Italiens Nationalteam vor der EM: O Dio mio

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Eine Woche vor der EM versinkt Italiens Fußball im Chaos, Nationalspieler müssen sich des Betrugsvorwurfs erwehren. Jetzt gerät auch Leitfigur und Kapitän Gianluigi Buffon ins Visier der Ermittler. Schon einmal waren die Azzurri in ähnlicher Lage - und wurden anschließend Weltmeister.

Nationalmannschafts-Kapitän Buffon: "Kann mit meinem Geld machen, was ich will" Zur Großansicht
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Nationalmannschafts-Kapitän Buffon: "Kann mit meinem Geld machen, was ich will"

2006 war ein furchtbares Jahr für den italienischen Fußball. Spitzenclubs, allen voran Juventus Turin, wurden der Spielmanipulation überführt. Der Manager von Juventus stürzte sich aus dem Fenster. Fanausschreitungen erschütterten das Land.

Die Nationalmannschaft fuhr anschließend zum WM-Turnier nach Deutschland und wurde Weltmeister.

Demnach stehen 2012 die Aussichten für die Squadra Azzurra äußerst gut, den EM-Titel zu holen. Wieder versinkt Italiens Fußball im Chaos, Nationalspieler stehen unter dem Verdacht des Wettbetrugs, Nationaltrainer Cesare Prandelli räsoniert sogar über einen Verzicht auf eine EM-Teilnahme, und Ministerpräsident Mario Monti denkt laut darüber nach, ob Italiens Profifußball nicht einfach mal zwei, drei Jahre eine Pause einlegen sollte. Die Lage ist in gewissem Sinne gar noch ernster als 2006 - da auch Spieler aus dem aktuellen Kader in den Wettskandal hineingezogen werden.

Zunächst wurde Linksverteidiger Domenico Criscito aus dem Aufgebot gestrichen, nachdem er in Verdacht geraten war, Spielausgänge illegal beeinflusst zu haben und im Teamhotel der Italiener deswegen eine Razzia durchgeführt wurde. Und jetzt ist ein echtes Fußball-Denkmal ins Wanken geraten: Torwart Gianluigi Buffon ist ins Visier der Ermittler gerückt. Buffon, der Kapitän der Nationalmannschaft, der Weltmeister von 2006, der viermal als Welttorhüter Geehrte, der 113fache Nationalspieler - verstrickt in Wettgeschäfte? Das würde das Team zutiefst erschüttern. Und dies alles gerade einmal eine gute Woche vor dem ersten EM-Auftritt der Azzurri.

Ein ganzer Satz wertvoller Armbanduhren für Buffon

Die untersuchenden Staatsanwälte waren bei der Untersuchung eines Wettbüros in Parma auf den Namen des Keepers gestoßen. Buffon soll dort 2010 Schecks im Gesamtwert von 1,5 Millionen Euro eingereicht haben. Der Juventus-Torwart weist allerdings sämtliche Vorwürfe, er sei in illegale Wettgeschäfte verwickelt, vehement zurück. Seine Ausführungen "mit meinem Geld kann ich machen, was ich will, ich bin niemandem Erklärungen schuldig", hören sich allerdings nicht wie das kräftigste Dementi aller Zeiten an. Eher schon sein Satz: "Illegale Wetten sind etwas Negatives, damit habe ich nichts zu tun."

Buffons Anwalt Marco Valerio Corini erklärte, Buffon habe für einen Großteil des betreffenden Geldes einen ganzen Schwung an wertvollen Armbanduhren erstanden. "Wir können für jeden Geldfluss nachweisen, dass er nicht für Sportwetten eingesetzt wurde", so der Anwalt. Vorwürfe gegen den 34-jährigen Ausnahme-Torwart sind nicht ganz neu: Schon 2006 gab es Anfangs-Ermittlungen gegen ihn, nachdem er für zwei Millionen Euro Wetten abgeschlossen hatte. Sie wurden allerdings eingestellt. Der Nachweis, dass er in irgendeiner Form an Spielmanipulationen beteiligt gewesen war, konnte nicht erbracht werden.

Zu den aktuellen Beschuldigungen soll Buffon vom italienischen Verband intensiv befragt werden - allerdings erst nach der EM. Eine geradezu klassische italienische Lösung.

Einer ordentlichen Turnier-Vorbereitung sind diese Vorwürfe und Affären wenig dienlich, und Trainer Prandelli, der seit 2010 mit ruhiger Hand ein Team aufgebaut hat, das wieder höchste Ansprüche anmelden darf, sieht die Früchte seiner Arbeit bedroht. Wie sehr die Mannschaft von den Ereignissen der Woche beeindruckt ist, konnte man am Freitagabend im Züricher Letzigrundstadion sehen. Eine verunsicherte italienische Nationalmannschaft ließ sich von Gegner Russland vorführen und unterlag im letzten Testspiel deutlich 0:3.

