Müller im Halbfinale gegen Frankreich Good Lack

Sind Tore das Benzin für seinen Tank? Nein, sagt Thomas Müller, sie sind der Lack auf seiner Karosserie. Gelaufen ist der Stürmer mehr als andere, im EM-Halbfinale will er auch endlich wieder glänzen.

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Aus Evian berichten und


Der Fall Thomas Müller ist kompliziert, obwohl die Fakten so einfach sind. Müller hat fünf Spiele bei dieser EM absolviert, er hat dabei kein einziges Tor geschossen, selbst im Elfmeterschießen hat er nicht getroffen. Und das, obwohl der Bayern-Profi in der öffentlichen Wahrnehmung sonst immer trifft. Dennoch tut man sich ein bisschen schwer, ihm ein schwaches Turnier zu attestieren. Es ist eher ein unglückliches Turnier für ihn, so kann man es in jedem Fall formulieren.

Gegen Nordirland hatte er vier gute Chancen, er traf Pfosten und Latte, gegen Italien hatte er das 1:0 auf dem Fuß, Italiens Außenverteidiger Florenzi klärte den Ball mit der Hacke artistisch vor dem Tor. Müller hatte seine Möglichkeiten. "Ich habe in diesen Situationen leider nicht das Außergewöhnliche gemacht, damit es zu Toren kam", sagt Müller. Dafür ist er gegen die Azzurri gelaufen, als gäbe es kein Morgen. Mehr als 15 Kilometer standen am Ende auf seinem Tachometer, nur Mesut Özil konnte in der DFB-Elf da einigermaßen mithalten.

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Deutschland gegen Italien: Sieg nach Elfmeterkrimi

Es ist derzeit eine Situation, die der 26-Jährige so noch nicht oft erlebt hat. In der Nationalmannschaft lief es seit 2010 eigentlich immer nach Wunsch für ihn, er ist der ewige Sonnyboy, der Gute-Laune-Typ, der Sprüchemacher, der Gaudibursch, und am Ende entschied meist auch noch ein Müller-Tor das Spiel. Man konnte drauf setzen: Irgendwann im Spiel ist er da, der Müller-Moment.

Tore sind "der Speziallack auf der Karosserie"

Auf diesen Moment wartet die Nationalmannschaft seit fünf Spielen. Es spricht für Müller, dass er sich trotz allem jetzt wenig verändert. "Der Thomas Müller verstellt sich nie", sagt Manuel Neuer über ihn. Die gute Laune hat einen leicht gedämpften Grundton, Müller spricht vor der Presse ein wenig reflektierter als sonst, aber er ist erkennbar noch der alte Thomas Müller.

Ob die Tore nicht das "Benzin für seinen Tank" seien, wird er gefragt. Nein, sie seien eher "der Speziallack auf der Karosserie, der nach außen wirkt". Das können nicht viele Spitzenfußballer, sich gedanklich so schnell auf ein Bild einlassen, ein neues Bild kreieren. Bei der WM 2010 in Südafrika war er als junger Kerl gleich Torschützenkönig, und "dennoch sind wir im Halbfinale geschlagen worden und mussten heimfliegen", dagegen sei der WM-Titel in Brasilien "zigmal schöner und zigmal werthaltiger" gewesen. Es komme eben nicht auf seine Tore an. Was nicht so ganz stimmt: In Brasilien traf Müller auch fünfmal.

Thomas Müller im Video: Auf der Suche nach dem Tor

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"Wenn ich treffen würde, würde mir das sicher mehr Ruhe geben. Außerdem müsste ich keine Fragen mehr beantworten." Auch so ein klassischer Müller-Satz, der vor der Presse gern mal einen Seitenhieb auf die Medien loslässt. Gegen Frankreich im Halbfinale am Donnerstag (21 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) hat er die nächste Gelegenheit. Dann wird er vermutlich weiter vorn in der Spitze spielen, weil Mittelstürmer Mario Gomez verletzt ausfällt. Viele sagen, da sei er ohnehin am besten aufgehoben. Der Bundestrainer setzt ihn gern als rechten Flügelspieler ein, weil er auf die unorthodoxen Laufwege des Münchners Richtung Strafraum setzt. Seiner Torgefahr hat dies nicht genützt.

Bierhoff versucht zu beruhigen

"Irgendwann wird der Thomas explodieren", sagt DFB-Manager Oliver Bierhoff. Und noch ist man guten Willens, das auch zu glauben. Er gehört zu den wenigen Fußballern, die auch wochenlang schlecht spielen können, und man nimmt es ihnen irgendwie nicht übel. Nach dem Motto: Müller hat immer funktioniert, also wird er auch schon wieder funktionieren. Diesmal ist die Durststrecke allerdings ziemlich lang. Die Dinge sind dabei, eine gewisse negative Dynamik zu bekommen.

