Hamburg - Ihr Verein hat gerade verloren, wieder einmal, ist nur noch zwei Punkte vom Abstiegs-Relegationsplatz entfernt - und was machten die Fans von Werder Bremen? Sie feierten. Sich, das Team und vor allem Trainer Thomas Schaaf. Sprechchöre in Endlosschleife hallten durch die Leverkusener Arena, als die Anhänger des siegreichen Bayer-Teams längst auf dem Heimweg waren.
"Es ist großartig, so etwas zu erleben. Das war selbst in der Kabine nicht zu überhören", sagte Schaaf, dem die Unterstützung sichtlich naheging. Wo andernorts Fans in solchen Situationen auch mal den Mannschaftsbus blockieren, wählten die Werder-Anhänger den Weg der lautstarken Unterstützung. "Sie haben ein feines Gespür", lobte Werders Manager Thomas Eichin, der versicherte: "Ein Trainerwechsel wäre in dieser Situation Nonsens." Und Mittelfeldspieler Aaron Hunt betonte, man habe im Abstiegskampf alles noch selbst in der Hand.
Wer also steigt gemeinsam mit Greuther Fürth in die zweite Liga ab? Wer muss in die Relegation, wer rettet sich? Das sind die Fragen, die womöglich erst am letzten Spieltag beantwortet werden können. Drei Partien sind noch zu absolvieren, vier Clubs hoffen und zittern: Neben Bremen auch Fortuna Düsseldorf, der FC Augsburg und 1899 Hoffenheim. Was spricht im Abstiegskampf für die Clubs, was gegen sie? Die Aussichten des Quartetts.
WERDER BREMEN (14. Platz, 32 Punkte)
Was spricht für Werder? Das Restprogramm, denn Bremen hat es, wie Hunt richtig feststellte, selbst in der Hand. Am kommenden Samstag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) empfängt Werder zu Hause Hoffenheim. Gewinnt Bremen, wäre der direkte Abstieg vermieden. Anschließend kommt Eintracht Frankfurt ins Weserstadion, am letzten Spieltag muss Werder zum fast sicher geretteten 1. FC Nürnberg. Und: Bremen ist die mit Abstand torgefährlichste Mannschaft der vier gefährdeten.
Warum rettet sich Bremen nicht (vorzeitig)? Der Trend spricht gegen Werder. Zehn Spiele in Folge ist der Club nun schon ohne Sieg, verlor davon sechs. Und Bremen ist der einzige der vier prekären Clubs, der wohl nie damit gerechnet hätte, bis Saisonende zittern zu müssen. Düsseldorf und Augsburg war immer klar, dass es nur um den Klassenerhalt gehen würde. Auch Hoffenheim war sich dessen spätestens seit der Winterpause bewusst.
FORTUNA DÜSSELDORF (15. Platz, 30 Punkte)
Was spricht für Düsseldorf? Der Aufsteiger zeigte zuletzt ordentliche Leistungen, auch wenn die Ergebnisse nicht stimmten. Bei den Niederlagen gegen Dortmund und den HSV (jeweils 1:2) war man dicht an einem Punktgewinn. Das kommende Spiel in Frankfurt ist ein schwieriges, die folgenden Gegner Nürnberg (zu Hause) und Hannover (auswärts) könnten beim Aufeinandertreffen aber schon jenseits von Gut und Böse stehen.
Warum rettet sich die Fortuna nicht (vorzeitig)? Wie im Fall Bremen spricht der Trend gegen die Fortuna. Neun Spiele ohne Sieg, davon sechs Niederlagen - darunter hat das in der Vorrunde aufgebaute Selbstbewusstein gehörig gelitten. Auch wenn die Offiziellen immer wieder betonen, der Club wisse um den Ernst der Lage: Die Frage ist, ob Düsseldorf die derzeitige Verunsicherung wieder los wird.
FC AUGSBURG (16. Platz, 30 Punkte)
Was spricht für Augsburg? Die derzeitige Form. Das Team von Trainer Markus Weinzierl scheint begriffen zu haben, worum es geht. Dafür sprechen die jüngsten Erfolge gegen den VfB Stuttgart (3:0) und Eintracht Frankfurt (2:0). Der FCA hat die beste Abwehr der vier Abstiegskandidaten und als einziges Team ein Heimspiel zum Schluss: Am 34. Spieltag kommt Absteiger Fürth nach Augsburg.
Warum rettet sich der FCA nicht (vorzeitig)? Weil das Restprogramm schwierig ist, zumindest zwei Spiele, beide auswärts: Kommendes Wochenende muss Augsburg zum SC Freiburg, der um die Europa-League-Plätze kämpft, dann zum diese Saison alles überragenden FC Bayern. Womöglich wäre ein eventueller Erfolg im letzten Saisonspiel gegen Fürth ohne Bedeutung. Von den Abstiegskandidaten hat der FCA zudem den harmlosesten Angriff (30 Tore).
TSG 1899 HOFFENHEIM (17. Platz, 27 Punkte)
Was spricht für Hoffenheim? Der Umschwung, der mit dem neuen Trainer Markus Gisdol kam. In vier Spielen unter dem neuen Coach holte Hoffenheim sieben Punkte, schaffte so den kaum noch für möglich gehaltenen Anschluss an die Nicht-Abstiegsplätze. Mit einem Sieg bei den verunsicherten Bremern am kommenden Spieltag würde die TSG einen Konkurrenten noch weiter in den Abstiegsstrudel ziehen.
Warum rettet sich die TSG nicht (vorzeitig)? Weil der Endspurt zu spät kommt. Gegen Hoffenheim spricht die Tabellensituation, schließlich muss die TSG erst einmal drei Punkte aufholen, um mit Augsburg und Düsseldorf gleichzuziehen. Und weil 1899 die schlechteste Tordifferenz aller vier Abstiegskandidaten hat (-23), muss der Club einen weiteren Zähler aufholen. Das Restprogramm mit Spielen in Bremen und Dortmund sowie zu Hause gegen den HSV könnte auch einfacher sein. Und dann ist da noch die Abwehr: 60 Gegentore bedeuten den schlechtesten Wert der Bundesliga, nur eine Mannschaft hat ebenso viele Treffer kassiert - Werder Bremen.
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