Drei Thesen zur Bundesliga Kovac hat einen guten Plan, aber ...

Gegen Hoffenheim spielte Bayern München nur eine Hälfte wirklich überzeugend. Das lag an fehlenden taktischen Alternativen - und an einem starken gegnerischen Trainer.

Niko Kovac
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1. Kovac hat einen guten Plan

Bayern Münchens Trainer Niko Kovac hat in der Hinrunde einiges an Kritik einstecken müssen, ehe er von seinem 4-1-4-1-System zu einem 4-2-3-1 wechselte. Bayern ist in der Defensive stabiler geworden, lässt nur wenige Torchancen zu. Nur das Toreschießen klappte noch nicht perfekt.

Gegen die TSG Hoffenheim spielten die Bayern aber gerade offensiv teils ansehnlichen Fußball. Leon Goretzka stieß von der Zehnerposition immer wieder in die Spitze, ebenso wie Thomas Müller, der von Rechtsaußen in die Mitte rochierte.

Hoffenheims Dreierkette sah sich dadurch vielen direkten Duellen ausgesetzt, Bayerns Stürmer bekamen dagegen Platz im Strafraum der TSG. Wie beim 1:0, als Robert Lewandowski erst noch am starken Oliver Baumann scheiterte, ehe Goretzka zur Führung traf (34. Minute).

Auch das zweite Tor erzielte Goretzka, nach einem stark herausgespielten Konter. Bayern schien auf dem besten Weg, den Grundstein für eine Aufholjagd auf Borussia Dortmund in der Rückrunde zu legen.

2. Ein guter Plan reicht nicht

Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann beobachtete den Verlauf der ersten Hälfte - und zog in der Halbzeitpause die richtigen Schlüsse. Den unsicheren Innenverteidiger Kevin Vogt schob er vor ins Mittelfeld, hinten agierte fortan eine Viererkette.

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Bayern-Sieg bei Hoffenheim: Der doppelte Goretzka

Der Münchner Zugriff auf die Abwehrkette blieb dementsprechend aus. Vielmehr wurde Hoffenheim auch offensiv immer stärker. Nagelsmann ging noch einen Schritt weiter, tauschte das Herzstück seines Spiels, das Mittelfeldzentrum, nahezu komplett aus. In Dennis Geiger und Florian Grillitsch sollten spielstarke Akteure für einen kontrollierten Aufbau sorgen - und das gelang.

Leon Goretzka (Nummer 18)
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Leon Goretzka (Nummer 18)

Kovac beharrte dagegen auf seiner Taktik, auch nach dem Anschlusstreffer von Nico Schulz (59.) wartete er mit personellen Umbaumaßnahmen. Erst eine Viertelstunde vor Schluss brachte er mit James Rodríguez auch einen taktischen Wechsel, zurück zum Kovac'schen 4-1-4-1.

Aber auch das verhalf dem Bayern-Spiel nicht zu mehr Stabilität. Einzig Manuel Neuer rettete die Bayern vor dem Ausgleich, als er einen Kopfball von Ádám Szalai herausragend hielt. Lewandowskis 3:1 nach Vorarbeit von James und Thomas Müller entschied zwar die Partie, konnte aber auch nicht über Mängel hinwegsehen lassen.

3. Zum 100. Mal: Julian Nagelsmann

Die Partie gegen Bayern München war Nagelsmanns 100. Bundesligaspiel als Trainer. Und er zeigte, warum nicht mehr allzu viele an der Seitenlinie der TSG Hoffenheim folgen, warum er sich bald den noch ambitionierteren Leipzigern anschließen wird.

Julian Nagelsmann (links) und Niko Kovac
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Julian Nagelsmann (links) und Niko Kovac

Seine Mannschaft startete mutig in die Partie, wurde dann aber vom Deutschen Meister zunehmend in der eigenen Hälfte festgespielt. Auch der Aufbau gelang nicht mehr so, wie es sich Nagelsmann mutmaßlich vorgestellt hatte.