"Ihm ist es egal, ob er ein Tor schießt oder nicht, ihm geht es nur um den Sieg", sagt Bierhoff. Das ist auch die Version, die sowohl Joachim Löw als auch der Spieler selbst von Partie zu Partie verbreiten. Der Torjäger, dem komplett egal ist, ob er trifft oder nicht, muss allerdings erst noch erfunden werden. Da macht auch Thomas Müller keinen Unterschied, so außergewöhnlich er auch zuweilen auf und neben dem Platz agiert. Selbstverständlich wurmt es ihn, auch wenn er sagt: "Es bringt mich nicht um."

Löw sagt immer, er würde sich erst dann Sorgen machen, wenn Müller gar keine Torchancen mehr bekommen würde. Irgendwann allerdings muss aus einer Chance auch einmal wieder ein Tor werden. Müller selbst hat das schon zu Turnierbeginn kurz und bündig gesagt: "Wer die Tore macht, ist der Gute." Demnach wäre er bislang bei dieser EM noch kein Guter. Aber ganz so einfach ist es nicht.

Thomas Müller im Video: "Ich hab ein gutes Gefühl"



insgesamt 104 Beiträge
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bernhard29 05.07.2016
1. Ein Bayern Spieler wechselt man nicht aus, sei er noch so schlecht
Währe Müller kein Bayern Spieler wäre er im ersten Spiel bereits nach 30 Minuten vom Platz geholt worden. So aber darf er weiterhin auf dem Platz umherstolpern in Erwartung einen Elfmeter herauszuschinden. Selbst dies ist ihm bisher noch nicht gelungen. Man versucht krampfhaft sein rumgehoppse schön zu reden, wie am Beispiel der längsten Laufwege. Wenn er soviel läuft wieso fährt er nicht zur Olympiade. Ein Stürmer der selbst auch noch beim Elfmeter schießen daneben haut was macht der eigentlich in Frankreich.
Synek 05.07.2016
2.
Die Wahrheit ist einfach, dass Müllers Form schon am Ende der Rückrunde der BL klar nach unten zeigte. Seine EM-Leistungen waren bisher schlicht nicht gut und aktuell geht von ihm keinerlei Torgefahr aus und auch sonst läuft aktuell im Deutschen Spiel nicht wirklich viel Produktives über ihn, da kann er noch so viel Kilometer machen. Jeder Profispieler hat einfach auch Phasen wo es mal nicht mehr so selbstverständlich läuft und Müller hat einfach so eine. Er wird das auch wieder überwinden, allerdings bezweifel ich stark dass das noch in dieser EM geschieht. Löw sollte darüber nachdenken nicht Draxler oder Götze die Position spielen zu lassen.
Friebott 05.07.2016
3.
Zitat von bernhard29Währe Müller kein Bayern Spieler wäre er im ersten Spiel bereits nach 30 Minuten vom Platz geholt worden. So aber darf er weiterhin auf dem Platz umherstolpern in Erwartung einen Elfmeter herauszuschinden. Selbst dies ist ihm bisher noch nicht gelungen. Man versucht krampfhaft sein rumgehoppse schön zu reden, wie am Beispiel der längsten Laufwege. Wenn er soviel läuft wieso fährt er nicht zur Olympiade. Ein Stürmer der selbst auch noch beim Elfmeter schießen daneben haut was macht der eigentlich in Frankreich.
Immerhin, ich habe die Spiele der NM gesehen, er hat oft hinten ausgeholfen in der Abwehr. Und es ist nun einmal so, wie der Fußballer sagt: Wenn die Sch.... am Schuh klebt, machst Du kein Tor. Müller bindet aber durch sein "Rumgehobse" immer noch Gegner. Müller ist im Übrigen kein Elfmeterschinder.
spon-facebook-10000015195 05.07.2016
4. Nicht gut genug...
Also ich fand Müllers Leistung bisher sehr durchschnittlich. Nichts Herausragendes und für einen guten Angreifer zu wenig. Aber jeder darf mal ein Formtief haben. Blöd nur, dass er das während der EM hat.
ich-geb-auf 05.07.2016
5.
Zitat von FriebottImmerhin, ich habe die Spiele der NM gesehen, er hat oft hinten ausgeholfen in der Abwehr. Und es ist nun einmal so, wie der Fußballer sagt: Wenn die Sch.... am Schuh klebt, machst Du kein Tor. Müller bindet aber durch sein "Rumgehobse" immer noch Gegner. Müller ist im Übrigen kein Elfmeterschinder.
seh ich genasuo, Müller hat superviele Bälle geholt, gut ausgeholfen, rennt und ackert bis zur 120. Minute. Und hatte eben Pech im Abschluss, Latte oder vom Italiener spektakulär gerettet. Müller ist absolut top, auch ohne (momentane) Tore.
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