Meisterjubel in München Zwei Handvoll Feierbiester

Der FC Bayern macht in Frankfurt seine Rekord-Meisterschaft perfekt, doch in München hält sich der Jubel in Grenzen. Die Dominanz der Mannschaft und der frühe Zeitpunkt des Titelgewinns bremsen die Euphorie. Die wenigen Feiernden mussten in der bayerischen Hauptstadt sogar mit Faustkämpfen rechnen.

Bayern-Fans in der Leopoldstraße: Die Polizei schickte die Feiernden von der Straße
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Bayern-Fans in der Leopoldstraße: Die Polizei schickte die Feiernden von der Straße

Von Christoph Leischwitz und Sebastian Winter, München


Wer in München eine große Sause nach der schnellsten deutschen Meisterschaft der Bundesliga-Geschichte erwartet hatte, wird ziemlich enttäuscht am frühen Samstagabend. Um 17.40 Uhr, also knapp 25 Minuten nachdem die Bayern 1:0 in Frankfurt gewonnen und ihren 23. Ligatitel perfekt gemacht hatten, finden sich jedenfalls nur zehn Fans auf der Leopoldstraße ein. Als einer von ihnen im Takt der Meistergesänge mit den Händen auf ein stehendes Auto klopft, steigt der Fahrer aus und fordert den Bayern-Anhänger zum Faustkampf heraus.

Von den "Feierbiest"-Zeiten unter Trainer Louis van Gaal ist München an diesem Samstag weit entfernt. Immerhin dreht ein roter Bus tapfer hupend seine Runden auf der Partymeile, drei Münchner Blondinen wollen in ihrem grasgrünem Käfer-Cabrio gesehen werden. Dort, wo sich ansonsten bei solchen Anlässen Tausende in den Armen liegen und Straßensperren verursachen. "Wenn das entscheidende Spiel zu Hause gewesen wäre, dann wären alle aus der Arena hierhergekommen", sagt Bayern-Sympathisant Marco Rose. Wären.

Vielleicht sind es der graue Himmel und die kalten Temperaturen, die nur wenige Bayern-Anhänger auf die Straße treiben. Der wahrscheinlichere Grund liegt in ihrer Dominanz. Sie spielten in dieser Saison in ihrer eigenen Liga und frustrierten ihre Gegner - selbst Dortmund - schon früh. Wie es scheint: zu früh. Bastian Schweinsteigers Hackentrick-Tor, das die Bayern in Frankfurt endgültig zum Meister werden ließ, war ein Sinnbild dieser epochalen Überlegenheit.

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Bayern München: Im Eiltempo zum Titel
Vor dem "Stadion an der Schleißheimer Straße", einer Kult-Sportkneipe Münchens, haben bereits am frühen Nachmittag TV-Stationen ihre Übertragungswägen aufgebaut. Drei Kamerateams drängen sich in dem engen Saal, an den Wänden hängen Trikots und Schals aller erdenklichen Fußballvereine. An der mit einem Miniatur-Fußballfeld aus Kunstrasen verzierten Decke hängen Bilder von Gerd Müller. Auch hier ist die Stimmung fröhlich, aber keineswegs euphorisch. Nur als Bayern-Präsident Uli Hoeneß nach Spielende auf der großen Leinwand erscheint, hallen "Uli, Uli"-Rufe durch den stickigen Raum.

Doch auch Hoeneß wirkt eher nüchtern: "Wir werden jetzt nicht den großen Zampano spielen und uns vollschütten. Vielleicht trinken wir ja ein Glas Champagner im Flugzeug, wenn es dort so etwas gibt." Die Bayern haben sich bereits eine Stunde nach Spielende wieder nach München aufgemacht, auch das ist ein Zeichen. Die Meisterschaft haben sie im Vorbeigehen mitgenommen, nun zählt für sie schon das Rückspiel des Champions-League-Viertelfinales in Turin am Mittwoch (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).

