Schalke-Stürmer Burgstaller Einer mit Kraft - und manchmal mit Kunst

Es gibt elegantere Kicker als Guido Burgstaller. Gegen Leverkusen zeigte der Stürmer aber, dass er auch ein starker Techniker sein kann. Das erinnert an Bayerns Torjäger Thomas Müller.

Guido Burgstaller (l.)
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Guido Burgstaller (l.)

Aus Leverkusen berichtet


Schalkes Guido Burgstaller reagierte ein bisschen pikiert, als ihm nach diesem sehr gelungenen Nachmittag direkt vorgehalten wurde, er gehöre technisch ja nicht gerade zu den Hochbegabten unter den Fußballern der Bundesliga. "Ja, wenn das so ist, keine Ahnung", antwortete er am Ende eines Fußballspiels, zu dem er ein technisch überragend gutes Tor beigetragen hatte. Der Österreicher dachte kurz nach, schien sich dieses sehenswerte 0:1 für seine Schalker aus er elften Minute in Leverkusen noch einmal vergegenwärtigen zu müssen, bevor er dann recht entschlossen sagte. "Dass ich ein kompletter Holzfußballer bin, würde ich jetzt nicht unterschreiben."

Von den 30.000 Zuschauer, die den Schalker 2:0-Sieg bei Bayer gesehen hatten, käme wohl auch keiner auf die Idee, Burgstaller nach diesem Auftritt als hölzern zu beschreiben. Es war eine lange Bewegung aus Ballannahme, kluger Körperdrehung, einem Lupfer, einer Selbstvorlage und einem präzisen Abschluss, mit der der Stürmer Schalke beglückt hatte. "Supersuperschönes Tor", schwärmte Trainer Domenico Tedesco, der allen, die in diesem Moment an Glück oder Zufall dachten, widersprach: "Der Burgi macht so was auch im Training."

Wer ein bisschen genauer hinsieht, findet tatsächlich immer wieder diese sehr kleinen Kunststücke des 28-Jährigen: geschickte Drehungen, kleine Pässchen, Vorahnungen zum Verhalten der Verteidiger, Aktionen mit der Hacke. "Meiner Meinung nach ist er technisch sehr gut", sagte auch Daniel Caligiuri, der das Tor mit einem wunderschönen Diagonalpass eingeleitet hatte.

Den Siegtreffer im Pokalviertelfinale gegen Wolfsburg Anfang Februar hatte Burgstaller übrigens auch auf sehr unkonventionelle Art geschossen, per Beinschuss beim Gegenspieler, dem ein interessantes Hüftkreisen zur Täuschung vorausgegangen war. Burgstaller ist kein leichtfüßiger Tänzer, kein Sprinter der in rasendem Tempo Abwehrreihen auftrennt, aber ein Techniker ist er sehr wohl. So wie auch Bayern Münchens Thomas Müller auf seine ganz besondere Art ein Techniker ist: irgendwie speziell und eigensinnig, aber doch motorisch komplex und effizient.

"Wenn wir da vorne sind, ist das sehr unangenehm für die Gegner"

In den Augen des Trainers geht der Begriff Technik ohne weit über die Ballbehandlung hinaus. Tedesco redet gerne über Details, die "Zweikampftechnik beim Anlaufen des Gegners" zum Beispiel - eine Spezialdisziplin, die Burgstaller ganz hervorragend beherrscht. Gemeinsam mit Breel Embolo und Franco Di Santo zermürbte er auch in Leverkusen gegnerische Aufbauspieler, und wenn es gut läuft, dann führt der dreißigste oder der fünfzigste dieser meist brotlosen Sprints auf den Abwehrspieler zu einem Fehler beim Gegner. "Wir drei sind solche Spielertypen, wenn wir da vorne sind, ist das sehr unangenehm für die Gegner", sagte Burgstaller in Leverkusen.

In gewisser Weise repräsentiert Burgstaller mit all seinen Besonderheiten das Wesen dieser Schalker Mannschaft besser als die meisten seiner Kollegen. Wie diesem praktisch während seiner gesamten Karriere unterschätzten Fußballer mangelt es auch dem FC Schalke an künstlerischer Lässigkeit. Zwar erinnert Domenico Tedescos eher intellektuelle Herangehensweise an Schöngeister wie Pep Guardiola oder Thomas Tuchel. Der Fußball, den er spielen lässt, folgt hingegen den Grundwerten des selbst ernannten "Kumpel- und Malocherklubs".

