Hamburg - Wer das Spiel nicht gesehen hatte, der musste beim Schlusspfiff annehmen, Raphael Schäfer hätte drei Elfmeter gehalten oder mindestens ein paar Glanzparaden gezeigt. Die Profis des 1. FC Nürnberg stürmten nach dem 2:1 (1:1)-Sieg im Derby beim FC Augsburg geschlossen auf ihren Torhüter zu - dabei hatte der sich seinen Platz "in jedem Jahresrückblick", wie er sagte, mit einer Slapstick-Nummer beim 1:1 verdient.
Doch das Team kämpfte für den Kapitän, machte mit dem zweiten Rückrundensieg einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt - und demonstrierte anschließend seine Geschlossenheit. "Da hat man genau gesehen, wie gut es in der Mannschaft stimmt", sagte Schäfer über die Reaktion seiner Kollegen auf seinen Patzer.
Nürnberg lag nach dem Tor von Hiroshi Kiyotake (21. Minute) vorne, als sich der Torwart einen harmlosen Kopfball von Tobias Werner selbst durch die Beine und ins Tor boxte (36.). "Ich war entsetzt", sagte Trainer Michael Wiesinger über die Szene. "Aber", fügte er an, "Raphael war derjenige, der die Mannschaft in den letzten Wochen gepusht hat. Er ist vorne weggegangen, ein Führungsspieler halt."
Schäfer entschuldigte sich in der Halbzeit und forderte seine Kollegen auf, "dass sie mir den Hintern retten und ein Tor machen sollen". Alexander Esswein, zuletzt nicht gerade vom Glück verfolgt, erfüllte ihm den Wunsch und verwandelte einen Freistoß aus 17 Metern zum Sieg (54.).
"Ade sagt man erst, wenn man 40 Punkte hat"
"Als es mir schlecht ging, hat die Mannschaft gesagt: 'Wir glauben an dich'", sagte Esswein anschließend. Auch deshalb habe er versucht, "Raphael nach dem Missgeschick etwas zurückzugeben". Der Zusammenhalt trug den Club, der nur wenige gefährliche Schüsse aufs Tor abgab, zum Erfolg und half, dass am Ende auch Schäfer wieder schmunzeln konnte. "Jetzt haben wir alle was zu lachen", sagte er nach seinem "ersten Bundesliga-Tor".
Nach dem sechsten Spiel in Folge ohne Niederlage hat der "Club" nun zehn Punkte Vorsprung auf Relegationsplatz 16, den Augsburg belegt. "Nürnberg ist weg", sagte FCA-Manager Stefan Reuter. Die Franken widersprachen nur halbherzig. "Ade sagt man erst, wenn man die berüchtigten 40 Punkte hat", sagte Schäfer, "aber wenn wir so zusammen weiterarbeiten, werden wir die schnell holen."
Dann würde das Trainer-Duo Michael Wiesinger/Armin Reutershahn, dessen Vertrag nur bis Ende der Saison läuft, weiter für eine langfristige Anstellung werben. Erste positive Signale sendete Manager Martin Bader in Augsburg: "Wir denken übers Saisonende hinaus, diese Option ist klar besprochen."
FC Augsburg - 1. FC Nürnberg 1:2 (1:1)
0:1 Kiyotake (21.)
1:1 Schäfer (36., Eigentor)
1:2 Esswein (54.)
Augsburg: Amsif - Vogt, Callsen-Bracker, Klavan, Ostrzolek - Ottl (71. Moravek) - Koo - Hahn, Ji (82. Bance), Werner (63. Oehrl) - Mölders
Nürnberg: Raphael Schäfer - Balitsch (75. Dabanli), Nilsson, Klose, Plattenhardt (46. Pinola) - Simons - Chandler, Kiyotake (85. Ildiz), Feulner, Esswein - Pekhart
Schiedsrichter: Günter Perl
Zuschauer: 30.660 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Vogt (7), Callsen-Bracker (3), Koo (3), Bance (3) - Plattenhardt (2), Feulner
mib/sid
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