Gute Trainer zeichnen sich aber dadurch aus, dass sie auf Missstände während des Spiels reagieren können. Nagelsmann tat dies, indem er seine Abwehr umstellte, im Mittelfeld durchwechselte und so den fast schon sicher geglaubten bayerischen Auswärtssieg doch noch gefährdete.

Nagelsmann ist ein guter Coach, kein Trainertalent mehr. RB Leipzig, der Verein, zu dem er im Sommer wechseln wird, ist ein finanzkräftiger Klub mit einer überragenden Infrastruktur, viele junge und entwicklungsfähige Spieler stehen dort unter Vertrag - mit Nagelsmann kriegt RB auch noch einen ziemlich guten Trainer dazu.



insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
Kurt Vile 19.01.2019
1.
Die erste Halbzeit hat Bayern überragend gespielt. So wurde Hoffenheim schon lange nicht mehr an die Wand gespielt. Schaut Euch bitte mal zum Vergleich Hoffenheim gegen Dortmund aus der Vorrunde an. Das das nicht über 90 Minuten so läuft ist klar. Wenn Coman, Thiago und James spielen, ist das eine andere Mannschaft als in der Vorrunde. Jetzt muss nur noch Kovac das Niveau „Internationale Klasse“ erreichen.
ge1234 19.01.2019
2. Letztes...
... Jahr um diese Zeit war ich noch der Meinung, Nagelsmann wäre noch zu jung für die Bayern. Jetzt wünsche ich ihn mir geradezu sehnlichst als Kovacersatz! Nagelsmann, Guardiola, van Gaal, Heynckes, Tuchel etc....alles Trainer, die nicht nur eine Spielidee, sondern auch mehrere taktische Konzepte in petto haben, die ein Spiel lesen und daraus die richtigen Schlüsse ziehen konnten. All das fehlt Kovac, er gehört zur Kategorie Klinsmann, also Motivatoren ohne jeglichen (Spiel-)Plan. Genau das war damals auch der Vorwurf der Spielerrevolte in der kroatischen N11 um Modric und Srna, als deren Konsequenz Kovac seinen Hut nehmen mußte.
dani76 19.01.2019
3. Plan wo?
Die 2 Halbzeit war nix vom Plan zusehen. Wenn man die Bayern permanent unter Druck setzt haben sie Probleme, Liverpool wird es vormachen wie es geht.
Sal.Paradies 19.01.2019
4. Langfristig
wird auch RB Leipzig mit Nagelsmann ganz oben mit anklopfen. Richtig ist, was im Artikel steht. Kovac hat viel zu spät auf die Umstellung der TSG reagiert und hat damit fast noch einen eigentlich ungefährdeten Sieg riskiert. Was genau Nagelsmann analysiert und wie sichtbar der Bruch im Bayern-Spiel war, sagt einiges über die Finessen dieses jungen Trainers aus. Allerdings sollte man bei aller Kritik niemals vergessen, dass auch ein N.Kovac ein eher junger und unerfahrener Trainer ist, der eben auch noch seine Zeit zur Reife benötigt. Kritik ja, aber man sollte es damit auch nicht übertreiben, denn Kovac ist noch lange kein Heynckes, oder..;-)
Oihme 19.01.2019
5. Dass ...
Zitat von Sal.Paradieswird auch RB Leipzig mit Nagelsmann ganz oben mit anklopfen. Richtig ist, was im Artikel steht. Kovac hat viel zu spät auf die Umstellung der TSG reagiert und hat damit fast noch einen eigentlich ungefährdeten Sieg riskiert. Was genau Nagelsmann analysiert und wie sichtbar der Bruch im Bayern-Spiel war, sagt einiges über die Finessen dieses jungen Trainers aus. Allerdings sollte man bei aller Kritik niemals vergessen, dass auch ein N.Kovac ein eher junger und unerfahrener Trainer ist, der eben auch noch seine Zeit zur Reife benötigt. Kritik ja, aber man sollte es damit auch nicht übertreiben, denn Kovac ist noch lange kein Heynckes, oder..;-)
.. es bei den Bayer meistes nur noch für eine, gute Halbzeit reicht, war auch schon unter Ancelotti und Heynckes zu beobachten. Das am Trainer festzumachen, greift wohl zu kurz.
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