Remis und Verletzte: Gebrauchte Tage beim BVB

Dicke Luft bei Borussia Dortmund: Trainer Jürgen Klopp war nach dem Remis in Hannover stinksauer. Ein spätes Gegentor, drei Verletzte und neun Punkte Rückstand auf Tabellenführer FC Bayern sind genug Gründe, um frustriert zu sein. Doch das wahre Problem des BVB ist ein anderes.

imago

Hamburg - Sechs Wochen: So lange wird Jakub Blaszczykowski Borussia Dortmund wegen seiner Fußverletzung aus dem Spiel bei Hannover 96 fehlen. Das teilte der BVB am Montag mit, nachdem bei dem Polen ein Teilriss des Syndesmosebandes sowie des Außenbandes im linken Sprunggelenk diagnostiziert worden war. Damit dürfte für Trainer Jürgen Klopp, der am Sonntag nach eigener Aussage "einen gebrauchten Tag" hatte, ein weiterer gebrauchter hinzukommen.

Die Verletzung Blaszczykowskis war nach dem 1:1 bei 96 nur ein Grund, warum Klopp stinksauer war. Nun sind emotionale Ausbrüche des BVB-Trainers nicht gerade selten; aber so angefressen wie am Sonntagabend hatte man Klopp schon lange nicht mehr gesehen. Denn in Hannover war Dortmund das klar bessere Team, bekam aber in der 86. Minute den Ausgleich durch Mame Diouf. Dadurch hat der Meister in der Tabelle schon neun Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Bayern München. Zudem mussten Mats Hummels (schwere Mittelfußprellung) und Sven Bender (schwere Schädel- und Augapfelprellung) angeschlagen ausgewechselt werden und fallen rund zwei Wochen aus.

Drei verletzte Profis, der späte Gegentreffer, ein aus Klopps Sicht nicht gegebener Elfmeter für sein Team und mit zwölf Punkten aus sieben Spielen ein mäßiger Saisonstart: "Es ist einigermaßen anstrengend, das alles zu verarbeiten", so der Dortmunder Coach. Zuvor hatte er sowohl Schiedsrichter Peter Gagelmann als auch Hannovers Trainer Mirko Slomka ordentlich die Meinung gesagt.

Was konkret er dem Referee und seinem Kollegen mitteilte, wollte Klopp nicht verraten. "Alles wird heutzutage falsch verstanden. Dementsprechend muss ich es dabei belassen, dass ich aussehe wie ein Idiot, wenn ich hier stehe und so drauf bin", sagte der Borussia-Coach gereizt, als er vor laufender Kamera auf die Szenen angesprochen wurde.

Fotostrecke

7  Bilder
BVB vs. Hannover: Diouf trifft spät zum Ausgleich
Zumindest die Forderung nach einem Elfmeter, ein vermeintliches Foul an Marco Reus, musste Klopp später revidieren, weil das Tackling von Karim Haggui vor der Strafraumgrenze war. Und dass Hannover wirklich überhart gespielt hatte, wie Klopp zumindest andeutete, wollte dessen Kapitän Sebastian Kehl nicht bestätigen: "Das gehört zum Fußball dazu. Wir beschweren uns nicht."

Was bleibt also von Klopps emotionalem Ausbruch? Wohl die Erkenntnis, dass ein dritter Meistertitel in Folge sehr schwierig wird. Nicht nur, weil die Bayern einen beeindruckenden Saisonstart mit sieben Siegen in sieben Spielen hingelegt haben. Sondern auch, weil Dortmund seine Überlegenheit zu selten für Auswärtssiege nutzt. Das Problem des BVB: Er ist fast immer klar besser als der Gegner, bringt sich durch Fehler aber häufig um den Lohn der Arbeit. In Hamburg (2:3) und Frankfurt (3:3) zeigte das Team eklatante Schwächen in der Defensive, in Nürnberg (1:1) und Hannover ließ es viele Chancen ungenutzt.

"Wir haben mehr Potential als die wenigen Punkte, die wir bislang auswärts geholt haben", sagte Robert Lewandowski, der das BVB-Tor in Hannover erzielt hatte. Der Pole gab auch zu bedenken: "Wenn wir noch Meister werden wollen, müssen wir jetzt jedes Spiel gewinnen." 27 Siege in Folge: Mit der aktuellen Dortmunder Form wird das wohl kaum gelingen.

