Fußball-EM Mehr als 4100 Festnahmen wegen illegaler Wetten in Asien

Bei Razzien sind in verschiedenen Ländern Asiens mehrere Tausend Menschen wegen illegaler Wetten zur Fußball-EM festgenommen worden. Ein Experte kritisiert die Verhaftungen als kontraproduktiv.

Illegale Wetten in Asien
REUTERS

Illegale Wetten in Asien


Wegen illegaler Wetten während der Fußball-EM sind nach Angaben der internationalen Polizeiorganisation Interpol in mehreren Ländern Asiens insgesamt mehr als 4100 Menschen festgenommen worden. 13,6 Millionen US-Dollar (12,3 Millionen Euro) seien beschlagnahmt worden, teilte Interpol mit. Während der Operation habe es fast 4000 Razzien in illegalen Wettbuden in China, Malaysia, Singapur und Vietnam gegeben. Auch in Frankreich, Griechenland und Italien gab es demnach Aktionen.

Bei einer zweiten Operation namens Aces, die sich auf Kambodscha, Korea, die Philippinen, Thailand und Vietnam konzentrierte, seien internationale Netze ins Visier genommen worden, die hinter illegalen Websites und betrügerischen Callcentern steckten. Bei beiden Operationen wurden Computer und Mobiltelefone beschlagnahmt, die nun ausgewertet werden, wie es weiter hieß.

"Illegales Glücksspiel schafft enorme Profite für organisierte kriminelle Netze, die oft mit Korruption, Menschenhandel und Geldwäsche in Verbindung stehen", sagte Jim Anderson, Chef der Interpol-Einheit zur Bekämpfung von Korruption und Finanzverbrechen.

Die Festnahmen erfolgten im Rahmen der seit 2007 laufenden Operation Soga von Interpol. Insgesamt wurden 12.500 Menschen verhaftet und 3400 illegale Wettbüros geschlossen. Doch es gibt auch Kritik an den vermeintlichen Fahndungserfolgen. Der Australier Chris Eaton, ein ehemaliger Polizeioffizier und Experte für Sportbetrug, sagte der Presseagentur AP, bei solchen Razzien würden nur die kleinen Wettbetrüger gefasst, die großen Syndikate aber sogar gestärkt, weil ihre Konkurrenten zerschlagen würden.

aha/dpa

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insgesamt 2 Beiträge
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perlentaucher2000 18.07.2016
1. verheerend und wirkungslos
Organisierte Kriminalität in Asien ist ein gravierendes und wachsendes Problem. Korruption und mangelnde Perspektiven drängen die kleinen Leute, sich auf solche Geschäfte einzulassen. Als kleine Rädchen agieren sie in hochvernetzten Banden, die sie selbst nicht durchschauen. Für die schwächsten Glieder sind die Razzien und Festnahmen verheerend, da ganze Familien oft von der einen Einnahmequelle leben. Solange Ermittlungen und Strafen auf der Ebene verweilen, fördern sie den blühenden Wirtschaftszweig Kriminalität.
90-grad 18.07.2016
2. Ist ja
Zitat von perlentaucher2000Organisierte Kriminalität in Asien ist ein gravierendes und wachsendes Problem. Korruption und mangelnde Perspektiven drängen die kleinen Leute, sich auf solche Geschäfte einzulassen. Als kleine Rädchen agieren sie in hochvernetzten Banden, die sie selbst nicht durchschauen. Für die schwächsten Glieder sind die Razzien und Festnahmen verheerend, da ganze Familien oft von der einen Einnahmequelle leben. Solange Ermittlungen und Strafen auf der Ebene verweilen, fördern sie den blühenden Wirtschaftszweig Kriminalität.
alles richtig. Aber woher nehmen Sie die Beschränkung auf Asien? Das ist m.E. ein weltweites Problem. Und dieses gehört nicht zu den Größten.
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