EM-Aus der DFB-Frauen Vom Regen in die Traufe

Raus und vorbei! Nach einem 1:2 im Viertelfinale gegen Dänemark ist das Turnier für die deutschen Fußballerinnen beendet. Sicher ist: Am Wetter lag es nicht. Alles Wichtige zum Spiel.

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Frage des Spiels: Hält das Wetter? Der erste Versuch war am Samstagabend im wahrsten Wortsinne ins Wasser gefallen, am Sonntagvormittag regnete es dann tatsächlich erneut in Rotterdam. Gut 15 Stunden nach dem ursprünglich geplanten Anpfiff präsentierte sich das Stadion "Het Kasteel" aber viertelfinalbereit. 21 Grad, Sonne-Wolken-Mix - dem Duell zwischen Deutschland und Dänemark stand nichts mehr im Weg.

Das Ergebnis: 1:2 (1:0). Deutschland ist ausgeschieden, Dänemark steht überraschend im EM-Halbfinale. Hier geht's zum Spielbericht.

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Fußball-EM der Frauen: Von der Rolle

Startaufstellungen
Deutschland: Schult - Blässe, Goeßling, Peter, Kerschowski - Demann - Doorsoun, Däbritz - Marozsan - Mittag, Dallmann
Dänemark: Petersen - Nielsen, Boye Sörensen, Larsen, Röddik - Trölsgaard, Jensen, Kildemoes, Veje - Nadim, Harder

Die erste Hälfte: Nur 130 Sekunden waren gespielt, als Isabel Kerschowski das deutsche Team aus 18 Metern in Führung brachte - unter gütiger Mithilfe der dänischen Torfrau Stina Lykke Petersen, die sich den Ball ins eigene Netz boxte. Sicherheit brachte das 1:0 dem deutschen Team aber seltsamerweise nicht, im Gegenteil, mit Ballverlusten und unpräzisen Pässen brachte die DFB-Auswahl den Gegner immer wieder in aussichtsreiche Situationen. Die beste Gelegenheit verpasste Pernille Harder, die Wolfsburgerin schob den Ball nur knapp am langen Pfosten vorbei (7. Minute). Steffi Jones stand meist kopfschüttelnd am Spielfeldrand, es war kein gutes Fußballspiel. Passend dazu setzte Mitte der ersten Hälfte auch der Regen wieder ein.

Standardabweichung: In der Gruppenphase hatten die DFB-Frauen ihre vier Treffer ausnahmslos nach ruhenden Bällen erzielt, drei durch Strafstöße. Zum Beginn der K.-o.-Runde gelang nun also endlich das erste - und letztlich einzige - Tor aus dem Spiel heraus. Auch wenn böse Zungen behaupten, Torwartfehler zählten im Frauenfußball ebenfalls zu den Standardsituationen.

Die Bluse von Steffi Jones: Muster, Farbe, Schnitt. Die Bundestrainerin lieferte, Spiel für Spiel. Unser Extra-Service für Modefans. Kommt jetzt aber wahrscheinlich in die Mottenkiste oder einen sehr dunklen Lagerraum des Deutschen Fußball-Museums.

Steffi Jones
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Steffi Jones

Die zweite Hälfte: Das deutsche Team knüpfte nahtlos an die Leistung der ersten Hälfte an. Nach einer weiteren Unaufmerksamkeit - die DFB-Abwehr wähnte das Spiel irrtümlich unterbrochen - köpfte Stürmerin Nadia Nadim am langen Pfosten zum Ausgleich ein. "Deutschland wird für sein pomadiges Spiel völlig zu Recht bestraft", urteilte ZDF-Kommentatorin Claudia Neumann treffend. Wenig später hätte Katrine Veje sogar das zweite dänische Tor erzielen müssen, setzte den Ball aber aus kurzer Distanz über das DFB-Tor (57.), auch Harder (60.) hatte eine weitere gute Möglichkeit.

Die Reaktion: Linda Dallmann kam nach einer guten Finte zumindest einmal wieder in eine vielversprechende Schussposition (61.), Mandy Islacker kurz darauf neu ins Spiel. Es blieb jedoch vor allem Stückwerk. Die beste Möglichkeit hatte noch Anja Mittag mit einem Kopfball knapp über den Kasten (75.), der entscheidende Treffer fiel aber kurz darauf auf der anderen Seite.

Nadia Nadim erzielt das 1:1 (49.)
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Nadia Nadim erzielt das 1:1 (49.)

Das Aus: In der 83. Minute ließen die deutschen Abwehrspielerinnen erneut eine Gegnerin laufen, Theresa Nielsen köpfte ohne große Mühe ein - und das war es dann. Dänemark kämpft am kommenden Donnerstag in Breda gegen Österreich oder Spanien um den Finaleinzug, die DFB-Delegation um Erklärungen.

Erkenntnis des Abends: Wenig Tempo, kaum Kreativität, kein Selbstvertrauen. Die deutschen Fußballerinnen werden erstmals seit 1993 nicht Europameisterinnen. "Uns haben die Aggressivität und die Überzeugung gefehlt", sagte Torfrau Almuth Schult. Außerdem eine tragende Spielidee - und zwar im gesamten Turnier. Für den achtfachen Europameister Deutschland endet die EM 2017 vorzeitig, die Diskussion um die Zukunft der Bundestrainerin dürfte damit aber erst beginnen.



insgesamt 56 Beiträge
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vonkniestaedt 30.07.2017
1. hochgelobt
und tief gefallen. Nach mäßigen Kick verdient gegen Dänemark ausgeschieden.
thrust26 30.07.2017
2. Bisschen früh
...für eine sinnvolle Trainerdiskussion. Allerdings wird sie sicher trotzdem kommen, schließlich gibt es in D 80 Millionen Bundestrainer. Fakt ist, die Mannschaft hat (für ihre Verhältnisse) ein grottenschlechtes Turnier gespielt und Steffi Jones steht damit als Verantwortliche ab sofort unter permanentem Druck. Ein weiteres schlechtes Turnier darf sie sich nicht erlauben.
ClausB 30.07.2017
3. Seit dem ersten Spiel bei der EM
schlecht gespielt, keine Steigerung zu sehen in den folgenden Partien und ein sang - und klangloses, aber gerechtes AUS im Viertelfinale gegen Dänemark. Das Auftreten in diesem Spiel war einfach nur desolat; S.Jones konnte die Spielerinnen nicht motivieren - weder in den ersten Spielen noch heute, kein Aufbäumen, keinen Willen, um über den Kampf zum Spiel zu finden. Da sollte auch mal die Arbeit von Jones auf den Prüfstand : Im Training alles Klasse.....und im Ernstfall ?
Criticz 30.07.2017
4. Desolat...sorry,
ein anderes Wort fällt einem angesichts dieser Vorstellung nicht mehr ein. Die Mängel im Aufbau, die Fehlpassquote...alles bekannt. Aber das selbst nach dem 1-2 kein Aufbäumen, nicht der Ansatz von Kampfgeist zu sehen war- erschreckend. Zeit für Konsequenzen.
eurusiii 30.07.2017
5. Was war schlimmer ?
Der Grottenkick, die Reporterin Neumann (sie sollte doch lieber Farbnuancen von grauen Asphaltbelägen kommentieren, sowas von emotionslos) oder das Oberteil von Steffi Jones ?! .... ich weiß es nicht.....
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