben in ihren eigenen Spielen (auch gegen den FCB) ihren Teil dazu (nicht) beigetragen.
4.
roflxd 05.04.2014
Zitat: "Auch als Anhänger des FCB muss man zugestehen: Echt peinlich Pep. "Wir haben nicht wegen der jungen Spieler verloren"- selten so ein dämlichesTrainerstatement gehört. Das Spiel hat Pep schon vorher verloren gegeben. Die Aufstellung war eine Mißachtung des Gegners und eine üble Wettbewerbsverzerrung. Drei Spiele in Folge nun mit nur 2 Punkten - hoffentlich sind die Köpfe gegen ManU wirklich wieder frei - sonst wäre es eine grandiose Fehlkalkulation: Der eigene Trainer verunsichert die eigene Mannschaft, zerstört selbst den Nimbus der "Unbesiegbaren", und der FCB fliegt aus dem Viertelfinale der CL! :-( Hoffentlich habe ich nicht recht... Aber es darf daran erinnert werden, dass "Don Jupp" im letzten Jahr in jedem Spiel bis zum letzten Spieltag alles aus seiner Mannschaft herausgeholt hat!"
5. Nun ja, man
robrien 05.04.2014
Kann auch in Bestbesetzung abschenken, so wie Schalke in München 1:5. Und war es nich Veh, der gegen Bayern die Gelb vorbelasteten Spieler geschont hat? Da sich gegen Augsburg shaquiri nicht unerheblich verletzt hat, scheint beim aktuellen Verletzungspech angebracht zu sein
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