Sieg im Abstiegsduell gegen Wolfsburg Hamburgs neues Traumpaar

Nur noch zwei Punkte Rückstand: Dank Christian Titz hat der HSV plötzlich wieder Chancen im Abstiegskampf. Der Trainer könnte am Ende genauso wie Lewis Holtby als großer Retter hervorgehen.

Lewis Holtby (links) und Trainer Christian Titz
AFP

Lewis Holtby (links) und Trainer Christian Titz

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Gesicht des Spiels: Bruno Labbadia marschierte unentwegt durch seine Trainerzone. Er schrie und klatschte, um seinen Wolfsburger Spielern Mut zu machen. Die Rolle des Antreibers kennt man von Labbadia, in Hamburg sogar besonders gut. 2015 hatte der Coach den HSV mit einer sensationellen Aufholjagd vor dem Abstieg gerettet. Heute, drei Jahre später, traf Labbadia mit Wolfsburg zum Abstiegskrimi auf den alten Verein. Nach dem Duell steht fest: Labbadias leidenschaftliches Coaching hilft Wolfsburg nicht, die wichtigen Spiele zu gewinnen.

Bruno Labbadia
DPA

Bruno Labbadia

Das Ergebnis: Der HSV hat bei seinem Ex-Trainer gewonnen und den VfL 3:1 (2:0) geschlagen - und ist dadurch auf zwei Punkte an Wolfsburg und den Relegationsplatz herangerückt. Bei noch zwei ausstehenden Spielen in der Bundesligasaison könnten die Hamburger sogar noch die direkte Rettung schaffen, für Wolfsburg wird die Lage immer dramatischer.

Erste Hälfe (bis zur 40. Minute): Abwarten und lauern, riskante Angriffe vermeiden, kämpfen - so läuft es häufig ab, wenn zwei Mannschaften im Abstiegskampf aufeinandertreffen, wenn der Existenzdruck besonders hoch ist. Dieser "Regel" zufolge hätte Wolfsburg gegen den HSV spielerisch eher destruktiv ablaufen müssen, doch die Partie war von Beginn an unterhaltsam. Beide Teams gingen früh ins Risiko und hatten Chancen.

Abwesender des Spiels: Gibt es etwas, was für einen HSV-Profi wichtiger ist als das Abstiegsduell in Wolfsburg? Die Antwort: Ja, gibt es. Jan-Fiete Arp fehlte beim Auswärtsspiel wegen seiner Vorbereitungen auf die anstehenden Abiturprüfungen. Seine Abwesenheit war auch mitverantwortlich dafür, dass ein anderer HSV-Stürmer in der Startelf stand.

Erste Hälfte (ab 41. Minute): Die Rede ist von Bobby Wood, der erstmals seit Februar von Beginn an spielte - und in der 41. Minute seinen großen Auftritt hatte: Nach Foul von Joshua Guilavogui an Tatsuya Ito gab es Elfmeter. Aaron Hunt stand für den Strafstoß schon bereit, doch Wood nahm dem Ex-Wolfsburger den Ball ab - und traf sicher zum 1:0. Es war das zweite Saisontor für den US-Amerikaner, der Ende der vergangenen Saison einen hochdotierten Vertrag beim HSV unterschrieben hatte. Wenige Minuten später jubelte Hamburg erneut, Lewis Holtby erhöhte (45.+1 Minute). Die Vorarbeit kam erneut vom starken Ito, auf den Titz seit Beginn seiner Amtszeit setzt.

Hamburgs Retter? Zu den ersten Maßnahmen von Christian Titz bei seiner Bundesligapremiere am 27. Spieltage gehörte die Rückholaktion von Holtby, den Titz vor einigen Jahren als Privatcoach betreut hatte. Was anfangs eher nach einem Freundschaftsdienst aussah, könnte sich am Ende als die entscheidende Maßnahme für Hamburgs Rettung erweisen. Für Holtby war es das vierte Tor unter Titz, der 27-Jährige erzielte zuvor bereits spielentscheide Treffer bei den Siegen gegen Freiburg (1:0), Schalke (3:2) und beim Remis in Stuttgart (1:1).

