Mainz-Stürmer Klasnic: Eigenwerbung des Fahrradfahrers

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Er hat es nicht verlernt: Im Herbst ist Ivan Klasnic nach Mainz gewechselt - und war seitdem bestenfalls Einwechselspieler. Jetzt gelang dem Kroaten gegen Düsseldorf sein erstes Bundesligator seit fünf Jahren. Es könnte das Ende einer langen Leidenszeit bedeuten.

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05-Angreifer Klasnic: "Ich zweifele nie an mir"

Ein kleiner Schritt nach vorn, ein kurzes Nicken mit dem Kopf: Ivan Klasnics erstes Tor für Mainz war ein klassischer Abstauber, ein Treffer aus wenigen Zentimetern Entfernung, bei dem sich viele Zuschauer gedacht haben werden: "Den hätte ich auch noch gemacht."

Fortuna-Torhüter Fabian Giefer hatte Klasnic den Ball in der 41. Minute unfreiwillig zum 1:1-Ausgleich und Endstand vorgelegt. Der Kroate selbst sprach gegenüber SPIEGEL ONLINE zwar vom "schwersten Tor meines Lebens" - schob aber schnell nach: "Scherz beiseite."

Das Besondere am Treffer des 33-Jährigen war weniger die fußballerische Leistung, sondern der Beweis, dass es doch noch geht. Dass Ivan Klasnic noch Tore schießen kann in der Bundesliga, nach fünf langen Jahren. Damals, am 5. Mai 2008, hatte er letztmals für Bremen in der Bundesliga gespielt (2:0 gegen Energie Cottbus). Es folgten Stationen in England bei den Bolton Wanderers (20 Tore in 78 Spielen) und in Frankreich beim FC Nantes (10/33).

Vor genau sechs Monaten hatte Klasnic dann bei den 05ern unterschrieben, zu lediglich zwei Kurzeinsätzen war er seitdem gekommen. 20 Minuten Spielzeit, die nicht unbedingt dafür sprachen, dass er noch einmal mehr werden würde als nur ein Joker mit großer Vergangenheit.

Dass es Klasnic gegen Düsseldorf dennoch in die Startelf geschafft hatte, hatte er zum einen der Erschöpfung seines Stürmerkollegen Ádám Szalai zu verdanken und zum anderen dem Bauchgefühl seines Trainers Thomas Tuchel, der seine Entscheidung wie folgt begründete: "Ivan hat eine gewisse Schlitzohrigkeit und keine Angst vor solchen Situationen."

"Ich zweifle nie an mir"

Tatsächlich bewies der Stürmer mit seinem Stellungsspiel, dass er noch immer über einen ausgeprägten Instinkt für Torchancen verfügt. "Das ist wie Fahrradfahren, das verlernt man nicht", sagt Klasnic. Sein Glaube daran und an sich selbst schien zuletzt oftmals stärker als sein eigener Körper. Allein in seiner Zeit in Mainz haben ihn bislang eine Fischvergiftung, Fieber und eine Entzündung im Zehengelenk außer Gefecht gesetzt. Dennoch: "Ich zweifle nie an mir", sagte er SPIEGEL ONLINE, "schließlich habe ich schon so einige Sachen erlebt."

Gemeint sind damit aber weniger die Blessuren der vergangenen sechs Monate, sondern das Thema, das aus Klasnic so viel mehr macht als einen gewöhnlichen Bundesliga-Stürmer.

Klasnic litt an einer Niereninsuffizienz, seit Frühjahr 2007 lebt er mit einer Niere, die ihm sein Vater spendete, weltweit wohl einmalig für einen Fußballprofi. Ein erstes Spenderorgan der Mutter hatte sein Körper abgestoßen. Weil die Bremer Vereinsärzte laut Klasnic deutliche Anzeichen für die Krankheit übersehen hatten, zog er gegen seinen Arbeitgeber vor Gericht und verließ den Club. "Eine schreckliche Zeit", sagte Klasnic dem Sport-Informations-Dienst. Denn damals stand nicht nur seine Karriere auf dem Spiel, sondern sein Leben: Die Leistung beider Nieren sei auf unter zehn Prozent gefallen, schreibt er auf seiner Homepage. Die zweite Transplantation verlief dann erfolgreich.

Im Herbst 2007 konnte Klasnic wieder Fußball spielen, dass er seitdem immer wieder mit kleineren Verletzungen zu kämpfen hat, könnte noch immer mit der Spenderniere zusammenhängen. Als ihn im Herbst die Zehenverletzung überdurchschnittlich lange außer Gefecht setzte, sagte der Mainzer Teammanager Axel Schuster der "Rhein-Zeitung" unter Berufung auf den Internisten des Vereins: "Da Ivan der einzige Profi weltweit ist, der mit einer transplantierten Niere spielt, ist eine solche Verletzung anders zu beurteilen."

Der Verein will noch nicht verlängern

Nur eine komplett funktionierende Niere könne den geregelten Abtransport der geschädigten Zellen vom Entzündungsherd gewährleisten. Bei Klasnic würde es länger dauern bis eine Entzündung abklingt. Eine medizinische Methode, um den Prozess zu beschleunigen, gebe es demnach nicht. Laut Schuster könne man nur "geduldig abwarten".

Doch Geduld ist eine Tugend, die kaum einer seiner bisherigen Trainer mit Ivan Klasnic in Verbindung bringen würde. Ob beim FC St. Pauli, in Bremen oder jetzt in Mainz: Klasnic will spielen, am liebsten immer und von Anfang an. "Er ist am meisten genervt, weil er sich mehr einbringen möchte", sagt Tuchel über seinen Spieler: "Es tut mir leid für ihn, aber da hilft kein Lamentieren."

Gegen Düsseldorf musste Klasnic nach der ersten Halbzeit wieder vom Platz, "weil ein Muskel an der Oberschenkelrückseite zugemacht hat". Der nächste kleine Rückschlag, doch insgesamt sei er glücklich und schaue nach vorn, so Klasnic. Zuletzt sei er "topfit" gewesen und "gelaufen wie ein junger Spund."

Klasnic weiß, ein Tor ist gut, aber noch lange kein Grund für den Verein, den Jahresvertrag mit ihm zu verlängern. "Leistungsmäßig ist bei Ivan viel Luft nach oben", sagt Tuchel. Etwas Eigenwerbung kann da nicht schaden.

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