Mönchengladbachs Spielersuche: Neureich am Niederrhein

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Borussia Mönchengladbach hat ein großes Problem: Der Überraschungsclub der Saison sitzt auf Millionen, doch neue Stars kaufen bisher nur andere Vereine. Bei der Suche nach Ersatz für Marco Reus und Co. soll es Störungen zwischen Trainer Favre und Sportdirektor Eberl geben.

Gladbach und der Transfermarkt: Casten für die Königsklasse Fotos
dapd

Diese Fußball-Mannschaft ist hemmungslos. Hemmungslos offensiv, gerade deshalb hat sie ihren Reiz. In der Verteidigung die Brasilianer Marcelo, Felipe Santana und Felipe, davor Granit Xhaka, Claudemir, Semir Stilic und Raffael. Und in der Spitze Claudio Pizarro, Artjoms Rudnevs und Eren Derdiyok. Eine Elf zum Schwärmen. Doch so vielversprechend sich die Aufstellung auch liest, sie ist Fiktion.

Tatsächlich sind diese Fußballer bloß eine Ansammlung von Namen aus Clubs in ganz Europa, die eine Gemeinsamkeit haben: Sie alle werden oder wurden als Zugang von Borussia Mönchengladbach gehandelt.

Für die große Überraschung dieser Bundesliga-Saison ist das eine zweifelhafte Ehre. Der Tabellenvierte ist gewissermaßen neureich. Nach den millionenschweren Abgängen von Marco Reus (Borussia Dortmund) und Dante (Bayern München) läuft beim Europacup-Teilnehmer noch immer die Suche nach geeignetem Ersatz. Und wie immer bei einer Einkaufstour mit vollem Geldbeutel gibt es die Gerüchte gratis.

Doch zu mehr reicht es in Gladbach bisher nicht. Fakten schaffen andere. Am Mittwoch gab Liga-Konkurrent 1899 Hoffenheim unter anderem die Verpflichtung von Stürmer Derdiyok bekannt. Ein Name, den manch eine Zeitung auch in Gladbach ins Spiel gebracht hatte. Zustande kommt der Transfer nun definitiv nicht.

Spieler werden seit Wochen gesichtet

Anfang Mai, vor dem letzten Saisonspiel gegen Mainz 05 am Samstag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), steht der Verein noch immer ohne jede Neuverpflichtung da. Derzeit gibt es weder einen Ersatz für die Stammspieler Dante, Reus und Roman Neustädter, noch einen schlagkräftigen Kader für die kommende Saison, in der eventuell sogar Champions League gespielt wird. 17 Millionen Euro hat Gladbach durch den Reus-Deal kassiert, rund 5 Millionen Euro aus dem Dante-Verkauf. Das ist überall bekannt. Und überall dort, wo Max Eberl anfragt, steigt der Preis.

"Wir müssen Spieler finden, die einen Marco Reus, Dante und Roman Neustädter ersetzen sollen, nicht von den Namen her, nicht von der Rückennummer her, sondern von der Qualität", hat Gladbachs Sportdirektor gesagt. Und über die Qualität möglicher Neuverpflichtungen scheint es nach einem Medienbericht Meinungsverschiedenheiten mit Trainer Lucien Favre zu geben.

Der "kicker" schreibt von Kontakten, die Eberl zu Dortmunds Felipe Santana und Leverkusens Derdiyok geknüpft haben soll. Favre jedoch soll die Spieler abgelehnt haben. Seit Wochen sichtet der Schweizer im In- und Ausland potentielle Zugänge. Doch das Aussuchen neuer Spieler gehört nicht zu den Stärken Favres. Schon während seines Engagements bei Hertha BSC Berlin soll es deshalb zu Problemen mit dem damaligen Manager Dieter Hoeneß gekommen sein.

Hoeneß sagte einmal über Favre: "Der würde im Supermarkt verhungern, weil er sich nicht zwischen Wurst und Käse entscheiden könnte." Favres Konter: "Und Hoeneß würde immer nur Schokolade kaufen. Hauptsache schön verpackt und teuer."

Favre ist kein passionierter Einkäufer

In Gladbach zeichnete Favre aus, dass er aus dem bereits bestehenden Kader das Beste herausholte. Die Zugänge, die Favre und Eberl zu Beginn der Saison verpflichteten, sind allesamt bestenfalls Ergänzungsspieler geblieben. Trotzdem versucht Mönchengladbach seit Wochen, den bis 2013 laufenden Vertrag mit Favre zu verlängern.

Zwar unterhielten sich Club und Coach mehrfach, doch der Trainer beschloss zuletzt, erst in der Sommerpause über seine Verlängerung zu diskutieren. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE sind sich beide Seiten allerdings grundsätzlich über eine Vertragsverlängerung einig.

