HSV-Pleite gegen Schlusslicht Köln Die letzten Stunden

Mannschaft ohne Idee, Fans mit schwindender Hoffnung: Der Hamburger SV hat mit der Heimniederlage gegen Köln einen neuen Tiefpunkt erreicht. Wer soll den Klub noch retten?

Markus Gisdol
Getty Images

Markus Gisdol

Aus dem Volksparkstadion berichtet Daniel Jovanov


Der Großteil der anwesenden Journalisten war sich einig: Diese Pressekonferenz wird Markus Gisdols letzte gewesen sein in seiner Funktion als Cheftrainer des Hamburger SV.

Nach der 0:2-Niederlage gegen den Tabellenletzten 1. FC Köln spricht vieles für einen Trainerwechsel, zum Beispiel die fehlende Rückendeckung von Sportchef Jens Todt. "Wir schlafen ein paar Stunden und treffen uns morgen früh wieder. Dann wird entschieden, wie es weitergeht", sagte der 48-Jährige nach dem Spiel. "Sie können davon ausgehen, dass ich auf alle Szenarien vorbereitet bin."

Mit der Verkündung einer Entscheidung wird im Laufe des Tages gerechnet. Bereits vor dem Bundesliga-Spiel machte das Gerücht die Runde, dass die Verantwortlichen im Falle einer Niederlage sich von Gisdol trennen werden. Doch es sind längst nicht alle der Meinung, dass der Cheftrainer die Hauptverantwortung für den schwachen Saisonverlauf mit 15 Punkten aus 19 Spielen trägt.

Ob es nicht die beste und vielleicht letzte Gelegenheit wäre, über die schwache Qualität des Kaders zu sprechen, wollte einer der Reporter wissen. Gisdols Grinsen verriet mehr als seine Antwort: "Ich arbeite gern mit der Mannschaft, die ich habe. Es hat in den letzten Spielen nicht viel gefehlt. Das können Sie interpretieren, wie Sie möchten." Richtig ist, dass der 48-Jährige intern mehrfach auf die Schwächen seines Kaders hingewiesen hat, in der Sommertransferperiode aber nicht alle Transferwünsche erfüllt bekam.

Zur Wahrheit gehört auch: Es ist ihm in dieser Spielzeit nicht gelungen, ein funktionierendes taktisches Konzept auf den Platz zu bringen. Weder Ansätze von ballbesitzorientiertem Fußball noch der Kick-and-Rush-Stil haben genügend Punkte gebracht. Diesem Team fällt es zudem schwer, Chancen zu kreieren. Und im Vergleich zur vergangenen Rückrunde fehlt die Effizienz, aus wenigen Gelegenheiten das Maximum herauszuholen. Bislang erzielte die Mannschaft erst 15 Tore. Selbst beim HSV scheint das Spielglück nach jahrelangem Abstiegskampf irgendwann aufgebraucht zu sein. Hier sehen Sie die SPIX-Bewertung (Mehr zur Ermittlung der Spielernoten erfahren Sie hier) aller im Köln-Spiel eingesetzten HSV-Profis:

Was man den Spielern jedoch in so gut wie keinem Spiel vorwerfen konnte, war fehlender Einsatz und Kampfgeist. Dem HSV mangelt es nicht an Mentalität, sondern an Qualität. Auch gegen die wiedererstarkten Kölner - drei Siege in Serie - war bis zum 0:1 durch Simon Terodde (27. Minute) nach einem Eckball zu erkennen, dass sich Gisdols Mannschaft wehrte. Allerdings fehlen ihr die Mittel, um mehr als nur Kampf zu liefern. Und wer wie Flügelstürmer Filip Kostic den Ball selbst aus fünf Metern nicht über die Linie bringt, sondern den Torwart abschießt, hat im Abstiegskampf schlechte Karten.

Fotostrecke

8  Bilder
Kölns Sieg im Kellerduell: Hurra, wir leben noch

Die Verantwortlichen müssen nun schnell handeln - möglicherweise schon ab Sonntag in der Trainerfrage. Diese könnte sich als schwierig gestalten, da aktuell lediglich eine kostengünstige Lösung realisierbar wäre. Es ist denkbar, dass U21-Trainer Christian Titz als Interimslösung ins Gespräch kommt. Die Namen von Felix Magath, Bernd Hollerbach (beide vereinslos) und Thomas Doll (aktuell bei Ferencvaros Budapest) werden genannt.

