Testspiel zwischen England und Deutschland Papierflieger gegen die Langeweile

England und Deutschland haben sich in einer enttäuschenden Partie unentschieden getrennt. Nur in der ersten Halbzeit wurden die Zuschauer in Wembley unterhalten. Danach vertrieben sie sich anders die Zeit.

Deutschlands Leroy Sané (r.), Englands Joseph Gomez (l.)
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Deutschlands Leroy Sané (r.), Englands Joseph Gomez (l.)


Von wegen Klassiker: England gegen Deutschland - oder auch: einfacher gegen vierfacher Weltmeister, dazu noch in Wembley, dem wohl bekanntesten Stadion der Fußball-Welt. Die Vorfreude auf das Testspiel war groß. Doch die Partie hielt nicht was sie versprach.

Ergebnis: Ein torloses Remis. Hier geht's zum Spielbericht.

Unheimliche Serie: Englands Fußball erlebt momentan einen beispiellosen Höhenflug: Die Junioren-Nationalmannschaften des Landes haben in diesem Jahr nach regulärer Spielzeit noch keine Partie verloren. U17-Weltmeister, U19-Europameister, U20-Weltmeister - in insgesamt 45 Pflichtspielen blieben die Teams ungeschlagen, lediglich die U17 und U21 unterlagen jeweils bei Europameisterschaften nach Elfmeterschießen. Von diesem Lauf will bald auch das A-Team profitieren.

Erste Hälfte: Hoher Aufwand, kein Ertrag - so lassen sich die ersten 45 Minuten in vier Worten zusammenfassen. Bereits nach 90 Sekunden verpasste Abraham in der Mitte nach einer Hereingabe von Jamie Vardy nur knapp die Führung (2. Minute), auf der anderen Seite boten sich Sané (20.), Timo Werner und erneut Sané (22.) beste Einschussmöglichkeiten. Die DFB-Auswahl war besser, hatte jedoch kurz vor dem Pausenpfiff Glück, als Abraham und Vardy weitere Chancen ungenutzt ließen (44.).

Geschichte wiederholt sich nicht: 1966 schoss Geoff Hurst das wohl umstrittenste Tor der Fußballgeschichte. Im WM-Finale zwischen Deutschland und England in Wembley prallte sein Schuss von der Latte auf die Linie, das Schiedsrichtergespann erkannte den Treffer dennoch an. 51 Jahre später hatte Leroy Sané weniger Glück - sein Schuss aus 16 Metern sprang von der Latte knapp vor die Linie. Dank der Torlinientechnologie wird sich die Geschichte (hoffentlich) nicht wiederholen.

Zweite Hälfte: Wenige Sekunden nach Wiederbeginn hatte Vardy mit einem Kopfball die erste Chance im zweiten Durchgang (47.), kurz vor dem Abpfiff hatte Jesse Lingard die letzte (90.+4). Dazwischen agierten beide Teams extrem zurückhaltend, ihnen war anzumerken, dass sie kein unnötiges Risiko eingehen wollten. Die Zuschauer vertrieben sich anders die Zeit.

Langeweile auf den Rängen: Weil die Spieler den Betrieb im Laufe der zweiten Hälfte mehr oder weniger einstellten, suchten die Zuschauer nach Beschäftigungsalternativen: Wie schon im - ebenfalls sehr mäßigen - Länderspiel gegen Slowenien bastelten Fans Papierflieger und warfen diese auf das Feld. Ein ähnlicher Erfolg wie vor vier Wochen war den Zuschauern aber nicht vergönnt (siehe Video).

Premier-League-Dominanz: Englische Profis verlassen die Insel traditionell ungern. Gegen Deutschland standen ausschließlich Spieler aus der Premier League im Kader, auch beim Weltmeister dominierte Englands höchste Spielklasse: Mit Antonio Rüdiger (FC Chelsea), Ilka Gündogan, Leroy Sané (jeweils Manchester City), Mesut Özil (FC Arsenal) und Emre Can (FC Liverpool) kamen gleich fünf England-Legionäre zum Einsatz.