ham/sid/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 18 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. te
polar.der.viertelvorzwölf 08.10.2012
Zitat von sysopimagoDicke Luft bei Borussia Dortmund: Trainer Jürgen Klopp war nach dem Remis in Hannover stinksauer. Ein spätes Gegentor, drei Verletzte und neun Punkte Rückstand auf Tabellenführer FC Bayern sind genug Gründe, um frustriert zu sein. Doch das wahre Problem des BVB ist ein anderes. http://www.spiegel.de/sport/fussball/fussball-bundesliga-frust-bei-dortmund-nach-remis-in-hannover-a-860086.html
Und welches ist jetzt das wahre Problem der Borussia? Dass man die Tore nicht macht und defensiv zu viele Fehler? DAS ist jetzt die tiefschürfende Erkenntnis? Man kann´s mal so sehen: die Bayern sind kaum noch einzuholen, insbesondere, wenn das "wahre Problem" nicht gelöst wird - aber wie ist das zu lösen? Trotzdem steht man am Ende vor mindestens 14 anderen Teams der Bundesliga. Wie groß müssen also erst deren wahre Probleme sein? Ein Punkt in Manchester ist nicht schlecht, ein Punkt in Hannover eigentlich auch nicht, trotzdem fühlen sich beide Unentschieden ein bißchen wie Niederlagen an, weil die Gegentore recht spät fielen. Aber das schöne am Fußball ist ja, dass man das im nächsten Spiel alles wieder gutmachen kann, und beim Blick auf den Gegner und die Tabellenkonstellation ist das sogar DIE Gelegenheit dazu.
2. Immer mit der Ruhe
argonaut-10 08.10.2012
Letztes Jahr sind die Jungs auch schwer in die Schlappen gekommen und zudem international eher un-souverän gestartet. Aber bereits letztes Jahr war die gesamte Saison die mangelnde Chancenverwertung das Problem des BVB. Das macht ja solange nichts, solange man immer noch mehr Tore als der Gegner erzielt. Diese Saison hat das einfach noch nicht so richtig geklappt. Aber trotzdem spielen sie super Fussball und darauf kommt's doch wohl an.
3.
Stäffelesrutscher 08.10.2012
Was für ein Artikel! Man schaue sich mal den Stand nach dem 7. Spieltag der Vorsaison an: Bayern 1., Dortmund 8. mit 8 Punkten Rückstand. Was ist daraus geworden? Eine Meisterschaft mit dem besten Punktestand aller Zeiten und 8 Punkten Vorsprung auf Bayern. Dortmund hat jetzt zwei Punkte mehr als zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison ... Und dass Dortmund Punkte auch bei Überlegenheit liegen lässt, haben wir in den letzten beiden Jahren zur Genüge erlebt. Da hat doch der BVB in keinem Spiel "verdient" verloren, sondern immer nur verloren oder remis gespielt, weil man zu viele Torchancen versemmelt hat oder im gegnerischen Tor ein gewisser Manuel Neuer stand.
4.
derjonny 08.10.2012
Zitat von sysopimagoDicke Luft bei Borussia Dortmund: Trainer Jürgen Klopp war nach dem Remis in Hannover stinksauer. Ein spätes Gegentor, drei Verletzte und neun Punkte Rückstand auf Tabellenführer FC Bayern sind genug Gründe, um frustriert zu sein. Doch das wahre Problem des BVB ist ein anderes. http://www.spiegel.de/sport/fussball/fussball-bundesliga-frust-bei-dortmund-nach-remis-in-hannover-a-860086.html
Zitat aus dem Artikel: Und dass Hannover wirklich überhart gespielt hatte, wie Klopp zumindest andeutete, wollte dessen Kapitän Sebastian Kehl nicht bestätigen: "Das gehört zum Fußball dazu. Wir beschweren uns nicht." Fehlinterpretation durch den Autor. Kehl hat nicht bestritten, dass es in der Party hart zur Sache ging, nur ist Kehl einer der wenigen, die selbst zutreten können, wenn es angebracht ist. Denke die Schwere diverser Verletzungen lässt keine zwei Meinungen darüber zu, dass Hannover schon sehr körperbetont gespielt hat. Dortmund hat sich da gestern Abend den Schneid abkaufen lassen. In solchen Situationen wünsche ich mir ehrlich auch Spieler wie z.B. Schweinsteiger in München. Den tritt man einmal, vielleicht auch noch ein zweites mal um, aber dann sollte man darauf gefasst sein bei Gelegenheit selbst über den Platz zu rollen. Somit sind wir bei einem weiteren Problem beim BVB. Keiner da außer Kehl, der wenn es der Schiedsrichter so durchgehen lässt auch mal ein Tackling mehr riskiert. Naja kommt wohl auch erst mit dem Alter.
5. kurzes Gedächtnis
les2005 08.10.2012
Zitat von StäffelesrutscherWas für ein Artikel! Man schaue sich mal den Stand nach dem 7. Spieltag der Vorsaison an: Bayern 1., Dortmund 8. mit 8 Punkten Rückstand. Was ist daraus geworden? Eine Meisterschaft mit dem besten Punktestand aller Zeiten und 8 Punkten Vorsprung auf Bayern. Dortmund hat jetzt zwei Punkte mehr als zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison ... Und dass Dortmund Punkte auch bei Überlegenheit liegen lässt, haben wir in den letzten beiden Jahren zur Genüge erlebt. Da hat doch der BVB in keinem Spiel "verdient" verloren, sondern immer nur verloren oder remis gespielt, weil man zu viele Torchancen versemmelt hat oder im gegnerischen Tor ein gewisser Manuel Neuer stand.
Da kann ich nur zustimmen. Letztes Jahr um diese Zeit hatte Bayern eine ähnliche Hurra-Phase, BVB weit abgeschlagen. Jetzt wird schon wieder so getan als würde Bayern sowieso alle weiteren Spiele gewinnen. Letztes Jahr war der beste Beweis daß nach 7 Spieltagen gar nichts entschieden ist. Sicher sind die Vorzeichen für Bayern dieses Jahr besser und daß Dortmund irgendwann mal in der Normalität ankommt war auch zu erwarten. Aber jetzt schon zu tun als sei die Meisterschaft bereits entschieden ist unsinnig.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Fußball-News
RSS
alles zum Thema Fußball-Bundesliga
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 18 Kommentare

Themenseiten Fußball
Tabellen