Deutschland gegen Schweden Mit einem Wisch war der Sieg weg

Die vergangenen sechs Mal hieß der Europameister immer: Deutschland. Beim Turnier in den Niederlanden gelang der erhoffte Auftaktsieg nicht, weil Schwedens Torhüterin kurz vor Schluss noch hellwach war.

Mandy Islacker nach vergebener Großchance
DPA

Mandy Islacker nach vergebener Großchance

Von


Szene des Spiels: 82 Minuten waren gespielt, als Hedvig Lindahl die beste Chance der deutschen Mannschaft mit einem Wisch zunichtemachte. Deutschland hatte die Partie bis zu diesem Zeitpunkt klar bestimmt, Schweden war immer seltener zum Kontern gekommen. Das Einzige, was dem Titelverteidiger fehlte, war eine gute Gelegenheit vor dem Tor. Dzsenifer Marozsán zog aus halbrechter Position ab, die scharfe Hereingabe landete bei Mandy Islacker und die Stürmerin kam frei zum Schuss. Aber Lindahl riss blitzschnell den Arm hoch und lenkte den Ball noch über die Latte.

Ergebnis: 0:0, hiergeht's zum Spielbericht.

Zahl des Spiels: Die Partie war das 27. Duell beider Nationalmannschaften, bisher hatte Deutschland 19 Spiele gewonnen, Schweden sieben. Von den elf Aufeinandertreffen bei Turnier-Endrunden hatte das DFB-Team sogar alle Partien für sich entschieden, zuletzt im Finale des olympischen Fußballturniers in Rio de Janeiro 2016. Aber ein Unentschieden hatte es zwischen Deutschland und Schweden noch nie gegeben - bis jetzt.

Fotostrecke

10  Bilder
Deutschlands Remis gegen Schweden: Torlos ins Turnier

Das sagt die Trainerin Steffi Jones: "Das war ein sehr intensives Spiel gegen einen defensiv eingestellten Gegner. Wir haben in der zweiten Halbzeit Lösungen gefunden, aber das Tor nicht gemacht. Dennoch können wir auf die Leistung aufbauen."

Die erste Hälfte: Schweden spielte zu Beginn aggressives Pressing, die deutsche Mannschaft ließ sich davon beeindrucken und brauchte einige Minuten, um ins Spiel zu kommen und die Kontrolle zu übernehmen (58 Prozent Ballbesitz). Schweden hatte nach fünf Minuten durch einen Kopfball von Linda Sembrant die erste Chance. Carolin Simon spitzelte nach neun Minuten einen Querschläger aufs Schwedische Tor, doch Lindahl parierte. Mehr Höhepunkte bot die Partie bis zur Pause nicht.

Die zweite Hälfte: Diesmal bestimmte die Mannschaft von Jones von Anfang an das Spiel, Schweden stand nun sehr tief und wartete vor allem auf Konter. Nach einem solchen parierte Deutschlands Schlussfrau Almuth Schult gegen Stina Blackstenius (71. Minute). Die deutsche Mannschaft kombinierte sicher bis zum gegnerischen Strafraum, kam aber nicht zu kontrollierten Torschüssen - bei der einzigen Ausnahme war dann Lindahl zur Stelle (siehe oben).

Fünferkette des Spiels: Schwedens Trainerin Pia Sundhage ist bekannt für immer neue Ideen, vor allem bei Standardsituationen lässt sich die 57-Jährige immer wieder Tricks einfallen. Gegen Deutschland ließ sie ihre Spielerinnen nun vor Eckbällen im gegnerischen Strafraum in einer Reihe antreten und dann erst auf ihre Positionen eilen. Allerdings kamen die Flanken zu ungenau, als dass diese Variante für Gefahr hätte sorgen können.

Schwedens Spielerinnen bei einem Eckball
DPA

Schwedens Spielerinnen bei einem Eckball

Spielerin des Spiels: Auch wenn noch längst nicht alles klappte, wenn mancher Hackentrick bei der Gegnerin landete, sie mit einem Dribbling hängenblieb oder knapp neben das Tor schoss - Dzsenifer Marozsán war die auffälligste Spielerin in Breda, die deutsche Kapitänin wurde bei jedem Angriff von ihren Mitspielerinnen gesucht. In einem Interview hatte die 25-jährige Spielerin von Olympique Lyon vor kurzem der "Süddeutschen Zeitung" gesagt, sie wolle "auf und neben dem Platz noch präsenter sein". Das hat schon gegen Schweden gut geklappt, jetzt sollte zur Präsenz noch etwas Präzision hinzukommen.

So geht's weiter: Am Freitag spielt Deutschland in der zweiten Partie gegen Gruppengegner Italien (20.45 Uhr Liveticker SPIEGEL ONLINE, TV: ARD), der sein erstes Spiel 1:2 gegen Russland verlor.

insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ich-geb-auf 18.07.2017
1. Fünferkette des Spiels
"Fünferkette des Spiels: Schwedens Trainerin Pia Sundhage ist bekannt für immer neue Ideen, vor allem bei Standardsituationen lässt sich die 57-Jährige immer wieder Tricks einfallen. Gegen Deutschland ließ sie ihre Spielerinnen nun vor Eckbällen im gegnerischen Strafraum in einer Reihe antreten und dann erst auf ihre Positionen eilen. Allerdings kamen die Flanken zu ungenau, als dass diese Variante für Gefahr hätte sorgen können." das ist quatsch, diese Variante gab es schon bei der letzten Frauen WM von versch. Mannschaften, zudem brachte es nie was ein.. nur Chaos und sah komisch aus.
rainer60 18.07.2017
2. gut
es war ein gutes,intensives spiel deutschlands gegen einen cleveren gegner. ich war mehr als angenehm angetan über tempo,technik und spielauffassung. Ergebnis war gerecht.
hooge789 18.07.2017
3. Nase abputzen und weiterspielen
Das Spiel habe ich nicht gesehen, aber Schweden wird sicherlich ein eingeschworenes Kolektiv haben und kämperisch alles dagegen gesetzt haben. D sollte sich auf Zeiten einstellen, in denen es nicht jedes Spiel leicht und locker gewinnt. Die Zeiten sind wohl vorbei.
uffta 18.07.2017
4. Der Sieg war nicht weg, sondern das Unentschieden besiegelt
Schuld war nicht der gute Reflex der schwedischen Torfrau, sondern der Schlafwagenfussball der deutschen Akteurinnen.
urban_warrior 18.07.2017
5. Und?
Man kann nicht immer gewinnen. Das wäre ja auch ziemlich langweilig. Siehe Bayern München.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.