Erkenntnis? Gibt es nicht. Für die englische Auswahl, die so nie wieder zusammen spielen wird, ohnehin nicht. Deutschland darf hoffen, am kommenden Dienstag gegen Frankreich (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) mehr gefordert zu werden. Ein echter Test war der Klassiker jedenfalls nicht.

England - Deutschland 0:0
England:
Pickford - Stones, Jones (ab 25. Gomez), Maguire - Trippier (ab 72. Bertrand), Rose (ab 71. Walker) - Dier, Livermore (ab 86. Cork), Loftus-Cheek - Vardy, Abraham (ab 59. Rashford)
Deutschland: ter Stegen - Ginter, Hummels, Rüdiger - Kimmich, Özil, Gündogan (ab 86. Rudy), Halstenberg - Draxler (ab 67. Can), Werner (ab 74. Wagner), Sané (ab 86. Brandt)
Schiedsrichter: Pawel Raczkowski (Polen)
Zuschauer: 81.382
Gelbe Karten: Gomez, Livermore -



insgesamt 30 Beiträge
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benedetto089 11.11.2017
1.
"lediglich die U17 und U21 unterlagen jeweils bei Europameisterschaften nach Elfmeterschießen." Typisch halt. Das Spiel war so schlecht nicht, die erste Halbzeit war sehr ansprechend, England war mit dem 0:0 gut bedient. Die zweite Halbzeit war langweilig. Erkenntnisse aus dem Spiel gibt es schon. Der Bundestrainer hatte wohl selten so vielle Alternativen auf fast allen Positionen wie zur Zeit, da müssen sich schon ein paar etablierte warm anziehen in den Monaten bis zur WM. Bei den Engländern scheint sich was zu tun hinsichtlich der Jugendarbeit aber das Problem, dass die eigenen Talente in der Liga nicht wirklich zum Zuge kommen wird sich nicht so schnell lösen lassen. Abgesehen davon hat die englische Nationalmannschaft in den letzen 50 Jahren immer wenn es darauf ankam versagt. WM Mit- oder Geheimfavorit... eher nicht.
theroadtoutopia 11.11.2017
2. Einer darf wirklich nicht ausfallen
Bezüglich der seit längerem stabilen Form und der inzwischen praktisch durchgängigen Zuverlässigkeit darf einer nicht ausfallen oder seine Form verlieren: Mats Hummels. Man kann nur hoffen, dass Boateng in der für einen Feldspieler nur kurzen Zeit, die bis zum Turnier verbleibt, wieder völlig zu seiner früheren Form findet, denn ansonsten dürfte es richtige Probleme gegen starke Mannschaften geben, wenn Hummels mal einen schlechten Tag erwischen oder verletzt ausfallen sollte.
gibmichdiekirsche 11.11.2017
3. Ein Spiel dauert nicht nur 45 Minuten...
Nö, ihr Freunde mit dem Adler auf der Brust. Das war gar nix, denn ein Spiel dauert 90 und nicht 45 Minuten. Außer Hummels, ter Stegen und mit Abstrichen Gündogan und Sané habe ich sonst keinen gesehen, der über 90 Minuten gezeigt hätte, dass er Lust auf ehrliche Arbeit hatte. Manche wie z.B. Rüdiger schlicht überfordert. Das hätte Süle mutmaßlich deutlich besser gemacht. Und warum gibt der Löwinator dem genesenen und erstarkten Götze nicht die Möglichkeit, sein Comeback in diesem traditionsreichen Kontext zu geben und bringt statt dessen einen Brandt, der mit dem Adler auf der Brust stets so blass war/ist wie die Farbe seines Schopfes? Ach ja, Glückwunsch zum Remis, dem glückliches; die Engländer hätten einen Sieg durchaus eher verdient.
fredderfarmer 11.11.2017
4. Trostlosen Stimmung
Da ist ja bei jedem Drittligisten mehr Stimmung im Station. Schade, daß für sowas immer die Bundesliga unterbrochen werden muss.
Affenhauptmann 11.11.2017
5. Gott sei Dank
Hatte kurzzeitig überlegt mal reinzuschauen - hab mich aber glücklicherweise dagegen entschieden. Der Fussball ist mittlerweile ja schon bei Spielen, bei denen es um etwas geht so unfassbar langweilig geworden.
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