Awards der Bundesliga-Rückrunde: Mourinho gewinnt den Fürther Teebeutel

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Fürth-Präsident Hack (l.), Mourinho (Mitte): Der Portugiese ging mit einem Tee-Sortiment Zur Großansicht
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Fürth-Präsident Hack (l.), Mourinho (Mitte): Der Portugiese ging mit einem Tee-Sortiment

Er wollte ein Fußballspiel sehen - und ging mit einem Sortiment fränkischer Tee-Spezialitäten: José Mourinhos Ausflug nach Fürth verdient einen etwas anderen Preis, den Rückrunden-Award. Ebenso wie Düsseldorfs Rangel-Profis und das Alphatier-Duell Klopp vs. Sammer.

Holt-mich-hier-raus-Award: "The Special One" zu Gast in Fürth

Es gibt Bilder im Fußball, die einfach falsch wirken, bei denen man denkt, "hier stimmt was nicht", egal, wie oft man sie ansieht. So zum Beispiel Bundeskanzlerin Angela Merkel, die in der DFB-Kabine neben dem halbnackten Mesut Özil steht. Oder Real-Legende Raúl im Trikot des FC Schalke. Oder - in der kommenden Saison - die Trainerbank von Werder Bremen ohne Thomas Schaaf. Seit dem 29. Spieltag ist die Bundesliga um ein solches Motiv reicher: José Mourinho, "The Special One", zweimaliger Gewinner der Champions League, Trainer des Giganten-Clubs Real Madrid und zu Hause im Estadio Santiago Bernabéu, saß auf der Tribüne der Trolli-Arena in Fürth. Vor seinen Augen zerlegte der von ihm beobachtete BVB den Gastgeber und Absteiger 6:1, schräg hinter dem 50-Jährigen genoss Fürth-Präsident Helmut Hack den prominenten Besuch. "Mourinho war unglaublich sympathisch", schwärmte Hack. Der Portugiese habe sich vor dem Halbfinale zwischen Real und Dortmund nicht allein auf Videoanalysen verlassen wollen, wusste Hack zu berichten. Mourinho blieb zwar nicht ganz bis zum Spielende, nahm aber außer fußballerischer Erkenntnisse noch ein Gastgeschenk mit nach Madrid: Hack schenkte ihm fünf Tee-Variationen aus seiner Firma in Vestenbergsgreuth. Immerhin etwas in seiner "schlechtesten Saison" bei Real Madrid. Mourinho schied im Halbfinale gegen Dortmund aus - und blieb auch sonst ohne Titel.

Fernreise-Award: Fortuna (ver)möbelt die Mannschaftskasse auf

Fortuna-Spieler Nando Rafael: Einer der Düsseldorfer Raufbolde Zur Großansicht
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Fortuna-Spieler Nando Rafael: Einer der Düsseldorfer Raufbolde

Schahin gegen Latka, Ilsö gegen Schain, Rafael gegen Bodzek - und alle gemeinsam für eine ausgedehnte Fernreise als Mannschaftsfahrt. Fortuna Düsseldorf hatte eine super Hinrunde gespielt, lag mit 21 Punkten und nur sechs Niederlagen klar auf Kurs Klassenerhalt. Doch so gut das Team auf dem Platz zu funktionieren schien, im Training sah die Sache anders aus. Man konnte zwischenzeitlich den Eindruck bekommen, Norbert Meier könne sich das Ball-Aufpumpen sparen, seine Spieler schienen sich eh lieber mit Rangeleien fit zu halten. "Diese wohltuende, gesunde Aggressivität war nicht mehr gesund", sagte Trainer Meier der "Rheinischen Post" zu der Reihe von Auseinandersetzungen. So viel Geld kam durch Strafen in die Mannschaftskasse, "dass wir auf unserer Abschlussfahrt nicht nach Mallorca, sondern nach Tahiti fahren", scherzte Meier. Die gute Laune ist inzwischen nicht nur dem Trainer vergangen: Zu den 21 Hinrunden-Punkten kamen nur noch neun dazu, zwölfmal verlor die Mannschaft seit der Winterpause. Am letzten Spieltag stieg das Team gar dramatisch ab. Nun könnte es erst nach Papeete gehen - und dann nach Paderborn.

Absteiger-Award: Wiese darf nicht mal mehr in den Kraftraum

1899-Torhüter Wiese: Karriereplanung schlug zuletzt fehl Zur Großansicht
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1899-Torhüter Wiese: Karriereplanung schlug zuletzt fehl

