Von Christian Paul
Eine Erklärung für seinen Patzer gegen Mönchengladbach hatte Bayerns Torwart Manuel Neuer schnell gefunden. Er habe durch ein Handspiel außerhalb des Strafraums keine Rote Karte riskieren wollen, sagte der 25-Jährige zu der Szene aus der 62. Minute, die der Borussia den Siegtreffer in München ermöglichte. Äußerlich souverän parierte der mindestens 18 Millionen Euro teure Zugang die Fragen nach seinem missglückten ersten Bundesliga-Spiel für den Rekordmeister.
Bloß nicht darüber reden, wie unglücklich sein Fehlgriff am Strafraumrand aussah, den der Belgier Igor de Camargo per Kopf ausnutzte. Bloß nicht einräumen, wie sehr die Münchner die 0:1-Heimniederlage gegen den Außenseiter schmerzt. Hoch überlegen war der große Titelfavorit gegen den Außenseiter, der sich am Ende der vergangenen Saison erst in der Relegation vor dem Abstieg in die zweite Liga retten konnte. Bayern berannte fast eine Stunde lang das gegnerische Tor, dann hatte Neuer seinen Aussetzer.
Ausgerechnet Neuer, der bis dahin nur einen schweren Ball halten musste. Ausgerechnet Neuer, der beim FC Bayern noch immer alles andere als unumstritten ist. Nach dem Spiel zeigte sich ein Teil der Anhänger prompt von seiner schlechten Seite und bepöbelte den Ex-Schalker via Facebook auf teils üble Art und Weise. Neuer und sein Club stehen bereits beim nächsten Bundesliga-Spiel am Samstag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) in Wolfsburg unter Druck.
Schlaudraff düpiert Starke
Es dürfte den Nationalkeeper kaum trösten, dass er am ersten Bundesliga-Spieltag nicht der einzige Torwart war, der patzte. Am Samstag kassierte Hoffenheims Tom Starke einen Gegentreffer der äußerst peinlichen Art. In Hannover lief die 14. Minute, es gab Freistoß aus zentraler Position für 96.
Im Stadion verfolgten die Zuschauer das übliche Prozedere. Starke war am rechten Pfosten damit beschäftigt, seine Mauer zu dirigieren, als Hannovers Jan Schlaudraff plötzlich antrat und mit einem präzisen Schuss ins linke obere Eck zur 1:0-Führung der Gastgeber traf. Der Treffer zählte, Schlaudraff ließ sich vom Publikum und Trainer Mirko Slomka ("Das hat er clever gemacht") feiern. Der verdutzte Starke war stocksauer: "Wenn der Schiedsrichter den Ball freigibt, dann muss er das auch uns signalisieren. So sehe ich aus wie ein Trottel."
Schlaudraffs Version ging so: "Der Schiedsrichter hat mich gefragt, ob er die Mauer auf Abstand stellen soll. Ich habe nein gesagt und erklärt, wir brauchen keine Mauer." Auch, wenn unter Schiedsrichterkollegen kontrovers über die Aktion diskutiert wurde, sagte Kinhöfer: "Alles regelkonform." Hoffenheim verlor am Ende 1:2, Hoffenheims Trainer Holger Stanislawski flüchtete sich in Sarkasmus: "Ich finde es super, dass der Schiedsrichter ein Pläuschchen mit Jan Schlaudraff hält und ihn fragt, wie er es denn gerne hätte", sagte der 41-Jährige. Starke wurde etwas deutlicher. "Das war eine absolute Frechheit. Ich bin enttäuscht und verbittert. Ich frage mich, warum man da keinen Arsch in der Hose hat." So sehr die Episode Starke ärgert - sie ist vorbei.
Leverkusen sucht bereits neuen Torwart
Bei Bayer Leverkusen fangen die Probleme im Tor gerade erst an. Bei der 0:2-Pleite in Mainz brachte Trainer Robin Dutt am Sonntag Fabian Giefer für Zugang David Yelldell. Der hatte nach der peinlichen 3:4-Niederlage nach Verlängerung in der ersten Runde des DFB-Pokals in Dresden am vergangenen Wochenende seinen Platz räumen müssen. Der vom Zweitligisten MSV Duisburg als Vertreter für den verletzten Stammtorhüter René Adler verpflichtete US-Amerikaner zeigte vor allem bei hohen Bällen Schwächen und wirkte nervös.
Von Giefer, der bereits in der vergangenen Bundesliga-Saison zweimal für die Werkself aufgelaufen war (drei Gegentore), erhoffte sich Dutt mehr Sicherheit. Stattdessen unterlief dem 21-Jährigen ein folgenschwerer Fehler. In der 32. Minute missglückte Bayers Torwart ein Pass zu Mitspieler Michal Kadlec völlig, Sami Allagui bedankte sich mit dem 1:0 für Mainz. Noch in der Halbzeitpause gab Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser einem Fernsehsender ein bemerkenswertes Interview, in dem er offen über Bernd Leno vom VfB Stuttgart redete. Der 19-jährige Keeper hat beim Bundesliga-Konkurrenten einen Vertrag bis 2014, Bayer ist interessiert.
"Es ist doch völlig klar, dass wir uns über eine so wichtige Personalie wie die der Torhüterposition Gedanken machen", sagte Sportdirektor Rudi Völler. Das Anforderungsprofil an den neuen Torhüter ist klar umrissen. Er soll "stärker sein" als Giefer und Yelldell, aber "nicht in Konkurrenz zu Adler stehen", erklärte Holzhäuser. Das vorhandene Personal stärkt man durch solche Aussagen nicht.
Dass Bayer schon wieder nach einem (Interims-) Torwart sucht, zeigt, wie nervös die Verantwortlichen sind. Nach nur zwei Pflichtspielen ist der Fehlstart bereits perfekt, der Champions-League-Teilnehmer sucht unter Dutt noch die Ordnung, die das Team unter Vorgänger Jupp Heynckes auszeichnete. Schwere Torwartfehler können sich der neue Trainer und Bayer ab sofort nicht mehr leisten. Nach dem Heimspiel gegen Werder Bremen am zweiten Spieltag muss Leverkusen zum VfB Stuttgart. Dann kommt Meister Dortmund.
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