Wunschspieler Thiago Guardiolas Allround-Schnäppchen

"Thiago oder nix": Pep Guardiola kennt seinen Wunschspieler seit acht Jahren, förderte ihn bei Barcelona. Noch ist Mittelfeld-Allrounder Thiago günstig zu haben - doch lange sollten die Münchner nicht mehr warten.

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Hamburg - Pep Guardiolas Fleiß beim Erlernen der deutschen Sprache war schon vor der Pressekonferenz des Bayern-Trainers am Donnerstag bekannt. Es scheint, als wolle der 42-Jährige nun auch das Zählen auf Deutsch perfektionieren: "Auf drei, vier, fünf Positionen" könne sein Wunschspieler eingesetzt werden, als "Sechs, Sieben, Acht, Zehn oder Elf" auflaufen. Die Rede war von Thiago Alcántara do Nascimento, kurz: Thiago. Genau diesen 22-Jährigen will Guardiola haben: "Thiago oder nix".

Mit anderen Worten: Der Spanier, der derzeit noch bei Guardiolas Ex-Club FC Barcelona spielt, kann potentiell alle Mittelfeldspieler des Triple-Siegers ersetzen. Selbst im Sturm fühle er sich wohl, so Guardiola, der Thiago einst aus der Jugend zu den Barça-Profis geholt hatte. Damals sagte er: "Thiago ist bestimmt für eine Weltkarriere."

Was nützt nun Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller, Toni Kroos, Arjen Robben und Franck Ribéry noch eine Rekordsaison im Rücken, wenn der Trainer seinen Liebling vor Augen hat?

Konkurrenz für Robben, Müller und Götze

In Barcelona gilt Thiago schon länger als potentieller Xavi-Nachfolger, also als Ideengeber aus dem zentralen Mittelfeld heraus. Zuletzt jedoch wurde Thiago offensiver eingesetzt, kam auf der Position von Andrés Iniesta vor Xavi zum Zug oder auf den Außenbahnen. Vor allem für den wieder genesenen Kroos sowie für Robben, Müller und Mario Götze würde Thiago also Konkurrenz bedeuten.

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Thiago Alcántara: Einer für alles
Festgespielt hat sich Thiago allerdings auf keiner Position, es blieb meist bei Kurzeinsätzen. Der Frust beim Spieler war nach der vergangenen Saison gewaltig, auch Gespräche mit Trainer Tito Vilanova überzeugten Thiago nicht wirklich. Auch wenn Xavi und Abwehrchef Gerard Piqué sich für ihn stark machten und zum Bleiben überreden versuchten - Thiago will weg, weil er regelmäßig spielen will.

Wie ein Bewerbungsvideo wirkte da das Endspiel der U-21-EM in Israel, als er Spanien beim 4:2-Triumph über Italien mit drei Toren zum Titel schoss. Das vierte Tor, einen Elfmeter, hatte Thiago seinem Kollegen Isco überlassen, der gerade für rund 30 Millionen Euro zu Real Madrid wechselte - und damit den nächsten Schritt machte, auf den Thiago seit Jahren wartet.

Thiagos Vater Mazinho war selbst Fußballprofi, mit ihm im Mittelfeld gewann die brasilianische Nationalmannschaft 1994 den WM-Titel in den USA. Die Profikarriere des Vaters bestimmte auch die Fußballlaufbahn des Sohnes. Thiago begann seine Karriere in der Jugend von Flamengo. Als Mazinho beim FC Valencia in Spanien unterschrieb, wechselte Thiago zum Nachwuchsteam Ureca im galizischen Nigran. Nach einem Transfer seines Vaters zum FC Elche kam auch Thiago bei einem Verein in der Stadt unter, dem Kelme FC.

Beim FC Barcelona landete der heute 1,72 Meter große Mittelfeldspieler aber erst nach einer vier Jahre dauernden Rückkehr nach Brasilien. 2005 nahm Barça den damals 14-Jährigen im berühmten Nachwuchszentrum La Masia auf.

Am 1. August endet die Schnäppchen-Frist

Selbst unter diesen vielversprechendsten Talenten der Welt fiel Thiago mit seiner Ballsicherheit und Übersicht auf. Nach zwei Jahren in der Jugend holte ihn ein Trainer in Barcelonas B-Team. Der Coach war Pep Guardiola.

Von 2008 bis 2011 war Thiago Stammspieler der Edel-Reserve, im Mai 2009 wurde der damals 18-Jährige erstmals in der A-Mannschaft eingesetzt. Wieder war es Guardiola, der Thiago den nächsten Schritt ermöglichte. An der Seite der Stars wie Messi, Iniesta und Xavi sollte er Erfahrung sammeln.