Immerhin wedelt ein Fan in der Kneipe mit einer Meisterschale aus Pappe herum. Manche Fans brechen allerdings bereits wenige Minuten nach Spielende auf und gehen nach Hause. Wirt Reini Haiduk sagt: "Bayern-Fans brauchen den Kick, erst dann kommen sie ein bisschen aus der Reserve. Wenn alles mehr oder weniger entschieden ist, sind die nicht so euphorisch. Das sind jetzt eher die coolen Genießer."

Polizei vertreibt das Partyvolk

Auf der Leopoldstraße haben sich unterdessen doch noch mehr Bayern-Fans versammelt. Um die 100 mögen es gegen 19 Uhr gewesen sein. Die Polizei hat die Straße aber nach wie vor nicht abgesperrt, sondern jagt die Feiernden lieber wieder auf den Gehsteig. Die Partyvolk-Gruppe ist wohl zu klein, um die Autofahrer zu belästigen. Franz Hinterecker, 28, ist aber noch spontan gekommen, er hält eine Flasche Bier in der Hand: "Schön, heute schon zu feiern, weil es so souverän und früh war und wir den Dortmundern eins auswischen konnten. Die Breite des Kaders, die guten Einkäufe und der Wille war wieder da, das hat man heute gesehen." Die meisten Fans gehen dann schon wieder Richtung U-Bahn.

Im Zentrum auf dem Münchner Marienplatz ist eine Stunde nach der Meisterschaft auch nicht viel los, dasselbe gilt für die Säbener Straße, das Trainingsgelände Bayern Münchens. Eine Familie mit kleinem Kind läuft dort zwei Stunden nach der Bayern-Meisterschaft gemütlich spazieren, ansonsten sind noch zwei Mitarbeiter der FCB-Geschäftsstelle zu sehen. Und sonst? Viel Leere.

Die große Party, so war es meist in München, wird noch auf dem Rathausbalkon vor dem dann sehr vollen Marienplatz gefeiert. Nach dem letzten Bayern-Heimspiel gegen Augsburg am 11. Mai. Und mit der echten Schale.

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LapOfGods 06.04.2013
1.
Ein Verein mit fast ausschließlich Erfolgsfans halt. Wegen so ne popeligen Meisterschaft feiert da doch keiner, die moppern nur wenn sie nix holen.
ruder66 06.04.2013
2. wer will das denn noch ...
ich wohne hier nahe an der feiermeile ... man möge mir glauben, daß alle 14 Tage bescheuerte, vollbesoffene, herumgröhlende sogenannte Fans nicht wirklcih eine Freude sind ... die Überheblichkeit der verschiedenen FCB Fraktionen tun ein übliches. München hat diesen Mist wirklich nicht notwendig, und wenn ich die FCB Akteure nauch einem Spiel hören muß, ist regelmäßiges Fremdschämen angesagt. Ich wünsche allen FCB Fans frohes Freieren zum gefühlten 200.sten mal *** GÄÄHHHNN*** ach ja es bibt auch nochr rugby, handball, volleyball, tennis, hockey, basketball, hurling, etc etc etc
kroto 06.04.2013
3. Das ganze...
... erinnert mich etwas an den letzten DFB-Pokal, den die Bayern unter Magath gewannen. Nach dem Finalspiel konnten sich die Spieler nur mühsam zu einem verhaltenen Klatschen durchringen, sie guckten aus der Wäsche, als hätten sie gerade den Stempel unter einen x-beliebigen Verwaltungsakt gesetzt. Andere Mannschaften flippten in der Situation vor Freude aus. Ach, wie ermüdend kann doch das Siegen sein...
niod 06.04.2013
4. Kein Meister im Feiern
Sicher, es gibt rationale Gründe, mit dem Feiern noch etwas zu warten. Trotzdem irgendwie unheimlich, weil es doch bei Fans um Emotionalität geht. Aber es ist in der Bundesliga bekannt, dass einige andere Mannschaften bzw. Städte in der "Fankultur-Tabelle" vor München liegen.
NochNeBesserwisserin 06.04.2013
5. Omg
>>Übertragungswägen
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