Ausgerechnet Skandalnudel Mario Balotelli war der Einzige, der sich auf dem Platz gegen die Niederlage stemmte und eine gute Figur abgab. Möglicherweise ist Balotelli durch all die kleinen und großen Aufreger um seine Person dermaßen abgehärtet, dass eine Razzia wegen Wettbetrugs ihn nicht mehr großartig erschüttern kann.

Am kommenden Sonntag hat die Squadra Azzurra ihren ersten Auftritt bei der EM. Als Aufbaugegner für das leidgeprüfte Team steht der Welt- und Europameister Spanien zur Verfügung. Tutto bene.

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insgesamt 27 Beiträge
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1.
BlakesWort 02.06.2012
Leider ist das Wetten und mafiöse Strukturen tief verwurzelt im italienischen Fußball. Nachgewiesen wurde schon, wie gut die Spieler von ganz oben geschützt wurden. Normalerweise müsste die FIFA die italienischen Ligen in Sippenhaft nehmen und härter durchgreifen, als 2006. Aber bei so einem sauberen Verein wie der FIFA (Ironie aus), wird man sich wohl aus den falschen Gründen gegen so einen Schritt entscheiden müssen.
2. @BlakesWort
thedude111 02.06.2012
Das gibt es hier in Deutschland auch, vielleicht in einer etwas anderen Form. Oder sind sie so naiv zu glauben, das der Skandal vor einigen Jahren hier ein Einzelfall war ? Mir tut es leid um Prandelli, der in den letzten Jahren wieder ein Topteam zusammengestellt hat. Doch Chancen für die Italiener sehe ich bei der EM nicht. 2006 waren es "alte Hasen" die mit so einem Skandal besser umgehen können als so mancher Jungprofi.
3. Nicht nur in Italien
hubertrudnick1 02.06.2012
Zitat von BlakesWortLeider ist das Wetten und mafiöse Strukturen tief verwurzelt im italienischen Fußball. Nachgewiesen wurde schon, wie gut die Spieler von ganz oben geschützt wurden. Normalerweise müsste die FIFA die italienischen Ligen in Sippenhaft nehmen und härter durchgreifen, als 2006. Aber bei so einem sauberen Verein wie der FIFA (Ironie aus), wird man sich wohl aus den falschen Gründen gegen so einen Schritt entscheiden müssen.
Die Wettmafia versucht es in vielen Ländern und nicht nur in Italien, auch bei uns sitzen sie schon zu tief drinnen im Geschäft. Es kommt nur auf die Aufdeckung an, aber möchte man das immer so genau wissen? HR
4. nur im italienischen Fußball?
wolfgangotto 02.06.2012
Zitat von BlakesWortLeider ist das Wetten und mafiöse Strukturen tief verwurzelt im italienischen Fußball.
Fußball ist ein Spiel, bei dem gewettet wird. Immer wenn gewettet wird, gibt es kriminelle Elemente, die ihr Schäflein betrügerisch ins Trockene bringen wollen. Die gesamte FIFA an ihrem Schweizer Stammsitz fällt in diese Kategorie. Warum sollen die Vereine -und beileibe nicht nur die in Italien- das nicht ausnutzen, denn jeder ist korrumpierbar. Es herrschen dieselben Strukturen wie auf den halbseidenen Finanzmärkten, wo mir anderer Leute Geld gezockt wird. Trotzdem ist und bleibt Fußball ein schönes Spiel und es ist letztlich egal, wer aus welchen Gründen gewinnt.
5. Italiens Fußball ist ohnehin nur noch zweitklassig.
frank_w._abagnale 02.06.2012
Italien war bis Anfang der 90er-Jahre mal das Maß aller Dinge in Sachen Fußball. Mittlerweile werden mit Italiens Fußball nur noch Korruption, Gewalt, Manipulation, Rassismus und unterdurchschnittlicher, seelenloser Fußball in leeren grauen Betonschüsseln in Verbindung gebracht. Gute Fußballer spielen mittlerweile in Spanien, Deutschland und England. Italien ist vom Anspruch her mittlerweile eine Alpenliga geworden, die sich nahtlos in die derer in der Schweiz und Österreich einreiht. Es ist ein Fiasko, was aus Italiens Fußball geworden ist. Ganz Europa schämt sich dafür. Eine Nichtteilnahme der Italiener an der EM wäre daher wohl kein großer Verlust, sondern nach derzeitigem Stand der Dinge eher ein Segen.
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