Nach Streik des A-Kaders Hallenfußballer sollen Dänemarks EM-Ausschluss verhindern

Nach einem Sponsorenstreit mit den Topstars drohten Dänemarks Länderspiele in dieser Woche auszufallen. Harte Strafen bis zum EM-Aus hätten die Folge sein können. Doch nun wurde eine kuriose Lösung gefunden.

Dänemark-Fans bei der Archiv
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Die dänische Fußball-Nationalmannschaft wird am Mittwoch zum Testspiel in der Slowakei sowie vier Tage später in der Nations League gegen Wales ohne sein Stammpersonal antreten. Stattdessen werden unter anderem Futsal-Spieler (Hallenfußballer) für die Partien nominiert. Das berichten mehrere dänische Medien übereinstimmend. Der dänische Fußballverband DBU bestätigte das Abend. Hier finden Sie das komplette Aufgebot.

Nach Streitigkeiten um Werbeverträge zwischen dem Verband und den etatmäßigen Nationalspielern war es nicht zu einer Einigung gekommen. (Mehr über den Streit zwischen Verband und A-Kader lesen Sie hier.)

Der dänische Verband teilte bereits zuvor mit, dass Nationaltrainer Age Hareide das Team bei beiden Spielen nicht betreuen wird. Stattdessen steht der 1992er-Europameister John Jensen, der im Finale gegen Deutschland (2:0) das erste Tor erzielt hatte, an der Seitenlinie. Assistent des ehemaligen HSV-Spielers wird Interims-Co-Trainer Hasse Kuhn sein.

Der dänische A-Kader tritt in der Slowakei nicht an, weil die Spieler sich mit dem Fußballverband über die Ausgestaltung ihrer Verträge streiten. Die Spieler wollen die Möglichkeit haben, individuelle Sponsorenverträge abzuschließen, auch wenn diese in Konkurrenz zum Teamsponsor stehen.

Das Team um Superstar Christian Eriksen hatte dem DBU angeboten, den alten Vertrag noch einen Monat weiterlaufen zu lassen und die Verhandlungen zu vertagen, damit das Testspiel am Mittwoch und das Nations-League-Spiel am Sonntag gegen Wales stattfinden können. Der Verband lehnte dies jedoch ab.

Bei einer Absage des Spiels hätten Dänemark empfindliche Strafen bis hin zum EM-Ausschluss gedroht. Die Europäische Fußball-Union (Uefa) kündigte bereits an, dass sie ihre Disziplinarkommission einschalten werde, sollte die dänische Nationalmannschaft zu einem Länderspiel nicht antreten.

Interimscoach Jensen will seine Zusage nicht als Affront gegen die Interessen der Nationalspieler verstanden wissen. "Ich hoffe, dass es uns hilft, durch die zwei Spiele zu kommen und dass wir bald eine Lösung finden", sagte Jensen. Dänemark war bei der WM in Russland ins Achtelfinale gekommen und dort am späteren Vize-Weltmeister Kroatien gescheitert.

Zum Aufgebot werden neben Futsal-Spielern auch Fußballer aus unterklassigen Mannschaften gehören. Wie Drittligist BK Avarta bestätigte, wurde deren 30 Jahre alter Stürmer Christian Offenberg für die beiden Spiele gegen die Slowakei und Wales berufen.

jan/dpa/sid

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insgesamt 2 Beiträge
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at.engel 04.09.2018
1.
Ich kann überhaupt nicht nachvollziehen, wie ein Verband oder eine Organisation wie die UEFA bzw. die FIFA überhaupt verpflichtende Sponsorverträge für die Mitglieder oder Teilnehmer abschließen kann. Allein schon, dass die FIFA vorschreibt, welches Wasser man bei der WM am Spielfeldrand trinken muss, ist einfach grotesk. Dass eine Marke mit einem Sport oder Wettbewerb Werbung macht, ist ja ok, aber das nimmt langsam Ausmaße an, die einfach nicht mehr akzeptabel sind. Schuld sind natürlich die Verbände - man kann einfach nicht alles unterschreiben.
sack_reis 05.09.2018
2. Ganz "normal"
Dazu kann ich Ihnen nur ein weiteres trauriges Beispiel nennen: Selbst in der Verbandsliga schließt z.B. der hessische Fußballverband mittlerweile verpfilchtende Sponsorenverträge für alle dort spielenden Vereine ab; die Mannschaften sind dadurch gezwungen, einen entsprechenden Aufnäher auf ihren Trikots zu tragen und erhalten im Gegenzug eine sehr überschaubare Summe. Sie dürfen dann aber nicht zusätzlich einen Spnsor haben, der zu dem "Verbandssponsor" in Konkurrenz steht.
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