Zweite Hälfte: Wolfsburg machte das Spiel durch den glücklichen Freistoßtreffer von Josip Brekalo (78.) noch einmal spannend. Am Ende blieb es aber bei der VfL-Pleite, zumal der eingewechselte Luca Waldschmidt in der Nachspielzeit auf 3:1 erhöhte. Er staubte nach einem vergebenen Strafstoß von Filip Kostic ab.

Lewis Holtby
REUTERS

Lewis Holtby

Erkenntnis des Spiels: Für Wolfsburg könnte diese Saison noch richtig bitter enden, vielleicht sogar mit dem direkten Abstieg. In der kommenden Woche muss der VfL nach Leipzig. Am letzten Spieltag wartet der bereits feststehende Absteiger Köln. Das größere Problem als dieses Restprogramm ist womöglich der Fakt, dass Labbadia in neun Spielen mit dem VfL nur einen Sieg geholt hat. Falls Trainerwechsel tatsächlich einen zumindest kurzfristig positiven Effekt haben sollten - in Wolfsburg gab es diesen nicht.

Erkenntnis des Spiels II: Beim HSV und Christian Titz hat es diesen Effekt gegeben. Während Vorgänger Bernd Hollerbach in sieben Spielen auf nur drei Punkte kam, holte Titz im gleichen Zeitraum zehn Punkte. Die Belohnung: Der HSV hat zwei Spieltage vor Schluss tatsächlich noch die Chance, eine desolate Saison mit dem Sprung auf einen Nicht-Abstiegsplatz zu retten. Es wäre eine Rettung, die stark an die Aufholjagd mit Labbadia vor drei Jahren erinnern würde.

VfL Wolfsburg - Hamburger SV 1:3 (0:2)
0:1 Wood (43. Foulelfmeter)
0:2 Holtby (45.+1)
1:2 Brekalo (78.)
1:3 Waldschmidt (90.+3)
Wolfsburg: Casteels - Verhaegh (46. Brekalo), Knoche, Uduokhai, William - Guilavogui - Tisserand (12. Bazoer), Arnold - Blaszczykowski (75. Malli), Steffen - Origi
Hamburg: Pollersbeck - Sakai, Papadopoulos, Jung, Santos - Steinmann - Kostic, Holtby, Hunt (68. Ekdal), Ito (85. Jatta) - Wood (77. Waldschmidt)
Schiedsrichter: Daniel Siebert (Berlin)
Gelbe Karten: Verhaegh, Knoche, Brekalo / Pollersbeck, Papadopoulos
Zuschauer: 29.000



insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
Bueckstueck 28.04.2018
1. Och nee...
Muss das sein? Wir freuen uns doch schon seit Wochen auf die neue Saison ohne den kaputten Club aus Hamburg und jetzt hilft die direkte Konkurrenz auch noch dabei dass das Elend verlängert wird...
phrasenmaeher 28.04.2018
2. Es gibt scheinbar zwei Gesetzmäßigkeiten...
...in der Bundesliga: 1. Bayern wird Meister 2. Der HSV gewinnt die Relegation.
irobot 28.04.2018
3.
Zitat von phrasenmaeher...in der Bundesliga: 1. Bayern wird Meister 2. Der HSV gewinnt die Relegation.
Abwarten. Der HSV muss noch gegen Frankfurt und Gladbach ran. und die beiden streiten sie noch um dem 7. Platz, der zur Teilnahme an der Europa-League berechtigt, da Bayern das DFB-Pokal-Finale ja mit links gewinnen wird.
brian_hollweck 28.04.2018
4. Der Drang nach Europa...
ist stärker als der Wunsch zum Klassenerhalt. Frankfurt hat nur noch 1 Chance um was für Europa zu machen und die heißt Hamburg. Auf Schalke wird nix mehr gehen und auch nicht im Pokalfinale. Tja, da kommt es dann zu einer Niederlage für den HSV, er bleibt bei 28 Punkten stehen. Am letzten Spieltag kommt Gladbach, die. brauchen unbedingt einen Dreier für Platz 7. Punkteteilung. Der HSV steigt mit 29 Punkten ab :) Und nur für den Fall der Fälle: Wolfsburg gegen Absteiger Köln, Mainz gegen Hamburgs Erzrivalen Bremen.
Florentinio 28.04.2018
5. Frage
Was ist noch besser als eine Bundesligasaison ohne den HSV? Genau, eine ohne den VfL Wolfsburg
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