Auch das Ende der Wechselperiode am 31. Januar könnte spannend werden. Möglicherweise spielt dann wieder Geldgeber Klaus-Michael Kühne eine Rolle. Der Milliardär hat schon bei der Zusammenstellung des Kaders ein gewichtiges Wort mitgesprochen, auf Empfehlung des Spielerberaters Volker Struth die Vertragsverlängerung von Bobby Wood sowie die Verpflichtung von Andre Hahn durchgeboxt. Die Ironie dieser Geschichte: Ausgerechnet diese beiden Stürmer stehen sinnbildlich für die Harmlosigkeit der HSV-Offensive.

Erschwerend kommt hinzu, dass viele der sonst so optimistischen Anhänger den Glauben an die sportliche Wende verlieren. Lange vor dem Abpfiff verließen die Fans das nicht ausverkaufte Stadion, enttäuscht von der erneuten Niederlage. Zwar ließ der HSV in den vergangenen Jahren kaum eine Chance ungenutzt, um den sportlichen Absturz zu stoppen. Nachhaltig verändert haben die personellen Wechsel auf allen Ebenen aber nichts.

Ein Trainerwechsel allein wird bei den Fans kaum neue Hoffnung auf den Ligaverbleib wecken. "Wer soll es denn besser machen?", fragt ein HSV-Anhänger auf dem Heimweg. Damit bringt er den Zustand seines Klubs auf den Punkt.

Hamburger SV - 1. FC Köln 0:2 (0:1)
0:1 Terodde (27.)
0:2 Terodde (67.)
Hamburg: Pollersbeck - Diekmeier, Papadopoulos, Mavraj, Douglas Santos - Jung, Janjicic (66. Wood) - Hunt, Holtby (77. Ito), Kostic - Hahn
Köln: Horn - Sörensen, Jorge Meré, Heintz, Hector - Jojic (88. Pizarro), Höger, Özcan, Clemens (78. Klünter) - Osako (64. Lehmann), Terodde
Schiedsrichter: Winkmann
Gelbe Karten: Papadopoulos, Jung, Janjicic / Hector, Sörensen, Jorge Meré
Zuschauer: 52.000



insgesamt 21 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
dauernörgla 21.01.2018
1. Gar nichts los
Ich glaub VDV ist günstig zu haben und Heeeeeikoooooo Westermann auch, Lasogga noch zurueckholen ,allen noch mal richtig fette 4 Jahresverträge geben und dann schoen mal die Relegationsmeisterschaffsfeier auf m Hamburger Rathaus Balkon planen..! ...Labbadia wurde auch gestern im Stadion gesehen, verkleidet als Mirko Slomka
mr-mucki 21.01.2018
2. Das ist eine gute Frage
Wer soll es denn besser machen? der trainermarkt ist nicht grade voll mit guten Übungsleitern. es ist einfach die Qualität der Mannschaft die nicht ausreichend. Wobei die Frage nach dem warum dringend gestellt und beantwortet werden muss. von den Namen her ist der Kader gut besetzt, sollte im Prinzip um Platz 7-12 spielen.
fblars 21.01.2018
3. Die halbe Wahrheit
Der HSV-Fußball ist mit seinen weiteren Mannschaften, die von Bernhard Peters begleitet werden sehr erfolgreich, es scheint einen Bruch zwischen der ersten Mannschaft und dem Rest zu geben. Der Nachwuchs wurde nach dem System Peters ausgebildet und kann dieses dann anscheinend in der ersten Mannschaft nicht umsetzen. Es sollte ein Trainer her, der dieses System verinnerlicht hat und weiterhin umsetzt. Das Problem ist immer wieder, dass der HSV Trainer mit eigenen Ideen einkauft, die nicht zu den vorhandenen Strukturen passen. Es wird zu viel Energie auf die Umwandlung der Sportler zum gewünschten System verbraten anstatt ein bewährtes System fortzuführen und die Stärken zu verbessern.
cirus27 21.01.2018
4. die frage nach trainer und kaderplanung sollten sich andere machen...
...als die, die bereits krachend versagt haben, inkl. des herrn milliardärs aus der schweiz und des herrn managers, der sich sorgen um seine nichtabstiegsprämie macht - vermutlich muß er seinen porsche wieder abbestellen. der hsv steigt, mit oder ohne den 1. fc köln - ab, die planung darf getrost für die 2. liga gemacht werden - falls überhaupt eine lizenz erteilt wird!!! (da liegt es ja ebenfalls alles am boden !!!) neuanfang, aber ein wirklicher neuanfang, ohne die verschokoladierten illusionen und millionenspritzen von außen. der am ehesten geeignete trainer ist ein chinese - felix magath kennt ihn!! - und heßt WAT NU.
j.cotton 21.01.2018
5. Reif, überreif
Was mich bewegtr: was passiert eigentlich mit jener legendären Uhr, wird sie versteigert werden? Für einen guten Zweck? Oder für einen neuen Torjäger der Stufe 2? Dürfte ja dann `ne Menge Geld bringen!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.