Von David Kluthe
Hamburg - Das Drehbuch dieses Spiels hätte er selbst nicht besser schreiben können. Nach einer Woche voller Wechselgerüchte hatte Schalkes Top-Stürmer Raúl vor der Auswärtsbegegnung beim FSV Mainz verkündet, seinen Vertrag erfüllen zu wollen. Gegen die 05er kehrte er nach der bitteren 0:2-Niederlage in Helsinki zurück in die Startelf - und führte die Mannschaft nach katastrophaler erster Halbzeit zu einem 4:2 (0:2)-Sieg in Mainz. Während die Gastgeber den Sprung an die Tabellenspitze verpassten, verbesserte sich Schalke damit auf Platz drei.
"Ich fühle mich hier wie in meinem Haus. Die Fans haben mir die Energie gegeben, weiter Fußball auf Profi-Niveau zu spielen", lautete Raúls Liebeserklärung an "Königsblau". "Wir alle freuen uns darüber, dass er sich zu uns bekannt hat", sagte Trainer Ralf Rangnick nach dem Spiel, das denkbar schlecht für Schalke begonnen hatte.
Die Erleichterung war groß - auch weil dem Club vorher ein Debakel drohte. Die anfällige Abwehr um Kapitän Benedikt Höwedes wurde von den bis dato ungeschlagenen Mainzern zunächst förmlich überrannt. Nach einer Flanke von Zoltan Stieber bekam Andreas Ivanschitz im Strafraum zu viel Platz. Der österreichische Nationalspieler bedankte sich in der siebten Minute mit einem Volleyschuss zum 1:0.
Lewis patzt, Soto trifft
Beim zweiten Mainzer Treffer - gerade einmal fünf Minuten später - reihten sich gleich mehrere Schalker Fehler aneinander. Ausgerechnet der Ex-Mainzer Lewis Holtby verlor den Ball an Sami Allagui. Dessen unplatzierten Schuss ließ S04-Keeper Ralf Fährmann nach vorne abprallen. Als Nutznießer stand diesmal Elkin Soto parat. "Wir haben eine halbe Stunde gespielt, die gar nicht geht - völlig lethargisch", sagte Rangnick später.
Mit einer beeindruckenden Anfangsphase und einer beruhigenden 2:0-Führung ließ es der FSV anschließend etwas ruhigender angehen. Eine Reaktion der Schalker blieb zunächst aus.
Das änderte sich jedoch in der zweiten Halbzeit, weil Rangnick mit Jefferson Farfán und Julian Draxler mehr Schwung in die Offensive brachte. In der 57. Minute passte Holtby auf Raúl und damit genau in die Schnittstelle der Mainzer Viererkette. Der FSV hatte auf Abseits spekuliert, und so konnte der Spanier unbedrängt auf Klaas-Jan Huntelaar ablegen, der nur noch einschieben musste.
Höwedes köpft zum Ausgleich
Der Anschlusstreffer zeigte Wirkung. Während Schalke zunehmend selbstbewusst nach vorne spielte, war von der Mainzer Überlegenheit aus der ersten Halbzeit nicht mehr viel übrig. Die Konsequenz ließ nicht lange auf sich warten: Benedikt Höwedes wartete nach einer Ecke des eingewechselten Farfán am langen Pfosten und köpfte das 2:2 (64.).
Erst jetzt erwachten die Gastgeber allmählich aus ihrer Lethargie: In der 67. Minute scheiterte Allagui mit einem Heber an Fährmann. Sieben Minuten später lag der Ball im Schalker Tor. Doch Eric-Maxim Choupo-Moting, der nach einem Pfostenschuss von Eugen Polanski abgestaubt hatte, stand im Abseits.
Die Tore fielen trotzdem auf der anderen Seite, und erneut war Raúl beteiligt: In der 81. Minute setzte der Spanier nach einer weiteren Farfán-Ecke im Gewühl nach und ermöglichte damit den Kopfballtreffer von Joel Matip. Der Schlusspunkt einer mitreißenden Partie war wenig später einem ehemaligen Mainzer vorbehalten: Christian Fuchs traf in der 90. Minute per Freistoß zum 4:2-Endstand.
FSV Mainz 05 - Schalke 04 2:4 (2:0)
1:0 Ivanschitz (7.)
2:0 Soto (12.)
2:1 Huntelaar (57.)
2:2 Höwedes (64.)
2:3 Matip (82.)
2:4 C. Fuchs (90.)
Mainz: Heinz Müller - Marco Caligiuri, Svensson, Noveski, Fathi - Polanski, Soto (78. Sliskovic) - Risse (46. Choupo-Moting), Ivanschitz, Stieber (61. Kirchhoff) - Allagui
Schalke: Fährmann - Höger, Höwedes, Matip, C. Fuchs - Papadopoulos - Moravek (46. Farfán), Raúl, Holtby, Jurado (46. Draxler) - Huntelaar (86. Marica
Schiedsrichter: Perl
Zuschauer: 34.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: - / Papadopoulos (2), Draxler
mit Material von sid
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