Trainer Domenico Tedesco mit Thilo Kehrer
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Trainer Domenico Tedesco mit Thilo Kehrer

Seine Mannschaft habe "über zweite Bälle und die Zurückeroberung von verlorenen Bällen für Torgefahr gesorgt", sagte Tedesco, und das gehört zum Grundkonzept. Ein kultivierter Spielaufbau aus der eigenen Hälfte ist ihm nicht so wichtig. Darüber hinaus erfreuten den Trainer "die wenigen Ballverluste in Zonen, wo es weh tut", genau in diesen Zonen wo gekämpft, geschoben und geackert wird, provozierten sie ein fieses Foul des bereits verwarnten Dominik Kohr, der noch in der ersten Hälfte vom Platz flog.

Dass die Schalker dann erst in der 89. Minute durch einen vom Nabil Bentaleb ausgeführten Elfmeter zum 2:0 kamen, lag an ihren Schwächen im Kombinationsspiel. Und vielleicht auch an der Auswechslung Burgstallers, die zu einem höchst ungewöhnlichen Zeitpunkt erfolgte. Drei Minuten nach der Halbzeit verordnete Tedesco einen Doppelwechsel der Torschütze und Max Meyer verließen den Platz, wohl weil beide in der ersten Hälfte eine gelbe Karte gesehen hatten. Er wollte warten, damit die neuen Spieler sich noch einige Minuten intensiv aufwärmen konnten und außerdem schauen, wie die Leverkusener sich nach der Pause in Unterzahl formierten, erläuterte Tedesco später.

Tedesco arbeitet unkonventionell, Burgstaller, Embolo und Di Santo stürmen unkonventionell, aber irgendwie ist das sehr erfolgreich. Vielleicht werden sie mit ihrem Sturm der Dauerläufer immer noch ein klein wenig unterschätzt. Der Ruf, kein großer Techniker zu sein, könnte demnach sogar zu den Erfolgsgeheimnissen des Guido Burgstaller zählen.

Bayer 04 Leverkusen - Schalke 04 0:2 (0:1)
0:1 Burgstaller (11.)
0:2 Bentaleb (89., Foulelfmeter)
Leverkusen: Leno - Jedvaj (71. Kueßling), Retsos, Sven Bender, Wendell - Kohr, Aranguiz - Brandt (71. Bellarabi), Bailey - Havertz, Volland (61. Alario)
Schalke: Fährmann - Kehrer, Naldo, Nastasic - Caligiuri, Meyer (49. Stambouli), Goretzka (66. Bentaleb), Oczipka - Di Santo - Embolo, Burgstaller (49. Harit)
Schiedsrichter: Siebert
Gelbe Karten: Kohr (32.), Retsos (86.), Alario (90.+2) - Burgstaller (41.), Meyer (45.), Embolo (56.), Harit (71.)
Rote Karte: Kohr (38.)
Zuschauer: 30.210



insgesamt 3 Beiträge
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behindtheborderline 26.02.2018
1. Warum dieser Sarkasmus über Burgstaller ?
Ich habe das Tor in seiner Vorbereitung und Umsetzung Xmal gesehen, es ist ein techn.Kunststück. Und zwar fast ein gemütlich unhektisches, die Annahme , der Lupfer, die Drehung, der Schuss. Super gemacht, Tor ! Warum muss man dann daran noch so seicht stochernd rummäkeln, als suche man noch das berühmte "Haar in der Suppe, dabei. ? weil es einem dtsch.Journalisten nicht aus den neidschweren Tasten hüpfen will, dass ein BuliÖsi so ein schönes Tor macht ? Lass stecken, Hr.Theleweit. Das war ein wunderbares Tor Guido ! Und das sagt dir ein Steirer, der stolz ist auf dich. looß eahm aunglaant.......
sltcv 26.02.2018
2. ich würde....
....ihn ja sympathisch finden wollen, wenn er nicht so oft der Theatralik verfiele. Eine kleine Berührung und der sterbende Schwan tritt auf.
nessuma 26.02.2018
3. Er ist ein Stürmer
wie man ihn sich wünscht und gnadenlos effizient. Schönspielerei schiesst keine Tore. Von daher ist es doch völlig egal, ob er wie eine Ballerina durch den Strafraum schwebt oder draufhält. Ein Spieler der auch ohne Ball ungemein mannschaftsdienlich ist. Hiinzu kommt, das er im Gegensatz zu anderen kein Lautsprecher ist, wovon wir im deutschen Fussball auch eine erkleckliche Anzahl haben.Was Technik anbetrifft so erinnere ich and unseren "Bomber der Nation" Gerd Müller. Tore ohne Ende hat er geschossen, von Eleganz keine Spur, aber wenn der Ball zu ihm kam: nach vorne gebeugt, Hintern raus und irgendwie war die Pille drin...und darum geht's.
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