In der Saison 2010/2011 kam Thiago bereits auf 17 Einsätze, drei Tore und drei Vorlagen. Zwar ermahnte Guardiola ihn oft im Training, seine Kunststückchen sparsamer einzusetzen. Doch Trainer und Verein waren mit Thiagos Entwicklung zufrieden, verlängerten seinen Vertrag bis 2015 - und legten die Ablösesumme auf gigantische 90 Millionen Euro fest.

Doch Thiagos Vater sowie sein Berater - Guardiolas Bruder Pere - bestanden laut der spanischen Zeitungen "Marca" und "As" auf eine Sonderklausel: Der Spieler müsse in der Saison 2012/2013 in mehr als 60 Prozent aller Partien der ersten Mannschaft zum Einsatz kommen, jeweils über mindestens 30 Minuten.

Zwar wurde Thiago tatsächlich in 36 von insgesamt 60 Partien eingesetzt (genau 60 Prozent) und kam auf mehr als die geforderte halbe Stunde Einsatzzeit (insgesamt 1904 Minuten), allerdings nur im Schnitt. In 14 der 36 Spiele stand Thiago weniger als die geforderten 30 Minuten auf dem Platz, die Bedingungen waren damit nicht erfüllt - und Thiago wurde zum 18 Millionen Euro "billigen" Schnäppchen.

Viel besser kann man die Ablösesumme des zu Florenz transferierten Mario Gomez derzeit im Weltfußball wohl kaum anlegen, auch wenn Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer in der "Bild"-Zeitung zu den Wünschen des Startrainers zurückhaltend sagte: "Das ist vollkommen in Ordnung. Nur wir werden zum jetzigen Zeitpunkt nichts dazu sagen."

All zu viel Zeit sollte sich der Club allerdings nicht lassen: Am 1. August verfällt die Schnäppchenklausel und Thiago kostet wieder 90 Millionen Euro.

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insgesamt 141 Beiträge
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Seite 1
Dramidoc 12.07.2013
1. xxx
Zitat von sysopREUTERS"Thiago oder nix": Pep Guardiola kennt seinen Wunschspieler seit acht Jahren, förderte ihn bei Barcelona. Noch ist Mittelfeld-Allrounder Thiago günstig zu haben - doch lange sollten die Münchner nicht mehr warten. http://www.spiegel.de/sport/fussball/fussball-das-ist-guardiolas-wunschspieler-thiago-a-910736.html
Nun, sollte Guardiola nicht seinen Wunschspieler bekommen, wird er wohl Mittel und Wege finden aus dem Vertrag mit dem FC Bayern auszusteigen. Sollte Guardiola nicht die Ergebnisse liefern, die sich der FC Bayern erhofft, findet der Verein Mittel und Wege um den Vertrag vorzeitig zu kündigen. Sollte beides passieren, dürfte beides sehr schnell eintreten. Ich wage mal die Behauptung, dass Guardiola nicht sehr lange beim FC Bayern bleiben wird.
Merkelfan 12.07.2013
2. Was macht der Steuermann eigentlich?
Ein Bankdrücker von Barca für die Bauern? Na bitteschön. Pulvert ruhig die Kohle raus, euer Oberster Grosskopferter hat da ja keine Hemmungen, wie man weiß. Legal sollte es dieses Mal aber bitte schon sein, sonst gibts von Platini was hinter die Löffel (ein bisschen ausschimpfen, das wars dann aber schon, sind ja schließlich die Bauern und die haben nun mal ihre Kontakte).
Askan 12.07.2013
3. optional
Gib mir Geld, und ich baue mir eine Mannschaft, so wie sie mir gefällt. Irgendwie geht mir dieser Wechselhype jeden Sommer auf den Keks. Ende der Saison weiß man nicht, wer am Anfang der kommenden Spielzeit aufläuft. Daumen runter: Gefällt mir nicht.
enrico3000 12.07.2013
4.
Zitat von sysopREUTERS"Thiago oder nix": Pep Guardiola kennt seinen Wunschspieler seit acht Jahren, förderte ihn bei Barcelona. Noch ist Mittelfeld-Allrounder Thiago günstig zu haben - doch lange sollten die Münchner nicht mehr warten. http://www.spiegel.de/sport/fussball/fussball-das-ist-guardiolas-wunschspieler-thiago-a-910736.html
Die sollten mal schauen ob er nicht ein Freund oder sogar Verwandter ist.
arjenrobben 12.07.2013
5. Gretchen-Frage
Kann so ein "Barca-Gewächs" auch beim FC Bayern weiter blühen und wachsen? Ok, bei Martinez hat die Transplantation super funktioniert. Aber klar ist, dass Thiago Druck auf die "Ur-Gewächse" des FC Bayern ausübt + Götze. Das wird richtig spannend!
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