Drei Thesen zum Bundesliga-Spitzenspiel BVB-Keeper Bürki gewinnt Meisterschaften

Acht Mal traf Timo Werner auf den BVB, nie erzielte er ein Tor - der RB-Stürmer braucht weiter Zeit. Anders als Roman Bürki, der ein Klasse-Keeper ist - und die Defensive das wahre Prunkstück der Dortmunder.

Roman Bürki
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Roman Bürki

Von Tobias Escher


1. Timo Werner ist (noch) kein Stürmer von internationalem Format

RB Leipzigs Trainer Ralf Rangnick hatte vor der 0:1-Niederlage gegen Borussia Dortmund einen besonderen Plan ausgeheckt. Timo Werner kam nicht etwa im Sturmzentrum zum Einsatz, sondern postierte sich auf dem linken Flügel. Mit seinem Tempo sollte er hinter die Dortmunder Abwehr gelangen, sobald deren Außenverteidiger aufgerückt waren.

In der Theorie war dies ein guter Plan. In der Praxis scheiterte er jedoch. Es zeigten sich in dieser Partie die Schwächen von Werner: Sein erster Ballkontakt ist häufig unsauber, seine hohen Hereingaben kaum zu verwerten. So verpuffte seine Wirkung auf Linksaußen. Auch als er im zweiten Durchgang immer häufiger im Zentrum auftauchte, blieb er glücklos. Zum achten Mal in seiner Karriere traf Werner auf den BVB, zum achten Mal blieb er ohne Torerfolg. Gegen Bayern München blieb er in sechs von acht Partien torlos. Gegen Spitzenteams trifft er nicht.

Aktuell feilscht Werner in Leipzig um einen neuen Vertrag. Manch einer munkelt, er liebäugele mit einem Wechsel zu einem Spitzenklub. Für einen Verein mit internationalen Ambitionen muss Werner sich jedoch steigern. Seine Entscheidungsfindung und seine Technik in engen Situationen sind nicht auf dem Niveau, das Liverpool, Bayern oder auch Dortmund verlangen.

2. Die Dortmunder Defensive gewinnt die Meisterschaft

Die Defensive gewinnt Meisterschaften - ein Klischee, für dessen Verwendung man beim TV-Stammtisch "Doppelpass" fünf Euro ins Phrasenschwein werfen müsste. Doch die Statistik ist unerbittlich: In den 54 Spielzeiten der Bundesliga errang 34-mal jenes Team den Meistertitel, das die wenigsten Tore kassierte. Das Team, das die meisten Tore schoss, holte nur in 27 Spielzeiten die Meistertrophäe.

Alle schwärmen von Dortmunds Offensive. Doch der Defensivpapst Lucien Favre hat auch die Defensive der Dortmunder weiterentwickelt. Seine Mannschaft verteidigt eng, verschiebt kompakt, lässt dem Gegner kaum Räume. Axel Witsel und Thomas Delaney dominieren das Zentrum. Auch die Außenstürmer arbeiten gewissenhaft nach hinten mit, selbst Dribbelkünstler Jadon Sancho eroberte gegen Leipzig sechs Bälle.

Dennoch ließ der BVB am Samstagabend ungewöhnlich viele Torchancen zu. Allerdings waren daran vornehmlich Abspielfehler im Spielaufbau schuld - Fehler, die Dortmund vermeidet, wenn der Gegner weniger Druck macht als die pressingstarken Leipziger. Aus dem Spiel öffnete der BVB nur selten Räume.

Nach 18 Spieltagen kassierte der BVB 18 Gegentore. Das ergibt zusammen mit Leipzig und Borussia Mönchengladbach den besten Defensivwert der Liga - und ist ein gewichtiger Indikator, dass Dortmund tatsächlich die Meisterschaft gewinnt. So wie die 34 defensivstarken Teams vor ihnen.

3. Roman Bürki ist der Garant für Dortmunds starke Defensive

Vergangene Saison beförderte Borussia Dortmund Matthias Kleinsteiber zum Torwarttrainer der ersten Mannschaft. Ein Jahr später kaufte der Verein Marwin Hitz als zweiten Keeper, der Stammtorhüter Roman Bürki Druck machen soll.

