Polizei-Einsätze bei Fußballspielen DFL-Chef Seifert kritisiert Bremer Senat scharf

Nächste Runde im Streit um die Bezahlung von Polizeieinsätzen bei Fußballspielen: DFL-Boss Seifert bezeichnet den Bremer Vorstoß als Blankovollmacht zur Sanierung des Haushalts. Und Liga-Präsident Rauball droht mit dem Gang vor das Bundesverfassungsgericht.

DFL-Chef Seifert: "Zutiefst unaufrichtig"
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DFL-Chef Seifert: "Zutiefst unaufrichtig"


Hamburg - Im Streit um die Kosten von Polizeieinsätzen bei Spielen von Werder Bremen zwischen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und dem Bremer Senat verschärft sich der Ton. Die Regierung der Hansestadt hatte vor Kurzem beschlossen, dass sich die Vereine an den Kosten für die Beamten beteiligen sollen. Dagegen wehrt sich der Zusammenschluss der Profiklubs nun vehement - und kritisiert den Senat scharf.

"Die Art und Weise, wie in Bremen teilweise argumentiert wird, ist zutiefst unaufrichtig. Wir glauben, dass mit diesem Ansatz eine Blankovollmacht zur Sanierung des Bremer Haushalts auf Kosten der Bundesliga und anderer ausgestellt wird", sagte DFL-Chef Christian Seifert der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Dagegen sei es der richtige Weg, Polizeieinsätze zu reduzieren, wie es ein Pilotprojekt in Nordrhein-Westfalen vorsehe, und nicht, sie den Klubs in Rechnung zu stellen. "Der Bremer Vorschlag setzt nicht dabei an, die Krawalle abzuschaffen, sondern mit ihnen Geld zu verdienen", sagte Seifert.

Im Zuge dieser Auseinandersetzung verweist Seifert auf einen Zehn-Punkte-Plan zur Sicherheit in Stadien, den die Vereine 2010 in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und den Innenministern der Länder aufgestellt haben. Dieser werde seither immer weiter optimiert, um über eine Kostenbeteiligung an Polizeieinsätzen "gar nicht erst diskutieren zu müssen", so Seifert: "Noch im Mai 2014 wurde uns bescheinigt, dass wir die Punkte bisher konsequent umsetzen und alles auf einem guten Weg ist. Und dann kommt der Bremer Vorstoß - ohne Rücksicht auf Vereinbarungen und bundesweite Auswirkungen."

Ähnliche scharfe Töne hatte Liga-Präsident Reinhard Rauball angeschlagen. "Notfalls gehen wir bis vor das Bundesverfassungsgericht", kündigte der Jurist für den Fall an, dass die DFL zur Zahlung der anvisierten 300.000 Euro pro Risikospiel aufgefordert würde.

asi

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bs2509 16.08.2014
1. Bei aller Liebe . . .
. . . Fußball ist die schönste Nebensache der Welt . . . .wenn es nicht ums Geld geht. Aber den Steuerzahler für Fußballvereine zahlen zu lassen, ist unglaublich dreist. Es wird eine Ausnahme von den Verantwortlichen der Vereine, des DFB und der DFL gefordert. Mit welchem Recht ? Das Vereinsbosse dann nicht mehr zocken gehen können ? Oder Phantasiepreise für "Zweibeiner" ausgelobt werden können ? Lieber sollten sich die Veranwortlichen um das Financial-Fair-Play Gedöns kümmern . . .sonst verteilen bald die Oligarchen und ihre gelangweilten arabischen Prinzen die CL- Titel unter sich. Dieser Entwicklung ist viel mehr Aufmerksamkeit zu schenken, als die angebliche finanzielle Belastung durch eine angemessene Beteiligung an den Kosten für die Sicherheit im und außerhalb des Stadions. Und wenn die Angelegenheit, wie Herr Rauball vor hat, durch das BVerG geregelt werden soll, dann - wenn es nicht wieder eine Einmischung seitens der Politik gibt - wird sich zeigen, ob dieser Schritt wirkich so intelligent war. DFB und DFL wollen immer nur Geld abzocken, aber nie etwas davon abgeben . . . aber warten wir das Ganze mal ab . . .:-)
karlhansbauer 16.08.2014
2. Ausgerechnet diese Abzocker
wir Steuerzahler sollen für diese Herrschaften bezahlen! Auf keinen Fall. Runter mit den Gehältern und den Monopolisten wie Blatter und Co.
Löschknecht 16.08.2014
3. Guter Vorschlag
"Der Bremer Vorschlag setzt nicht dabei an, die Krawalle abzuschaffen, sondern mit ihnen Geld zu verdienen" Finde ich absolut okay. Dann könne sich die Vereine und Profi-Ligen ja darum kümmern, dass der Staat keine Gelegenheit bekommt, eine Rechnung zu stellen. Wenn mir auf einem Firmengelände eine Chemikalie ausläuft und die Feuerwehr das Ganze einsammelt, bekomme ich genauso eine Rechnung. Warum soll der Fußball-Business da anders gestellt sein?
rudolf_mendt 16.08.2014
4. Fly By Night
Den Senat anzugreifen und zu kritisieren, ist natürlich auch der Job von Seifert. Allerdings, wenn damit tatsächlich der Bremer Haushalt saniert werden kann, dann ist der Weg selbstverständlich richtig. Dann ist es auch gleichgültig, ob Blankovollmacht oder nicht. Und erst recht, ob auf Kosten der Bundesliga. Das nennt man dann wohl rhetorisches Eigentor...
schwaebischehausfrau 16.08.2014
5. Da wär ich mal ganz vorsichtig..
anstelle von Hr. Rauball: Denn was das Bundesverfassungsgericht dann zuallererst mal prüfen sollte ist: 1. Wie ist es mit dem gesetzlichen Auftrag unserer Polizei vereinbar, dass Woche für Woche tausende Beamte INNERHALB von Bundesliga-Stadien (also nicht im "öffentlichen Raum", sondern auf Privatgelände, wo die Vereine das Hausrecht ausüben) gratis die Aufgabe von privaten Security-Diensten übernimmt. Für private, kommerzielle Veranstaltungen, mit denen Millionen-Gewinne erwirtschaftet werden. Und 2. kann das Bundesverfassungsgericht dann auch gleich prüfen, ob die Polizeibehörden Veranstaltungen nicht von vornherein absagen können oder sogar müssen, bei denen von schweren Krawallen und einer massiven Gefährdung der öffentlichen Sicherheit ausgehen ist - aufgrund zig-fach gemachter Erfahrungen. Es würde einen doch sehr wundern, wenn in unserer Verfassung das Recht verbrieft ist, dass private Veranstalter dann von der Polizei verlangen können, dass ein paar tausend Polizeibeamte diese angekündigten Krawalle absichern, damit die privaten Veranstalter ihre kommerzielle Veranstaltung durchführen können. Rauball und die DFl werden einen Teufel tun und Bremen verklagen, weil sie sich damit nur ins eigene Fleisch schneiden würden. Der einzige, er eigentlich schon vor Jahren GEGEN diese unverhältnismässig teuren Einsätze hätte klagen sollen, ist der Bund der Steuerzahler!!!
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