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Gladbach-Erfolg gegen den BVB: Unglaublich unterlegene Sieger

Aus Mönchengladbach berichtet

Bundesliga: Dortmund spielt, Gladbach trifft Fotos
DPA

Es ist ein kleines Fußball-Wunder, dass Mönchengladbach dem BVB die erste Saisonniederlage zufügt. Die Gäste waren drückend überlegen, vergaben aber reihenweise Chancen. Am Ende waren beide Trainer unglücklich - sie müssen länger auf ihre Abwehrchefs verzichten.

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Mönchengladbachs Trainer Lucien Favre sprach von einem Wunder, dass seine Mannschaft zur Pause ohne Gegentor geblieben war. So richtig konnte das Halbzeitergebnis von 0:0 im Heimspiel gegen Borussia Dortmund niemand erklären: 17:1 Torschüsse hatten die Gäste in den ersten 45 Minuten abgegeben. Kaum einer der rund 54.000 Zuschauer hätte mit Gewissheit sagen können, welcher Versuch der Gastgeber überhaupt in die Statistik eingegangen war.

Entschuldigen wollte sich auf Gladbacher Seite aber niemand für den schmeichelhaften 2:0 (0:0)-Sieg, der das Team auf Tabellenplatz vier spülte. "13 Punkte aus acht Spielen sind eine sehr, sehr gute Ausgangsposition", sagte Sportdirektor Max Eberl. Favre war da schon kritischer: "Wir haben die erste Halbzeit verschlafen", so der Schweizer: "Wir haben viel zu langsam agiert, viel zu langsam gedacht."

Mit dem Seitenwechsel ging dann alles einen Tick schneller bei den Gladbachern. Das Spiel war nicht mehr so einseitig, auch weil dem BVB zunehmend die Geduld ausging. "Wir bereiten uns gewissenhaft auf jeden Gegner vor. Aber diese Überlegenheit über einen langen Zeitraum schien in keiner unserer Analysen möglich", sagte BVB-Coach Jürgen Klopp. In der Pressekonferenz am Tag zuvor hatte er das Spiel noch "zum speziellsten der ganzen Saison" auserkoren. Als sich die Fragen der Journalisten aber nicht um den Gegner, sondern nur um Nationalelf-Scharmützel und Klopps Champions-League-Sperre drehten, stand der Trainer auf und warf in den Raum: "Zum Glück sind wir nicht so überheblich wie ihr."

Mit Dortmunder Überheblichkeit hatte es in der Tat wenig zu tun, dass das Spiel in der 80. Minute kippte. Gladbach spielte seinen zweiten gelungenen Angriff des Tages, an dessen Ende Mats Hummels den einschussbereiten Havard Nordtveit umgrätschte. Der Nationalspieler sah die Rote Karte. Max Kruse, der bei Gladbach für den verletzten Filip Daems zum Elfmeter antrat, verwandelte den Strafstoß sicher zum 1:0. Kurz darauf entschied Raffaels 2:0 die Partie.

Gladbachs Domínguez fällt wochenlang aus

Dass Mönchengladbachs Coach Favre mittlerweile einige Optionen parat hat, zeigte sich nicht nur am Elfmeterschützen. Eine bei den Gastgebern altbekannte Alternative ist Roel Brouwers, der in der 56. Minute für seinen verletzten Verteidigerkollegen Álvaro Domínguez gekommen war. Die Leistung des auf den ersten Blick ungelenken Niederländers Brouwers ist akustisch messbar: Je mehr der lauten "Roeeeel"-Rufe von der Tribüne im Borussia-Park schallen, desto häufiger hat Brouwers seine Beine dazwischen. Diesmal war die Resonanz groß.

Da Domínguez mit einer schweren Schulterverletzung wohl wochenlang ausfällt, wird Brouwers in den kommenden Spielen in die Startelf rücken. Der Abwehrspieler ist einer von erst 17 Spielern, die Favre in dieser Saison eingesetzt hat - der geringste Wert der Liga. In der Startelf standen gar nur 13 verschiedene Profis. Damit konnte Klopps These, Gladbach sei in der Breite besser besetzt als der BVB, nicht belegt werden.