In der verschlossenen Welt des Profifußballs ist es kaum möglich, ernsthaft zu bewerten, wie diese zwei Ereignisse mit der Leistungssteigerung von BVB-Torhüter Roman Bürki zusammenhängen. Zu wenig ist bekannt aus dem Trainingsalltag der Bundesligisten. Wer sich in Dortmund umhört, bekommt jedoch häufig dieselben Antworten: Kleinsteiber sei einer der modernsten Torwarttrainer der Bundesliga. Hitz wiederum sei ein Trainingsfanatiker, der zwar selten spiele, aber dafür sorge, dass Bürki in jeder Trainingseinheit alles geben müsse, um nicht abzufallen.

Beste Torhüter des 18. Spieltags

Unstrittig ist: Bürki erlebt die beste Saison seiner Karriere. Wenn die stabile Defensive der Dortmunder wackelt, glänzt Bürki. Die SPIX-Statistik weist für ihn in dieser Saison 16 Paraden der schwersten Kategorie sowie 22 Paraden der zweithöchsten Kategorie aus. Für jedes Gegentor hält er also im Schnitt 2,4 schwere Schüsse. Nur Gladbachs Yann Sommer (3,1) sowie Peter Gulacsi (2,5) weisen in der Liga bessere Werte auf.

Gegen Leipzig rettete der Schweizer mit drei Topparaden seinem Team den Sieg - wieder einmal. Wenn die Defensive tatsächlich Meisterschaften gewinnt, ist Bürki Dortmunds wichtigster Spieler dieser Saison.



insgesamt 40 Beiträge
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Seite 1
CancunMM 20.01.2019
1.
wollen wir bei Bürki mal nicht übertreiben. Er hält diese Saison das wofür er geholt wurde. Eben mal auch einen schwierigen Ball zu halten. Gestern hatte er auch Glück, das kein Elfmeter gegen ihn gepfiffen wurde.
pjotrmorgen 20.01.2019
2. Vergraulte Foristen
Da hat sich Herr Escher aber so verstiegen, dass nicht einmal die BVB-Fans kommentieren wollen. Er meint tatsächlich, für den BVB schon 16 Spieltage vor Ablauf der Saison eine Gesamtbilanz ziehen zu können. Mit der besten Defensive hat der der BVB schon die Meisterschaft im Sack. "Die Statistik ist unerbittlich: ... errang 34-mal jenes Team den Meistertitel, das die wenigsten Tore kassierte ... das die meisten Tore schoss, holte nur in 27 Spielzeiten ..." Ja es wurde erwähnt, dass auch Leipzig und BMG nur 18 Tore zuliessen. Die Wackelabwehr des FC Bayern mit Fliegenfänger Neuer und den langsamen Greisenverteidigern Hummels, Boateng und Martinez hatte einfach viel zu viele Tore zugelassen, nämlich UNFASSBARE 19! Ja 19, diesen gewaltigen Abstand von einem Tor wird der FCB auch in 16 Spielen niemals wettmachen können. Deshalb wird die unerbittliche Statistik den BVB zum Meister machen. Ein Schönheitsfehler ist dabei: der BVB hat bislang die meisten Tore geschossen. Dadurch schmälert die unerbittliche Statistik die Chancen des BVB auf den Meistertitel ja erheblich ...
bernharddietz 20.01.2019
3. Bürki
spielt in absoluter Ausnahmeform, sehr gut erkannt von SPON. Interessant wäre noch gewesen, die neue Rolle von J. Weigl als IV zu analysieren, keine 1,95 m Kante, kein Sprinter auf den ersten 20 Metern, keine wandelnde Blutgrätsche, trotzdem kommt keiner vorbei. Vielleicht gewinnt gerade diese innovative Variante des IV die Meisterschaft!
jkoller 20.01.2019
4. Ist nicht übertrieben
Bürki spielt einfach sehr stark, bereits die gesamte Saison.
gammoncrack 20.01.2019
5. Jetzt bin ich aber platt!
Zitat von CancunMMwollen wir bei Bürki mal nicht übertreiben. Er hält diese Saison das wofür er geholt wurde. Eben mal auch einen schwierigen Ball zu halten. Gestern hatte er auch Glück, das kein Elfmeter gegen ihn gepfiffen wurde.
Gerade bei Sport 1 wurden dazu ein paar Zeitlupen gezeigt. Fazit des Kommentators und wohl eines jeden, der das gesehen hat: Natürlich nie und nimmer ein Elfmeter. Aber wenn man nur sehen will, was einem gerade passt, dann kommt zu einem solchen seltsamen Kommentar.
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