Testspiel-Niederlage gegen Brasilien 7:1 ohne 7

Was haben ein WM-Halbfinale und ein Testspiel gemeinsam? Nicht viel. Außer vielleicht einen übermütigen Kommentator.

Sandro Wagner (rechts)
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Sandro Wagner (rechts)


"Mineiraço": Vor, nach und während der Partie wurde immer wieder an den deutschen 7:1-Sieg im Halbfinale der Weltmeisterschaft 2014 erinnert. Als "Mineiraço" ("Schock von Mineirão") wird die Klatsche in Brasilien bezeichnet. Unabhängig von der Frage, ob ein Testspiel wirklich zur Revanche für ein WM-Halbfinale taugt, standen bei beiden Mannschaften nur zwei Spieler in der Startelf, die auch vor vier Jahren begonnen hatten: Jérôme Boateng und Toni Kroos für die DFB-Auswahl, Marcelo und Fernandinho für die Seleção. Mit dem 7:1 hatte das Spiel von Beginn an denkbar wenig zu tun.

Das Ergebnis: Deutschland verliert gegen Brasilien 0:1 (0:1). Es war die erste Niederlage für die DFB-Auswahl seit dem EM-Halbfinale 2016. Hier geht es zur Meldung.

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DFB-Niederlage gegen Brasilien: Weit weg von 7:1

Personalkarussell: Joachim Löw hatte nach dem 1:1 gegen Spanien Mesut Özil und Thomas Müller zur Schonung nach Hause geschickt, insgesamt stellte der Bundestrainer im Vergleich zum vorangegangenen Test auf sieben Positionen um. Man merkte der Mannschaft an, dass sie in dieser Konstellation noch nicht zusammengespielt hatte.

Kapitän auf Heimaturlaub: Jérôme Boateng führte die Nationalmannschaft zum ersten Mal als Spielführer aufs Feld - und das ausgerechnet im Berliner Olympiastadion. Boateng wurde in Berlin geboren, das Fußballspielen lernte er bei Tennis Borussia und Hertha. "Davon habe ich als Kind geträumt", sagte Boateng vor der Partie. "Im Olympiastadion gegen Brasilien zu spielen. Das ist etwas ganz Besonderes."

Die erste Hälfte: Die DFB-Auswahl begann gut, konnte sich aber keine klaren Chancen erspielen. Im Gegensatz zu den Brasilianern. In der 36. Minute wurde Gabriel Jesus steil geschickt, Joshua Kimmich hob das Abseits auf. Jesus stoppte im Strafraum ab und nahm so Boateng und Antonio Rüdiger aus dem Spiel, schoss im Anschluss aber über das Tor. Eine Minute später machte es der Stürmer von Manchester City unter gütiger Mithilfe von Kevin Trapp besser. Eine Flanke von Willian köpfte Jesus direkt auf den deutschen Keeper, der sich den Ball unglücklich ins eigene Netz lenkte.

Dick und doof: Über die Mannschaften kann man das nicht vorbehaltlos sagen, aber zumindest Kommentator Béla Réthy war schon in WM-Form. "Verteidigt haben früher nur die Dicken und die Doofen", wusste Fußballhistoriker Réthy Mitte der ersten Hälfte über die Brasilianer zu berichten. Zum Glück haben Mauro Ramos, Nílton Santos, Carlos Alberto, Brito, Cafu, Roberto Carlos und viele, viele andere das nicht gehört.

Die zweite Hälfte: Überragend viel passierte nach der Pause nicht mehr. Brasilien war die gefährlichere Mannschaft und hätte durch Paulinho und Philippe Coutinho weitere Tore erzielen können. Die beste Chance zum Ausgleich vergab Draxler in der Nachspielzeit, als er mit einem Schuss von der Strafraumgrenze am brasilianischen Schlussmann Alisson scheiterte.

"Langweilig! Waaaaaaas?": Insgesamt hatte die Partie nicht annähernd so viel Tempo und so viele Torraumszenen wie das 1:1 gegen Spanien zu bieten. Das haben nicht nur die allermeisten Zuschauer so gesehen, sondern auch ZDF-Experte Zé Roberto. "Ein bisschen langweilig" sei das Spiel gewesen, sagte er in seinem besten Deutsch. Katrin Müller-Hohenstein reagierte mit einem entrüsteten "Waaaaaaaaas?" und legte dem ehemaligen Bundesligaprofi nahe, seine weiteren Antworten auf Portugiesisch zu geben.

Niederlage mit Tradition: 0:1 gegen Argentinien, 1:2 gegen Frankreich, 3:5 gegen die Schweiz, 2:3 gegen England. Seit der WM 2010 hat die deutsche Nationalmannschaft vor großen Turnieren bei Testspielen im März immer mindestens eine Partie verloren - und dann doch das Halbfinale erreicht. Das könnte ein gutes Omen sein, oder? Die einzige Ausnahme: Vor der Weltmeisterschaft 2014 gab es keine Niederlage. Aber wer glaubt schon an Omen?