Und eigentlich ist es ja auch Dortmund, das mehr Möglichkeiten in der Breite hat. Doch einige Verletzte sorgen derzeit dafür, dass auch Klopp nicht so komfortabel wechseln kann. So hatte er den 21 Jahre alten Jonas Hofmann, einen Offensivspieler, für den Sechser Sven Bender bringen müssen, der mit einer "Ganzkörperprellung" (Klopp) hatte ausgewechselt werden müssen. Vor dem Elfmeter war Hofmann etwas desorientiert zurückgelaufen und konnte dem Defensivverbund so nicht helfen.

Zudem wird jetzt auch noch Hummels wegen der zu erwartenden Sperre fehlen, womöglich zwei Spiele. "Das fühlt sich alles sehr bescheiden an", sagte Klopp nach der Partie und ging.

Borussia Mönchengladbach - Borussia Dortmund 2:0 (0:0)
1:0 Kruse (81., Foulelfmeter)
2:0 Raffael (86.)
Mönchengladbach: ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Domínguez (56. Brouwers), Wendt - Nordtveit (83. Kramer), Xhaka - Herrmann (77. Hrgota), Arango - Raffael, Kruse
Dortmund: Weidenfeller - Großkreutz, Subotic, Hummels, Durm - Sven Bender (72. Hofmann), Sahin (89. Günter) - Aubameyang, Mchitarjan (77. Blaszczykowski), Reus - Lewandowski
Schiedsrichter: Gräfe
Zuschauer: 54.010 (ausverkauft)
Rote Karte: Hummels wegen einer Notbremse (80.)
Gelbe Karten: Stranzl (3), Kramer (3) - Großkreutz, Lewandowski

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1. Herrliches Spiel...
mrdude 06.10.2013
man konnte so richtig fühlen und natürlich sehen wie sehr es den Dortmundern mit zunehmender Spieldauer auf den Senkel ging. Immer mehr Schüsse aus der zweiten Reihe, Rumgemeckere gegen Gegner, Schiri und vorallem den eigenen Mitspielern gegenüber. Fazit: Verdienter Sieg der Gladbacher - weil wenn eine Mannschaft gegen Dortmund kein Tor zuläßt und selbst zwei reguläre Tore schießt....dann kann man nur verdienter Sieger sein.;-)))
2. Ich..
trust2012 06.10.2013
..bin durch und durch schwarz-gelb, aber das Ding haben sie gestern verdient verloren. Wer soviel liegen lässt hat es nicht anders verdient.
3. Glück gehabt
mrmink 06.10.2013
Nach dem Pech mit den 2 unberechtigten Elfmetern gegen die Bayern war Fortuna diesmal auf der Seite von Gladbach. Glück gehabt, gut gekämpft und die wenigen Chancen genutzt, 2-0 gewonnen, alles gut
4. Katastrophale Leistung der Fohlen
rehabilitant 06.10.2013
Was die Fohlen in der ersten Halbzeit geboten haben, war eines Bundesligisten unwürdig. Selbst ein 5:0 für Dortmund wäre eine passendes Ergebnis gewesen. Das 2:0 täuscht über eine desolate Leistung der Gladbacher (Ter Stegen ausgenommen) hinweg und lässt nicht Gutes für die weiteren Spiele ahnen.
5.
taunusfohlen 06.10.2013
Zitat von rehabilitantWas die Fohlen in der ersten Halbzeit geboten haben, war eines Bundesligisten unwürdig. Selbst ein 5:0 für Dortmund wäre eine passendes Ergebnis gewesen. Das 2:0 täuscht über eine desolate Leistung der Gladbacher (Ter Stegen ausgenommen) hinweg und lässt nicht Gutes für die weiteren Spiele ahnen.
Im Großen und Ganzne gebe ich Ihnen sogar Recht. Aber der Torhüter ist nun mal der elfte Mann auf dem Platz (siehe Leno gg. Bayern) und wenn der ein paar sogenannter unhaltbaren hält ist es gut, das nächste Mal ist es eben anders. Auch das kennen wir zur Genüge. Zu behaupten, dass die Leistung der Gladis nicht bundesligatauglich war ist schon sehr an den Haaren herbeigezogen sonst hätten sie ja nicht gegen den Tabellenführer mit 2:0 gewonnen. War aber trotzdem keine gute Leistung meiner Jungs.
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