Von Christian Paul
Hamburg - Zwei Gelb-Rote Karten für Berlin, Diskussionen um einen möglichen Elfmeter für die Gäste und ein Siegtreffer in der Nachspielzeit: Werder Bremens 2:1 (1:1) gegen Aufsteiger Hertha bot den 41.000 Zuschauern reichlich Diskussionsstoff. Durch den knappen Erfolg am siebten Spieltag eroberte sich das Team von Trainer Thomas Schaaf in der Tabelle den zweiten Platz von Borussia Mönchengladbach zurück. Adrian Ramos (3. Minute) brachte Berlin in Führung, Claudio Pizarro glich für die Gastgeber aus (23.) und traf in der Nachspielzeit zum 2:1 (90.+3).
Der Jubel der Heimfans war umso größer, weil das Spiel für sie denkbar schlecht begonnen hatte. Im Weserstadion hatten sich viele Zuschauer gerade erst hingesetzt, da lag ihr Team bereits zurück. Herthas Raffael setzte sich auf der rechten Seite durch und flankte in die Mitte. Dort durfte Ramos den Ball unbedrängt annehmen, spielte noch einen Gegenspieler aus und überwand Sebastian Mielitz im Tor der Gastgeber mit einem Schuss ins rechte untere Eck.
Werder, zuletzt viermal ohne Niederlage, war feldüberlegen, doch es fehlten in der Anfangsphase Ideen und Präzision. Der Aufsteiger hatte vor allem in der ersten Viertelstunde wenig Mühe, die behäbigen Angriffsaktionen der Gastgeber zu kontrollieren. Selbst nach frühem Ballgewinnen reichte das Tempo im Bremer Spiel nicht aus, um das Mittelfeld rasch zu überbrücken. Auf der anderen Seite reichten den Berlinern oft schon Unterzahlsituationen, um gefährlich zu werden. Der wendige Raffael bereitete den Bremern besonders viele Probleme. Der Brasilianer scheiterte nach Zuspiel von Ramos an Mielitz (16.), der für den gesperrten Tim Wiese spielte.
Hertha musste sich nach der ersten Halbzeit vorwerfen lassen, die Schwächen in der gegnerischen Defensive nicht konsequent genutzt zu haben. In der 31. Mintue war es eine schwache Flanke von Christian Lell, die den aussichtsreich postierten Ramos nicht erreichte. Sechs Minuten später war Mielitz im Bremer Tor bereits geschlagen, aber Abwehrspieler Andreas Wolf klärte in höchster Not. Auf der Gegenseite hatte die Hertha Glück, als ein Schuss von Aaron Hunt Glück nur an den Pfosten prallte (34.). Marko Arnautovic verfehlte das Tor aus etwa 18 Metern deutlich.
Torschütze Ramos muss mit Gelb-Rot vom Platz
Die zweite Hälfte begann für die Hertha mit einem frühen Schock. Außenverteidiger Lell sah in der 57. Minute nach einem Foul an Wolf die Gelb-Rote Karte. Doch auch zu Zehnt besaß Berlin hochkarätige Chancen. Der eingewechselte Christoph Janker zögerte mit seinem Schuss zu lange (62.). Anstatt 2:1 zu führen, verlor Berlin einen weiteren Spieler. Der bereits verwarnte Ramos foulte Philipp Bargfrede, Schiedsrichter Felix Brych zog erneut die Gelb-Rote Karte (63.).
Auch in Überzahl schaffte es Werder nicht, zwingend zu werden. Stattdessen hatte Bremen Glück, das Schiedsrichter Brych in der 65. Minute nicht auf Elfmeter für die Gäste entschied. Raffael war im Strafraum nach einem Zweikampf mit Lukas Schmitz zu Fall gekommen. Schaaf stärkte anschließend die Offensive, brachte Markus Rosenberg, doch auch mit dem Schweden erspielte sich seine Mannschaft nicht mehr Chancen.
Und in der Defensive hatte Werder sogar Glück. Einen der nun seltenen Konter der Gäste spielte Levan Kobiashvili zu Ende, ging bis zur Grundlinie durch und passte in die Mitte. Der Ball landete bei Raffael, dessen Schuss Bargfrede gerade noch zur Ecke abwehren konnte. In einer hektischen Schlussphase musste Schaaf sogar noch auf die Tribüne. Der Coach hatte nach einem nicht anerkannten Treffer von Pizarro (81.) lautstark protestiert. "Auf der Tribüne habe ich einige Szenen besser gesehen als von unten. Mit zwei Mann in Überzahl haben wir uns das Leben unnötig schwer gemacht", sagte Schaaf. Die letzte Chance in der regulären Spielzeit vergab der eingewechselte Abwehrspieler Naldo nach einem Freistoß. Kraft hielt seinen Gewaltschuss im Nachfassen.
Brych ließ vier Minuten nachspielen. Genug Zeit für Pizarro. Der Peruaner stieg nach einer letzten Ecke am höchsten, erwischte die Kopfballverlängerung von Rosenberg und überwand Kraft zum späten und glücklichen Siegtreffer (90.+3). "Das sieht von außen leichter aus, als es ist, gegen neun zu spielen. Wir müssen uns bei Claudio bedanken", sagte Arnautovic nach dem Last-Minute-Sieg. "Wie wir gespielt haben, das verdient ein Lob an die Mannschaft", sagte Herthas Andre Mijatovic.
Werder Bremen - Hertha BSC 2:1 (1:1)
0:1 Ramos (3.)
1:1 Pizarro (23.)
2:1 Pizarro (90.+3)
Bremen: Mielitz - Ignjovski, Prödl, A. Wolf, L. Schmitz (71. Rosenberg) - Bargfrede (82. Naldo) - Fritz, Hunt - Ekici (59. M. Marin) - M. Arnautovic, C. Pizarro
Hertha BSC: Kraft - Lell, Hubnik, Mijatovic, Kobiaschwili - Ottl, Niemeyer - Ebert (59. Janker), Raffael, Torun (46. Ä. Ben-Hatira / 66. Lustenberger) - Ramos Schiedsrichter: Felix Brych
Zuschauer: 40.760
Gelbe Karten: Fritz, C. Pizarro - Kraft, Mijatovic, Kobiaschwili, Janker
Gelb-Rot: - Lell (57./wiederholtes Foulspiel), Ramos (63./wiederholtes Foulspiel)
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