Bevor der Gladbacher Coach jedoch einen neuen Kontrakt unterschreibt, möchte er die endgültige Kaderplanung abwarten. Dass die Gladbacher wegen der erst im August anstehenden Qualifikationsspiele noch über Monate in der Ungewissheit leben, ob sie in der Champions League antreten können oder nicht, erschwert die Situation. Ein Mann wie der Schweizer Mittelfeldspieler Xhaka vom FC Basel will gerne wissen, in welches europäische Schaufenster er sich künftig stellen kann.

Für Luuk de Jong dürfte sich das Problem nicht stellen. Der niederländische Stürmer von Twente Enschede galt ebenfalls als Kandidat in Mönchengladbach. Doch der 21-Jährige wird wohl nicht kommen. Enschede fordert offenbar rund 15 Millionen Euro für den Torjäger. Zu viel, selbst für Mönchengladbach.

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insgesamt 12 Beiträge
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1.
spon-facebook-1411612075 04.05.2012
"Nach einem Medienbericht", daraus bastelt man eine komplette Nachrichtenmeldung? Nicht ohne Grund ist vor allem auch in wissenschaftlichen Publikationen die Arbeit mit Sekundärliteratur verpöhnt. Ich hoffe doch sehr, dass man hier nicht einfach nur den Kicker aufgeschlagen und sich "hat inspirieren lassen". Journalistische Arbeit ist das nicht!
2. Noch nie
lemmy01 04.05.2012
Seit wann kauft denn Gladbach Stars? Das haben dir doch noch nie getan. In Gladbach wurden immer nur Stars gemacht. Und auf soviel Kohle sitzen die nun auch nicht. Für einen wirklichen "Star" würde das vermutlich gerade einmal für die erste Anzahlung reichen.
3. Es nervt!
arti67 04.05.2012
Was mir die gesamt Saison schon mächtig auf den Sack geht, ist wie die einschlägige Presse -offenbar weil es sonst nix Berichtenswertes gibt- ständig Zwist und Streit nach Gladbach zu tragen versucht. Von den kolportierten Namen (z. B. Derdiyok) sind die wenigsten bis gar keine von Gladbach ins Spiel gebracht worden. Das war die einschlägige Presse, die dann gleich wieder mehrfach was zu schreiben hat: Kommt er? Kommt er nicht? Warum kommt er denn nicht? War er zu teuer? Gibt´s etwa Streit zwischen Eberl und Favre? Ich weiß nicht, was daran verwerflich ist, wenn man neue Spieler mit Bedacht kauft. Hätte Gladbach jetzt schon drei bis vier Spieler für 22 Millionen verpflichtet, hiesse es garantiert: "Eberl schmeißt das Geld zum Fenster raus!" "Das kann ja nix geben!" "Kaufhaus des Westens" usw. Mir gefällt, dass Eberl eine ruhige Hand bewahrt. Das ist für die einschlägige Journaille leider wenig spektakulär, aber für mich sehr seriös.
4. Hetze vom Spiegel... Nichts Neues!
michung 04.05.2012
Tja, das war ja nicht anders zu erwarten! Lestes Jahr hat ein Redakteur des Spiegel den Verein vom Niederrhein schon etliche Spieltag vor Ablauf der Saison totgesagt und zum Ende dieser Saison musste natürlich auch wieder etwas entsprechendes kommen... Herr Eberl hat vor kurzem in einem Interview gesagt, dass man an einigen Spielern dran ist und bereits gut eingekauft hat, man aber mit der Nennung der Namen warten will, bis die Ligen zu Ende sind. Das nenne ich vorbildliches und sportlich faires Verhalten auch abseits des Spielfeldes! Da könnte sich der Spiegel mal eine Scheibe von abschneiden und nicht, wie die ganzen Boulevard-Blätter, mit überzogen reißerischen Inhalten und Überschriften versuchen die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
5.
pompelmo 04.05.2012
Zitat von sysopdapdBorussia Mönchengladbach hat ein großes Problem: Der Überraschungsclub der Saison sitzt auf Millionen, doch neue Stars kaufen bisher nur andere Vereine. Bei der Suche nach Ersatz für Marco Reus und Co. soll es Störungen zwischen Trainer Favre und Sportdirektor Eberl geben. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,831133,00.html
Die machen das doch genau richtig in Gladbach: statt, wie Hoffenheim, die Reste der anderen Clubs aufzusammeln, sehen sie sich potentielle Kandidaten genau an und schauen dann mal, was geht. Zeit genug haben sie ja noch, zumal im Sommer die EM ist, bei der man noch den einen oder anderen Spieler entdecken könnte, den bisher keiner auf der Rechnung hatte.
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