Deutschland - Brasilien 0:1 (0:1)
0:1 Gabriel Jesus (37.)
Deutschland: Trapp - Kimmich, Rüdiger, Boateng (68. Süle), Plattenhardt - Gündogan (81. Werner), Kroos - Goretzka (61. Brandt), Draxler, Sané (61. Stindl) - Gomez (62. Wagner)
Brasilien: Alisson - Dani Alves, Thiago Silva, Miranda, Marcelo - Casemiro - Willian, Paulinho, Fernandinho, Coutinho (73. Douglas Costa) - Gabriel Jesus
Schiedsrichter: Jonas Eriksson
Zuschauer: 75.000 (ausverkauft)



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Seite 1
ich-geb-auf 28.03.2018
1. Schade...
erstmal Respekt an Brasilien, die gut gespielt haben und verdient gewonnen haben. Die Offensive der Deutschen Mannschaft war nicht gut, das lag aber nicht an Gomez oder Wagner, sondern eher an Spielern wie der sehr schwache Sane (viele unnötige Ballverluste, immer nen Tick zu langsam mit dem Abspiel), Plattenhardt, Gündogan (auch sehr schwach) und Goretzka. Kroos war sehr bemüht, hat immer wieder Bälle gefordert und schön raus gespeilt. Ingesamt hat man das Fehlen von Müller, Özil (wer hätte das gedacht) sehr bemerkt. Zu viele unnötige Ballverluste am 16er der Brasilianer, zu viele ungenaue , zu kurze, zu langsame Zuspiele am 16er, so dass die Stürmer keine Chancen hatten. Noch ein Wort zum Moderator oder "Experten": Hat der jemals Fußball gespeilt? Manche Kommentare sind einfach unterirdisch schlecht gewesen.. z.b. -dass er Trapp in Schutz nimmt, es wäre nicht sein Fehler gewesen... sorry ein guter reaktionsschneller Torwart hat den Ball... ich wette Baumann, Neuer, Ter Stegen, Ulreich, Fährmann hätten den Ball nichts ins Tor gelassen. Klarer Torwartfehler, sorry H. Trapp. - Sane spielt einen Balllinks am 16er zu kurz, zu lahm und Plattenhardt kommt niemals ran.. aber Reporter meint "Plattenhardt geht nicht richtig ran.." ? - Wagner hat gute Kopfballmöglichkeit im 5er... Reporter meint, den hätte er auch durchlassen können, hinten war einer besser postiert... (den Brasilianischen Abwehrspieler dazwischen hat er wohl nicht sehen wollen..) ???? usw... Am besten haben mir Rüdiger, Boateng, Kimmich und Kroos bei der deutschen Mannschaft gefallen. Draxler war nach Auswechslung Sanes auch besser. Von Sane und Gündogan war ich sehr enntäuscht.
alaba27 28.03.2018
2. Damit ist alles gesagt
Sehr guter Beitrag, brillant geschrieben. KMH und BR wieder einmal unerträglich. Und wenn man unsere PL-Legionäre 'rumeiern sieht, (Özil, Gündogan, Sane) fragt man sich, warum in der angeblich stärksten Liga der Welt nur unsere schwächsten Spieler landen.
!!!Fovea!!! 28.03.2018
3. uuuiiiihhhh Untergang
ein Spiel bei dem es um nix ging..... Entweder teste ich oder ich will gewinnen und dann fahre ich mit der kompletten Kavallerie auf. Ach ja, und Bela Rethy, wann geht der endlich in Rente. Von mir aus könnte man mit der Zwangsgebühr den Typ endlich in Rente schicken. Wenn der moderiert, mache ich den Ton aus.
peterw 28.03.2018
4. Langweilig ? Ja.
Ja, im Gegesatz zu Spanien war es langweilig. Habe mehrere Zeitungen nebenher gelesen, das klappte bei Spanien nicht. Es lag an der Einfalllosigkeit des deutschen Spiels. Nicht schlimm, da Testspiel, aber von den hochgejazzten Sane und Gündogan etc hatte ich dann doch mehr erhofft.
jujo 28.03.2018
5. ...
Zitat von !!!Fovea!!!ein Spiel bei dem es um nix ging..... Entweder teste ich oder ich will gewinnen und dann fahre ich mit der kompletten Kavallerie auf. Ach ja, und Bela Rethy, wann geht der endlich in Rente. Von mir aus könnte man mit der Zwangsgebühr den Typ endlich in Rente schicken. Wenn der moderiert, mache ich den Ton aus.
Die deutsche "B Elf" war eine Beleidigung gegenüber den Brasilianern. Wenn ich ein Trainingsspiel machen will, spiele ich gegen eine Regionalligamannschaft oder San Marino. Für mich ist die Erkenntnis, das Brasilien niemandem Angst machen muß, selbst mit Neymar nicht. Für Löw könnte gelten, das er gesehen hat, das einige Spieler ihre Chance hatten aber nicht genutzt haben. Zu dem Kommentator. Rethy ist unerträglich, da hilft nur Stummschaltung.
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