Man kann sagen, Tim Wiese ist ein Visionär, ein Mann mit klarem Blick in die Zukunft. Der Torhüter verließ Werder Bremen, weil er mehr wollte, als ihm der Club an der Weser bieten konnte. Real Madrid war - laut Wiese - an ihm interessiert. Bis zum 33. Spieltag trudelte Werder ohne Wiese im Abstiegskampf, der muss das geahnt haben - genauso wie die Tatsache, dass Thomas Schaaf nicht mehr ewig bleiben würde. Wiese ohne Schaaf, diese Trennung war für den ehemaligen Nationalkeeper nur zu ertragen, indem er den ersten Schritt machte. Gelandet ist Wiese dann in Hoffenheim. Doch dort lief es für ihn nicht ganz so gut, diverse Verfehlungen und eine kleine Auseinandersetzung mit der Polizei führten zu einer Suspendierung, der 31-Jährige durfte nicht mehr mit der Mannschaft trainieren. Am Ende wurde der kraftstrotzende Wiese sogar des 1899-Kraftraumes verwiesen. Der Tiefpunkt. Ohne Wiese landete Hoffenheim mit den meisten Gegentoren noch hinter Werder (mit den zweitmeisten Gegentoren) auf dem Relegationsplatz. Ob erste oder zweite Liga: Eine Zukunft hat der Torhüter bei 1899 nicht. Aber wahrscheinlich hat Wiese längst einen neuen Club im Blick.

Alpha-Männchen-Award: Klopp und Sammer proben für Wembley

Rafinha, Sammer, Klopp, Heynckes (v.l.n.r.): Die Generalprobe nahm doch noch Fahrt auf Zur Großansicht
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Rafinha, Sammer, Klopp, Heynckes (v.l.n.r.): Die Generalprobe nahm doch noch Fahrt auf

Dortmund, 32. Spieltag, 19.50 Uhr: Der BVB und Bayern München absolvierten die Generalprobe für das Gigantenduell in Wembley im Finale der Champions League. Es stand 1:1, die 1-B-Teams beider Mannschaften kickten munter vor sich hin. Gut, dass beide Vereine einen Chef-Motivator haben! Bei den Dortmundern ist das Trainer Jürgen Klopp, bei den Bayern Sportdirektor Matthias Sammer. Wird es ihnen zu lau, werden sie laut. Perfekter Aufhänger war der Platzverweis von Münchens Rafinha, der beim Verlassen des Rasens seinem "Opfer" Jakub Blaszczykowski noch schnell den Finger in die Wange bohrte. Abgang Rafinha, Auftritt zweier Männer im Kampf um den Titel des Alpha-Männchens: Die beiden 45-Jährigen rauschten aufeinander zu, bis nur noch eine Stadionzeitung zwischen sie passte. "Rafinha hat Jakub Blaszczykowski ins Gesicht gefasst, als er des Feld verließ. Ich habe ihm gesagt, er solle das lassen", kommentierte Klopp die Szene später in der "Sport Bild". Daraufhin habe Sammer zu ihm gesagt: "'Lass den Spieler in Ruhe.' Und dann hat er noch etwas gesagt, aber das habe ich nicht verstanden. Da dachte ich, geh mal näher ran, um das zu hören. Dann habe ich auch noch etwas gesagt", so Klopp. Kraftausdrücke seien nicht gefallen - aber irgendwas mussten sich die beiden ja auch noch für den 25. Mai aufheben.

Frühschuss-Award: Veh wechselt zu Schalke - ganz, ganz sicher!

Frankfurt-Trainer Veh: Dann doch nicht nach Schalke Zur Großansicht
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Frankfurt-Trainer Veh: Dann doch nicht nach Schalke

Gerüchte gehören einfach zur Bundesliga dazu, an einigen ist gar nichts dran, andere klingen plausibel, schaffen dann aber doch nicht ganz, Realität zu werden. Und dann gibt es Gerüchte, die sind so konkret, dass sie eigentlich so etwas wie vorgezogene Vollzugsmeldungen sind. Bestes Beispiel: Armin Veh. Der Frankfurt-Trainer spielte mit seiner Eintracht eine tolle Saison, klar, dass da die großen Clubs aufmerksam werden. Der Zufall will es, dass Vehs alter Kumpel Horst Heldt seit einiger Zeit die Trainer für Schalke 04 aussucht. Mitte März schrieb die "Bild"-Zeitung: "Veh nach Schalke!" und im Untertitel folgte die Frage: "Sagt er es schon am Montag?" Die Antwort lautete: nein. Veh wartete noch zehn Tage - und unterschrieb dann einen Vertrag bis 2014. Allerdings in Frankfurt.

Arme-Würstchen-Award: Der HSV grillt um Gnade

HSV-Keeper Adler: Neun Gegentore in München Zur Großansicht
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HSV-Keeper Adler: Neun Gegentore in München

So hoch dürften die HSV-Profis seit ihren Bolzplatzzeiten in ihren Kindertagen nicht mehr verloren haben. 2:9 gingen die Hamburger beim FC Bayern München unter, vom "schwärzesten Tag der Vereinsgeschichte" sprachen die Spieler anschließend, von einer "beschämenden Leistung". Elf Profis, mit den Auswechselspielern gar 14, waren am Boden. Was könnte diese Männer und die zutiefst enttäuschten Fans bloß wieder aufbauen? Die Antwort war schnell gefunden: Grillfleisch. Mit einem Versöhnungsgrillen wollten die HSV-Bosse die Anhänger milde stimmen. "Das Grillen braucht kein Mensch", kritisierte Spieler Marcell Jansen das Vorhaben. Schnell wurde das ganze umbenannt in einen "Dialog mit den Fans", am Ende kamen rund 700 Anhänger zu der Veranstaltung.

