Abstiegskampf Noch kann Hamburg hoffen

Tabellenplatz 16, 1:4 im eigenen Stadion gegen den FC Bayern verloren - und trotzdem ist die Stimmung beim Hamburger SV ganz gut. Denn Braunschweig und Nürnberg verloren ebenfalls, die HSV-Fans glauben noch an den Klassenerhalt. Das Wichtigste zur Partie im Überblick.

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Die Ausgangslage: Beide Teams gingen belastet in die Partie. Die Münchner standen unter dem Eindruck des 0:4 gegen Real Madrid, nachdem die lange überragende Saison plötzlich gar nicht mehr so glanzvoll wirken will. Und in Hamburg scheint der drohende Abstieg oder zumindest die Relegation die Spieler schon seit Wochen zu lähmen. Die Bayern wollten also rechtzeitig vor dem Pokalfinale gegen Dortmund (17. Mai) ihre Sicherheit wiederfinden, die Hamburger Relegationsplatz 16 gegen Nürnberg und Braunschweig verteidigen.

Das Ergebnis: 1:4 (0:1)

Die wichtigeren Ergebnisse: 1. FC Nürnberg - Hannover 96 0:2 (0:1), Eintracht Braunschweig - FC Augsburg 0:1 (0:0).

Die Situation vor dem letzten Spieltag: Der Hamburger SV hat es weiterhin selbst in der Hand, die Klasse zu halten. Mit einem Sieg am kommenden Wochenende in Mainz wäre die Relegation gegen den Dritten der 2. Fußball-Bundesliga gesichert. Derzeit ist das der Absteiger SpVgg Greuther Fürth.

Das Schlussprogramm:

- Der Hamburger SV (16. Platz/49:72 Tore/27 Punkte) spielt am 34. und letzten Spieltag der Saison beim 1. FSV Mainz 05, die ihren Europapokalplatz sieben noch gegen Augsburg verteidigen müssen.

- Der 1. FC Nürnberg (17./36:66/26) tritt auf Schalke an, wo die "Königsblauen" eine Niederlage verhindern müssen, um die direkte Qualifikation für die Champions League sicher zu haben.

- Eintracht Braunschweig (18./33/28:57/25) tritt bei 1899 Hoffenheim an, für die es im Mittelfeld der Tabelle um nichts mehr geht.

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Drohkulisse des Spiels: Um den Hamburgern zusätzlich Druck zu machen, hatten Bayern-Fans einen Countdown in Plakatform mitgebracht. Mit diesem wurde die verbleibende Zeit des Gründungsmitglieds der Bundesliga angezeigt, endend am kommenden Wochenende. Auch im Internet wird der Zähler seit Tagen verbreitet.

Die erste Hälfte: Tja, was wäre gewesen, hätte Slomka einen echten Mittelstürmer gehabt? Gegen zaghafte Münchner kam Ilicevic dreimal zum Abschluss (7./11./43. Minute), verzog aber jeweils. Das war die schlechte Nachricht. Die gute: Der HSV setzte das um, was Slomka seinen Spielern aufgetragen hatte ("Wir wollen vorne draufgehen"). Die beste Chance für Hamburg hatte Rafael van der Vaart, doch Manuel Neuer lenkte einen Drehschuss des Niederländers über die Latte. Ansonsten sorgte der Nationaltorhüter mit einigen Querschlägern - ähnlich wie gegen Madrid - für Aufregung bei seinen Mitspielern. Eine starke Offensivaktion reichte dem Meister, um in Führung zu gehen. Mario Götze traf nach Doppelpass mit Arjen Robben zum 1:0 (32.).

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Der Schwachsinn der Partie: Es war der Stimmung im Stadion nicht unbedingt zuträglich, was sich in der Pause und bis kurz nach Wiederanpfiff in Block 22 abspielte. Polizei und HSV-Anhänger lieferten sich eine Schlägerei, Auslöser waren wohl polizeifeindliche Plakate. Der Rest der Zuschauer stand offensichtlich unter dem Eindruck dieser Vorfälle, statt das Team anzufeuern, herrschte zunächst betretenes Schweigen in der Arena.

Die zweite Hälfte: Ging mit einem offensiven HSV weiter. Doch wieder war es Götze, der dem Engagement einen heftigen Dämpfer verpasste. Nach einer Ecke von Arjen Robben konnte der 21-Jährige den Ball im Strafraum annehmen und schoss unbedrängt, Thomas Müller fälschte noch ab - 2:0. Das 3:0 gehörte dann wieder Götze allein: Diesmal hatte Müller per Kopf vorgelegt. Hakan Calhanoglu konnte zwar noch auf 1:3 verkürzen, aber der eingewechselte Claudio Pizarro traf per Fallrückzieher zum 4:1.

Das sagten die Trainer:

Mirko Slomka: "Wir haben eine sehr gute erste Halbzeit gespielt und hatten einige Chancen. Der Knackpunkt war dann das 0:2 kurz nach der Pause. Das ist frustrierend. Trotzdem können wir viele gute Dinge mitnehmen. Wir haben den unbändigen Willen, den Relegationsplatz zu erreichen. Die Konstellation hat sich nicht verändert. Für uns gilt, dass wir die Relegation weiterhin aus eigener Kraft erreichen können."
Pep Guardiola: "Nach der Champions-League-Niederlage war es heute nicht einfach. Der Sieg war gut für unseren Rhythmus in der Vorbereitung auf das Pokalfinale in Berlin in zwei Wochen gegen Borussia Dortmund. Ich wünsche Hamburg das Beste für die nächste Woche, dass sie die Relegation erreichen. Ein Verein mit dieser Geschichte gehört in die Bundesliga."