Schnäppchen-Award: Freiburgs Trainer fühlt sich wie auf dem Viehmarkt

Noch-Freiburger Kruse: Ab kommender Saison in Mönchengladbach Zur Großansicht
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Noch-Freiburger Kruse: Ab kommender Saison in Mönchengladbach

Es gibt die Löwen in München, die Zebras in Duisburg und einst galoppierten Fohlen von Mönchengladbach aus durch die Bundesliga. Tierisch geht es in der Bundesliga schon lange zu. In dieser Saison dann war Freiburgs Trainer Christian Streich tierisch genervt - von den "Viehmarkt"-Zuständen bei der Jagd nach seinen Spielern: Max Kruse (Borussia Mönchengladbach), Daniel Caligiuri (VfL Wolfsburg), Jan Rosenthal und Johannes Flum (beide Eintracht Frankfurt) verlassen den Sportclub, Werder Bremen will Julian Schuster. Streich fühlte sich an den Sommer-Schluss-Verkauf erinnert: "Unsere Spieler werden angeboten wie auf dem Viehmarkt. Ihre Ausstiegsklauseln kann man in den Zeitungen lesen - das ist furchtbar." Doch einer wird auf jeden Fall beim SC Freiburg bleiben, egal welcher Verein Interesse zeigt: Christian Streich bleibt im Breisgau, denn dort könne man trotz allem "richtig gut arbeiten".

Pech-Award: Hannover und der kleine Franca

Hannover-Einkauf Franca (Mitte): Erst zu klein und dann auch noch krank Zur Großansicht
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Hannover-Einkauf Franca (Mitte): Erst zu klein und dann auch noch krank

Man wusste zwischenzeitlich ja gar nicht so genau, wer einem mehr leid tun sollte: Hannover 96, weil der Club einen Spieler kaufte, den er so nie haben wollte. Oder Franca, weil der Brasilianer für den Wirbel um seine Person nicht wirklich etwas konnte - und auch noch schwer erkrankte. Der Ärger fing an, als nach dem Transfer des inzwischen 22-Jährigen bekannt wurde, dass Franca ganze sechs Zentimeter kleiner ist, als zunächst angenommen. Die "gut 1,90 Meter und 88 Kilogramm" des Innenverteidigers hatten den damaligen 96-Sportdirektor überhaupt erst zu dem Transfer bewogen. Nach dem anfänglichen Schreck fand man in Hannover aber nur noch gute Worte über Franca, "ich habe ihn in den ersten Wochen als Spieler mit einer tollen Einstellung kennengelernt", sagte etwa Trainer Mirko Slomka. Doch dann wurde bei Franca Tuberkulose festgestellt. Inzwischen geht es dem Spieler besser - eine Partie für seinen Verein hat er aber noch nicht bestritten.

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insgesamt 8 Beiträge
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1. 50 Jahre Zeit gehabt !
Der Heuchler 20.05.2013
Wer oder was soll bitte Schahin sein ? Wenn Sie nicht mal in der Lage sind einen Namen richtig zu schreiben, sollten Sie sich lieber einen neuen Job suchen.
2. Maurinho oder Mourinho?
Guillermo Emmark 20.05.2013
Ihr solltet Euch mal entscheiden. Zumindest nicht beide Schreibweisen in ein und demselben Artikel abwechselnd verwenden. Notfalls mal googeln!
3. Tl;dr
Mr.Slytherin 20.05.2013
Erstens interessiere ich mich sowieso nicht für Fußball und zweitens ist mir auch der Artikel viel zu lang, um ihn zu lesen... Deshalb nur kurz die Frage: Was bitte ist "der Fürther Teebeutel"? Doch hoffentlich nicht schon wieder so ein Schweinkram, oder?! ;o)
4. .
hfftl 20.05.2013
"...nahm aber außer fußballerischer Erkenntnisse noch ein Gastgeschenk mit nach Madrid" - ist das Teil einer Aktion "Rettet des Genitivs!"? Richtig muss es natürlich heißen: "außer fußballerischeN ErkenntnisseN". Schlechter Journalismus um des Effekts willen ist natürlich wieder mal so etwas: "Die beiden 45-Jährigen rauschten aufeinander zu, bis nur noch eine Stadionzeitung zwischen sie passte." Tatsächlich ist allein Klopp auf Sammer zugerauscht, der völlig korrekt in seiner Zone blieb.
5. Düsseldorf
kritilligenz 20.05.2013
Düsseldorfs Abstieg ist das Beste, was dem deutschen Fußball 2013 passieren konnte - vor allem, wenn man bedenkt, dass der Abstieg erst am letzten Tag besiegelt wurde und die sympathischen Augsburger in der 1. Liga bleiben. Das I-Tüpfelchen ist der Aufstieg der Hertha, die beweist: wir hätten gar nicht erst absteigen dürfen, wenn Düsseldorf nicht skandalös das Spiel entschieden hätte!
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