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Stenogramm des Spiels:

Hamburger SV - Bayern München 1:4 (0:1)
0:1 Götze (32.)
0:2 Thomas Müller (55.)
0:3 Götze (70.)
1:3 Calhanoglu (72.)
1:4 Pizarro (75.)
Hamburg: Adler - Diekmeier (60. John), Westermann (76. Tah), Mancienne, Jiracek - Tesche, Badelj - Rincon, van der Vaart (67. Demirbay), Calhanoglu - Ilicevic
München: Neuer - Lahm, Boateng, Dante, Alaba - Martínez, Schweinsteiger - Robben (73. Pizarro), Kroos (67. Hojbjerg), Götze - Müller
Schiedsrichter: Marco Fritz
Zuschauer: 57.000 (ausverkauft)
Rote Karte: Jerome Boateng nach einer Tätlichkeit (86.)
Gelbe Karten: Demirbay - Martínez (3)

Der Nicht-Pfiff des Spiels: Philipp Lahm hatte sich den Ball im HSV-Strafraum zum Flanken vorgelegt, doch Petr Jiracek hatte etwas dagegen. Der Tscheche grätschte dazwischen, verpasste das Spielgerät und erwischte dafür um so klarer den FCB-Kapitän. Doch Schiedsrichter Marco Fritz gab nur Eckball. Es schien, als habe er Mitleid mit den HSV-Fans und ihnen im vielleicht vorerst letzten Bundesliga-Heimspiel einen fünften Gegentreffer ersparen wollen.

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Das Kopf-an-Kopf-Duell des Spiels: Lieferten sich nicht die Mannschaften, sondern Kerem Demirbay und Jérôme Boateng. Beide kamen im Bayern-Strafraum in den Zweikampf, der Hamburger ging zu Boden, der Münchner ging in die Luft - Boateng schimpfte mit Demirbay, der aufstand und sich mit dem Nationalspieler ein sekundenlanges Schädeldrücken lieferte. Es wäre unentschieden ausgegangen, hätte Boateng nicht noch einen Wischer per Hand folgen lassen, für den er die Rote Karte sah. "Das kann man schon hirnlos nennen", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummennige und kündigte finanzielle Konsequenzen an. Es soll eine Geldstrafe im fünfstelligen Bereich verhängt werden. Demirbay kam mit Gelb davon.

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Der Mann des Spiels: Spielte woanders. Raul Bobadilla vom FC Augsburg traf in der vierten Minute der Nachspielzeit per Heber zum 1:0 Sieg in Braunschweig. Damit liegt die Eintracht mit 25 Punkten weiter auf dem letzten Tabellenplatz, davor steht Nürnberg (26 Punkte), dann kommen die Hamburger (27), weiter auf dem Relegationsplatz.



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insgesamt 65 Beiträge
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Seite 1
Levator 03.05.2014
1. Hamburg
Zitat von sysopGetty ImagesTabellenplatz 16, 1:4 im eigenen Stadion gegen den FC Bayern verloren - und trotzdem ist die Stimmung beim Hamburger SV ganz gut. Denn Braunschweig und Nürnberg verloren ebenfalls, die HSV-Fans glauben noch an den Klassenerhalt. Das Wichtigste zur Partie im Überblick. http://www.spiegel.de/sport/fussball/fussball-bundesliga-hamburger-sv-verliert-gegen-bayern-muenchen-a-967381.html
ist eine tolle Stadt und muss in der 1. Liga präsent sein. Durch den 1. FC St. Pauli. Das genügt völlig...
leser75 03.05.2014
2. Ja ja
Wieviele Male wurde der Abschied als perfekt postuliert-noch ist Platz 16 fix und das sollte am 10. Mai so bleiben, so dass dann zwei Relegationsspiele bleiben. Da wird sich zeigen, ob doch noch der Klassenerhalt geschafft wird.
mr.zynisch 03.05.2014
3. Bitte nicht schon wieder
dieses HSV- Bashing. Grauenhaft, wie man hier meint, einen Verein runterputzen zu können/müssen, ob das nun der HSV, BVB oder der FCB ist.....
HARK 03.05.2014
4. Wenn...
... der HSV nicht absteigt, dann planen die Clubbosse spätestens während der WM wieder für die Chanpions League. Das ist das eigentliche Problem des HSV. (Wer's nicht glaubt: Was sagte noch Slomka zum Dienstantritt zum Thema Mannschaft und ganz oben mitspielen?")
joe75 03.05.2014
5.
Zitat von leser75Wieviele Male wurde der Abschied als perfekt postuliert-noch ist Platz 16 fix und das sollte am 10. Mai so bleiben, so dass dann zwei Relegationsspiele bleiben. Da wird sich zeigen, ob doch noch der Klassenerhalt geschafft wird.
Ja nach der alten Regelung wäre der HSV jetzt Zweitklassig! Möglich das der HSV unverschämtes glück haben wird.
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